VonMomir Takacschließen
Aktuell sorgt die Omikron-Sublinie Eris für steigende Corona-Fälle in Deutschland. Doch schon bald könnte eine neue Variante für Probleme sorgen.
Berlin/München – Das Coronavirus spielte in Deutschland in den vergangenen Monaten keine Rolle mehr. Zahlen von Neuinfektionen waren verschwindend gering, Menschen mit Maske traf man höchst selten an. Doch seit sechs Wochen häufen sich im Labor bestätigte Fälle wieder – wenn auch auf niedrigem Niveau. Für eine Virologin Grund genug, zu warnen.
Dabei ist es nicht die sich gerade auch in Deutschland ausbreitende Omikron-Sublinie EG.5 (auch Eris genannt), die Isabella Eckerle Kopfzerbrechen bereitet, sondern die Variante BA.2.86, die zuletzt in vielen Ländern der Welt aufgetaucht ist. Noch gebe es nur vereinzelt Nachweise, doch es sei erstaunlich, „wie viele Mutationen diese neue Variante hat“, sagte die deutsche Medizinerin, die als Professorin am Zentrum für neuartige Viruserkrankungen an den Universitätskliniken Genf tätig ist, dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.
Virologin warnt vor Corona-Variante BA.2.86 – in Deutschland bislang noch nicht nachgewiesen
Eckerle zufolge unterscheidet sich die neue Variante „genetisch ungefähr so stark von Omikron wie Omikron sich von den vorherigen Varianten.“ Es wird außerdem vermutet, dass die Antikörper des Menschen Probleme haben werden, die neue Mutante zu erkennen (Immunflucht). Sollte BA.2.86 es schaffen, die derzeitigen Varianten hinsichtlich der Übertragbarkeit zu überholen, rechnet Eckerle mit einer baldigen Zunahme der Infektionszahlen.
„Das Virus ist noch nicht fertig mit uns“, warnte die 42-Jährige. „Für mich ist Sars-CoV-2 eine eigene Kategorie, weder ist es ein banales Erkältungsvirus noch kann man es mit Influenza oder RSV vergleichen. Es wird weiterhin bestimmte Gruppen schwer krank machen und Komplikationen verursachen; wir verstehen immer noch nicht den Mechanismus dahinter“, erklärte die Virologin. Als Beispiel nannte sie Long Covid oder durch Corona verursachte neurologische Erkrankungen.
Virologin Eckerle: Corona führt im Herbst und Winter zu Personalengpässen in Kliniken und Arztpraxen
Für den Herbst und Winter befürchtet Eckerle „sehr viele Infektionen, in allen Bevölkerungsgruppen“, wenn auch nicht mehr mit der Schwere wie zu Anfang der Corona-Pandemie. Die „Mischung aus Sars-CoV-2, Influenza, RSV und den saisonalen respiratorischen Viren“ könne zu Personalengpässen in Krankenhäusern und Arztpraxen führen.
Der Spezialist für Corona-Varianten Richard Neher aus Basel wies darauf hin, dass BA.2.86 zwar bislang nur selten sequenziert wurde, jedoch in verschiedenen Ländern. Dies deute auf eine bereits weite Verbreitung hin. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge ist die Variante in Deutschland noch nicht nachgewiesen worden.
Epidemiologe Zeeb rät zu Corona-Tests und vermutet hohe Dunkelziffer
Angesichts steigender Zahlen rät der Epidemiologe Hajo Zeeb bereits jetzt zu Corona-Tests. „Wer Erkältungssymptome hat, sollte sich jetzt wieder testen, um eine Corona-Infektion zu erkennen und möglichst niemanden anzustecken“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Tests seien weiterhin zuverlässig.
Zeeb vermutet eine hohe Dunkelziffer der Infektionen. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich viele Menschen gerade mit Corona infiziert haben und glauben, nur an einer Erkältung erkrankt zu sein“, sagte der Epidemiologe. Wegen der Häufung der Omikron-Sublinie Eris in Großbritannien plädieren Experten für ein Comeback der Maske. (mt)
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