„Boten der Freundlichkeit“

Papst mit kontroverser Aussage: Franziskus will keine Nonnen mit „Essiggesicht“

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Papst Franziskus sorgt erneut für Aufsehen: Er rügt „Essiggesichter“ bei Nonnen und fordert mehr Freundlichkeit. Ein Aufruf mit kontroverser Wirkung.

Vatikanstadt – Dass sich der Vorstand der katholischen Kirche, Papst Franziskus, gerne mal im Ton vergreift, ist keine Seltenheit. Bereits im vergangenen Jahr machte der Pontifex Maximus negativ auf sich aufmerksam, als er Homosexuelle salopp als „frociaggine“ (zu Deutsch: „Schwuchteln“) bezeichnete. Nun sorgt der 88-jährige Argentinier erneut für Kontroversen: Bei einem Treffen mit Ordensfrauen im Vatikan wählte er Worte, die bei vielen für Unmut sorgen.

In einer Audienz mit den Missionsschulschwestern der heiligen Katharina von Siena, die ihr 100-jähriges Bestehen feierten, äußerte sich Franziskus kritisch über Nonnen mit „Essiggesichtern“. Wie er selbst erklärte, verstehe er darunter Frauen, deren Gesichtsausdruck durchweg grimmig, abweisend oder gar verbittert wirke. „Das ist nicht liebenswürdig, das ist nicht etwas, das hilft, Menschen anzuziehen“, sagte der Papst laut kath.net.

Papst Franziskus am 4. Januar 2025 bei der Bischofsweihe des Stellvertreters der Diözese Rom und des Auxiliars des südlichen Sektors.

Fettnäpfchen-Artist Papst Franziskus: Er verteidigt Aussage über „Essiggesichter“

Mit dieser saloppen Formulierung wolle Franziskus darauf hinweisen, dass ein einladendes Auftreten von zentraler Bedeutung für die Glaubwürdigkeit und Attraktivität der Kirche sei. Doch seine Wortwahl polarisiert.

Neben seiner Kritik fand der Papst auch lobende Worte für die Missionsschulschwestern. Er schätzte ihren „freundlichen und liebevollen Lebensstil“ und appellierte an sie, stets gut und freundlich zu reden. Besonders hob er hervor, wie wichtig es sei, den „sehr großen Feind“ des Geschwätzes zu meiden. „Geschwätz tötet, Geschwätz vergiftet. Bitte, kein Geschwätz unter euch. Seid Boten der Freundlichkeit“, so Franziskus weiter.

Das Image-Problem der Katholischen Kirche: Alte Muster, neue Debatte

Während die Nonnen selbst die Worte des Papstes anscheinend mit Humor und Einsicht aufnahmen, stieß seine Ausdrucksweise außerhalb des Vatikans auf gemischte Reaktionen. Kritikerinnen und Kritiker werfen ihm vor, mit solch drastischen Begriffen den Respekt vor Ordensfrauen zu untergraben. Der Papst ist für seine direkte Art bekannt, die ihn zwar sympathisch, manchmal aber auch unbedacht wirken lässt.

Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche hatte der katholischen Kirche bereits 2010 den Negativpreis „Verschlossene Auster“ verliehen, um deren mangelnde Transparenz in der Missbrauchsaffäre zu rügen. Die Skulptur wurde damals stellvertretend an die Deutsche Bischofskonferenz überreicht. Die Jury kritisierte, dass die Kirche den Anspruch der Öffentlichkeit auf ehrliche und vollständige Informationen missachte, obwohl sie selbst Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit predige. Laudator Heribert Prantl warf der Kirche vor, ihre Sprache verloren zu haben, besonders in Bezug auf Themen wie Sexualität, Zölibat und Verhütung. Diese Tabuisierung führe zu einem Verlust an Glaubwürdigkeit. Zuletzt waren viele Gläubige aufgrund des gesundheitlichen Zustandes um Past Franziskus in Sorge. (ls)

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / ZUMA Press Wire

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