VonYannick Hankeschließen
Steht Deutschland ein heißer Corona-Herbst bevor? Forscher zeigen sich wegen der neuen Variante „Pirola“ besorgt. Ihre genetische Vielfalt steht dabei im Fokus.
Frankfurt – Nicht nur medial galt die Corona-Pandemie längst als vorbei. Auch im Bewusstsein sowie der Wahrnehmung der Gesellschaft hat das Virus seit längerer Zeit kaum mehr eine Rolle gespielt. Dabei kam und kommt es nach wie vor zu Infektionen mit dem Coronavirus. In diesem Zusammenhang könnte künftig auch häufiger die Rede von „Pirola“ sein – einer neuen Corona-Variante, die als „auffälligster Stamm seit Omikron“ bezeichnet wird.
Neue Omikron-Subvariante BA.2.86 aufgetaucht: Was über „Pirola“ bekannt ist
Von „mindestens so vielen Mutationen wie bei Omikron“, aber auch von „Alarm“ ist in einem Artikel im Fachblatt BMJ die Rede. Gemeint ist hiermit die neue Corona-Variante „Pirola“, welche den wissenschaftlichen Namen BA.2.86 trägt. Der UK-Wissenschaftler Francois Balloux spricht in Bezug auf „Pirola“ vom „auffälligsten Sars-CoV-2-Stamm, den die Welt seit der Entstehung von Omikron gesehen hat“
Doch was ist bereits über die neue Corona-Variante bekannt? Und wann wurde „Pirola“ überhaupt zum ersten Mal registriert? Am 24. Juli wurde die neue Corona-Variante erstmals in Dänemark nachgewiesen. Die Untervariante von Omikron ist seitdem auch in den USA, in Israel sowie in Großbritannien aufgetaucht. Doch scheint „keiner der Fälle miteinander verbunden zu sein“, heißt es explizit im Fachblatt BMJ.
30 Mutationen am Spike-Protein: Was die neue Corona-Variante „Pirola“ so gefährlich macht
Doch soll „Pirola“ bereits seit Monaten im Umlauf sein, so die Einschätzung von Balloux, seines Zeichens Direktor des Genetics Institute am University College London. Dies würde die genetische Vielfalt der Corona-Variante nahelegen. Was „Pirola“ ausmache: 30 Mutationen am Spike-Protein. Dieses wird vom Coronavirus dazu genutzt, um die menschlichen Zellen zu befallen. An seiner Außenhülle gelegen, bindet es sich spezifisch an den ACE2-Rezeptor auf der Oberfläche menschlicher Zellen.
Das hat zur Folge, dass das Virus mit der menschlichen Zellmembran verschmelzen kann. Das Erbgut wird ins Innere der Zelle geschleust, dort vermehrt es sich weiter. Heißt: Das Spike-Protein kann durchaus als Angriffspunkt für Corona-Therapien sowie Impfungen bezeichnet werden. Wenn es Mutationen aufweist, wird dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es die Immunität durch frühere Infektionen und Impfungen umgeht.
Fieber, Husten, Kopfschmerzen: Diese Symptome könnten auf Infektion mit Corona-Variante „Pirola“ hindeuten
Da noch zu wenige Daten über die neue Corona-Variante „Pirola“ vorliegen, kann auch noch nicht valide gesagt werden, welche Symptome mit ihr einhergehen. Experten und Expertinnen beziehen sich jedoch auf die klassischen Symptome, die bei allen Varianten des BA.2-Stammes nach einer Infektion auftreten können. Diese sind:
- Schnupfen mit laufender Nase
- Kopfschmerzen
- Fieber
- Abgeschlagenheit
- hartnäckiger Husten mit trockenem Hals
„Mindestens so viele Antikörper“ wie bei früheren Varianten: WHO beobachtet Omikron-Subvariante BA.2.86
Ob sich die neue Corona-Variante „Pirola“ rasant verbreiten wird? Auch das können Expertinnen und Experten nicht seriös beantworten. Es bleibe abzuwarten. Doch hätte „Pirola“ auf jeden Fall „alle charakteristischen Merkmale von etwas, das abheben kann“, so die Einschätzung des US-Immunologen Kristian Andersen im entsprechenden BMJ-Bericht.
Der Virologe Jesse Bloom vom Fred Hutchinson Cancer Research Institute in Seattle wiederum schreibt von „mindestens so vielen Antikörpern“ wie bei früheren Varianten á la XBB 1.5, denen „Pirola“ entweichen würde. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hatte BA.2.86 deswegen präventiv auch als „Variante unter Beobachtung“ eingestuft. Derweil geht ein Epidemiologe im Gespräch mit IPPEN.MEDIA sehr sicher von einer neuen Corona-Welle „im Herbst oder Winter“ aus.
„Dann würde Corona wieder von vorne anfangen“: Virologe schätzt Gefährlichkeit von Corona-Variante „Pirola“ ein
Doch nicht nur über die mögliche Ausbreitung von „Pirola“ kann nur spekuliert werden. Selbiges gilt auch für die Krankheitsschwere der Mutation. Experte Balloux weiß zumindest eine Entwarnung zu geben:
Selbst im schlimmsten Fall, in dem BA.2.86 eine große neue Welle von Fällen auslöste, rechnen wir nicht mit vergleichbaren schweren Erkrankungen und Todesfällen wie zu Beginn der Pandemie, als sich Alpha, Delta, oder Omikron verbreiteten.
Anders verhält es sich mit dem deutschen Virologen Martin Stürmer. Er warnt vor „Pirola“ und sagt: „BA.2.86 unterscheidet sich von Omikron so stark wie Omikron von Delta – und könnte damit die bestehende Immunität aushebeln“. So die Einschätzung des Experten im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Dann würde Corona wieder von vorne anfangen“, fügt Stürmer an. Doch gebe es noch keine Anzeichen dafür, dass sich diese neue Corona-Variante schlussendlich auch durchsetze. (han)
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