Erschreckende Wortwahl

Papst Franziskus entsetzt Bischöfe mit Aussagen über Homosexuelle – jetzt reagiert der Vatikan

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Papst Franziskus hat sich abfällig über homosexuelle Männer geäußert. Seine Aussagen sorgen für Empörung und Diskussionen. Nun entschuldigt sich der Vatikan.

Rom – Eine abfällig homophobe Äußerung von Papst Franziskus hat unter den Bischöfen Entsetzen ausgelöst. Der Papst erklärte hinter verschlossenen Türen, dass homosexuelle Männer nicht zu kirchlichen Seminaren zugelassen werden sollten. Dabei verwendete er die abwertende homophobe Beleidigung „Schwuchtelei“, was über Italien hinaus für heftige Reaktionen sorgte.

Papst Franziskus sprach bei einer nicht-öffentlichen Sitzung der italienischen Bischofskonferenz im Vatikan über die Zulassung von Seminaristen. Laut italienischen Medienberichten, etwa des Corriere Roma, äußerte er, dass homosexuelle Männer besser nicht in Priesterseminare aufgenommen werden sollten, da es bereits „zu viele“ homosexuelle Aktivitäten gebe. Die anwesenden Bischöfe reagierten demnach entsetzt auf die Wortwahl des Papstes.

Papst Franziskus beim ersten Weltkindertag auf dem Petersplatz im Vatikan am 26. Mai 2024

Papst Franziskus entschuldigt sich

Die Bischöfe waren sich einig, dass die Ausdrucksweise des Papstes unangebracht war. Wie die Zeitungen „Corriere della Sera“ und „La Repubblica“ unter Berufung auf teilnehmende Bischöfe berichteten, benutzte das Kirchenoberhaupt dabei das entsprechende vulgäre italienische Wort „frociaggine“. Die zitierten Bischöfe nahmen den Papst allerdings in Schutz: Dem Argentinier sei wohl nicht bewusst gewesen, wie beleidigend das italienische Wort sei. Francesco Lepore, ein ehemaliger Priester und nun Aktivist für die Rechte von Homosexuellen, äußerte sich fassungslos und meinte, die Wortwahl erinnere eher an eine Kneipe als an den Vatikan.

Am Dienstagnachmittag entschuldigte sich Papst Franziskus dann für seine Äußerung. „Der Papst hatte nie die Absicht, jemanden zu beleidigen oder sich homophob auszudrücken“, erklärte der Vatikan am Dienstag. Das Kirchenoberhaupt entschuldige sich bei allen, die sich durch seine Wortwahl „beleidigt“ gefühlt hätten.

Diese jüngsten Äußerungen des Papstes stehen im Widerspruch zu seinen vorherigen liberaleren Aussagen zur LGBT-Community. 2013 hatte Franziskus erklärt: „Wenn jemand schwul ist und den Herrn sucht und guten Willen hat, wer bin ich, darüber zu urteilen?“ Zudem bezeichnete er im vergangenen Jahr Gesetze, die Homosexualität kriminalisieren, als „Sünde“ und „Ungerechtigkeit“. Franziskus gestattete es außerdem katholischen Priestern, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen.

Die Katholische Kirche und Homosexualität: Eine zähe Entwicklung

Die Diskussion über homosexuelle Männer in Priesterausbildungen ist nicht neu. Bereits 2018 hatte Franziskus eine ähnliche Botschaft ohne abfällige Wortwahl verkündet und die Bischöfe aufgefordert, Bewerber sorgfältig zu prüfen und Homosexuelle abzulehnen. Das vatikanische Dokument von 2005, das unter Papst Benedikt XVI. veröffentlicht und 2016 von Franziskus bestätigt wurde, unterscheidet zwischen einfacher homosexueller Orientierung und „tief verwurzelten Tendenzen“. Für Männer, auf die letzteres zutrifft, wird die Zulassung zu Priesterseminaren untersagt.

Die jüngsten Äußerungen von Papst Franziskus könnten jedoch eine radikalere Haltung in dieser Frage andeuten. Die Kontroverse zeigt, wie tief gespalten die katholische Kirche auch noch im Jahr 2024, in Bezug auf die Akzeptanz von Homosexualität, ist.

Papst Franziskus lehnte Frauenweihe ab

Erst kürzlich irritierte das Oberhaupt der katholischen Kirche gläubige Gefolgsleute, als er sich an Pfingsten in einem CBS-Interview gegen die Weihe von Frauen in der katholischen Kirche aussprach. Auf die Frage der Moderatorin, ob ein katholisches Mädchen je die Möglichkeit haben werde, Diakonin und damit Mitglied des Klerus zu werden, antworte der Papst mit einem deutlichen „Nein“. Frauen könnten großartige Dienste leisten, aber nicht durch Weihe, so der Papst.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing zeigt sich überrascht und irritiert über Papst Franziskus‘ klare Ablehnung der Frauenweihe, wie die Evangelische Zeitung berichtet. “Ich habe ihn noch nie so reden hören und habe öfter schon mit ihm auch persönlich über diese Fragen gesprochen“, so der Theologe. Bätzing betont, dass das Thema Frauenweihe bei allen Beratungen der Weltsynode wichtig gewesen sei und der Papst eine eigene Arbeitsgruppe dazu eingerichtet habe. Die Auslagerung dieser Frage an Arbeitsgruppen stimme Bätzing jedoch skeptisch. Er sieht einen erheblichen Reformdruck in der Kirche. Bätzing äußerte zudem seine Überzeugung, dass in der heutigen kulturellen Situation Frauen und das Priesteramt gut vereinbar seien.

Es bleibt abzuwarten, wie der Vatikan auf diese neuen Entwicklungen reagieren wird. Offizielle Stellungnahmen aus dem Vatikan zu den jüngsten Kommentaren stehen noch aus. (ls)

Rubriklistenbild: © Foto: Imago Images/ Alessia Giuliani

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