VonRebecca Röhrichschließen
Mark Zuckerberg plant eine KI, die alles an bisher entwickelter, künstlicher Intelligenz übertreffen soll. Jetzt hat der Chiphersteller Nividia das KI-System vorgestellt, dass diese Pläne möglich machen kann.
Update vom 19. März 2024, 08:22 Uhr: Der Chatbot ChatGPT ist gerade dabei, den Alltag vieler Menschen grundlegend zu verändern. Jetzt steht eine neue, angeblich bahnbrechende, Entwicklung in den Startlöchern. Eine „neue industrielle Revolution“ nennt Nvidia-Chef Jensen Huang die neuste Generation KI-System, die in erster Linie beim Anlernen künstlicher Intelligenz genutzt werden soll. Das „Blackwell“-System sei darin 30 Mal besser als „Hopper“, betonte Huang am Montag auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz GTC in San Jose.
Das Chip-System „Hopper“ war maßgeblich am Erfolg des Chatbot ChatGBT beteiligt, „Blackwell“ soll diesen Erfolg noch übertreffen. Mit „Hopper“ hätte man ChatGPT innerhalb von drei Monaten mit 8000 Nvidia-Chips und einem Stromverbrauch von 15 Megawatt trainieren können, sagte Huang. Mit „Blackwell“ schaffe man dies im gleichen Zeitraum mit 2000 Chips und 4 Megawatt Strom. Große KI-Unternehmen wie Microsoft, Google und Amazon planen bereits den Einsatz von „Blackwell.“
Ein Hauptziel dieser Entwicklung soll es sein, dass sogenannte humanoide Roboter durch die reine Beobachtung von Menschen Fähigkeiten erlernen sollen. „Der ChatGPT-Moment für Robotik könnte unmittelbar bevorstehen“, sagte Huang. Eine zentrale Rolle sollen dabei Simulationen spielen, in denen Roboter für die reale Welt lernen.
Unkontrollierte Entwicklung: Zuckerberg plant gefährliche KI – Expert:innen alarmiert
Erstmeldung vom 25.01.2024: Mark Zuckerberg hat Großes vor. Auf seinem Instagram-Auftritt strahlt der Facebook-Gründer in die Kamera, als er von seinem neusten Clou in der Entwicklung seines Metaverse berichtet. Und tatsächlich will er nicht weniger, als eine künstliche Intelligenz erschaffen, die der menschlichen Intelligenz gefährlich nah kommt. Und damit nicht genug: er will die Software allen Menschen sofort zur Verfügung stellen. Informatiker:innen und AI-Experten:innen sind im höchsten Maße alarmiert.
Facebook-Gründer Zuckerberg plant eine KI, die selbst lernen kann
Die nächste Generation virtueller Assistenten müsse noch intelligenter werden, um uns in sämtlichen Bereichen des Lebens unterstützen zu können, erzählt Zuckerberg begeistert in seinem Instagram-Post vor wenigen Tagen. Wenn es nach Zuckerberg ginge, sollten virtuelle Assistenten lieber heute als morgen kognitive Fähigkeiten entwickeln. Künstliche Intelligenz soll also immer besser Lernen, Erinnern, Planen und Wahrnehmen können. Laut Zuckerberg mit dem einfachen Ziel, uns „immer besser zu dienen.“
Um das möglich zu machen, berichtet der Facebook-Gründer weiter, habe er 350.000 Nvidia H100-Grafikchips gekauft. Eine sehr kostspielige Investition - selbst für Zuckerberg, die seine Ambitionen nur unterstreicht: Ein Chip kostet 30.000 US-Dollar, wie das Tech-Magazin futurism.com berichtet. Diese Chips sind ein wichtiger Baustein, um eine Software zu entwickeln, die der menschlichen Intelligenz sehr ähnlich ist. Denn sie soll die Fähigkeit, selbstständig zu lernen, in sich tragen. Artificial General Intelligence (AGI) nennt sich das – zu Deutsch nur leidlich übersetzbar mit „künstliche allgemeine Intelligenz“.
„Diese Technologie ist so wichtig und toll, dass wir sie so vielen Menschen wie möglich zur Verfügung stellen sollten, damit jeder davon profitieren kann“, sagt Zuckerberg. Open Source nennt sich das Ganze und bedeutet, dass Endnutzer:innen die Software kostenfrei nutzen und für ihre Bedürfnisse weiter entwickeln können. Spätestens bei der Tatsache, dass diese neue Technologie frei zugänglich gemacht werden soll, läuten bei ausgewiesenen Expert:innen die Alarmglocken. „Der Gedanke, dass Open-Source-AGI veröffentlicht wird, bevor wir herausgefunden haben, wie wir diese sehr leistungsstarken KI-Systeme regulieren können, ist wirklich sehr beängstigend, sagt Dame Wendy Hall, Informatikerin an der University of Southampton in England gegenüber The Guardian. „In den falschen Händen könnte eine solche Technologie großen Schaden anrichten. Es ist unverantwortlich für ein Unternehmen, so etwas vorzuschlagen.“
Neues KI-Modell kann „weltrettend oder katastrophal“ sein
Mit dieser Sorge steht Hall nicht alleine. Andrew Rogoyski, Direktor des Institute for People-Centred AI an der University of Surrey merkt ergänzend an, dass die Open-Source-Bereitstellung aktueller KI-Modelle „weltrettend oder katastrophal“ sein könnten. So eine Entscheidung müsse in einem internationalen Konsens getroffen werden, nicht im Sitzungssaal eines Technologieriesen.
Es dürften nicht nur altruistische Ziele sein, die Zuckerberg zu diesem Schritt und zu dieser enormen Investition treiben. Mit seinem Metaverse fällt er in Sachen Forschung und Entwicklungsausgaben für virtuelle Welten aktuell deutlich hinter Microsoft und Apple ab, wie faz.net berichtet. Der Deal mit dem Softwaregiganten Nvidia ist somit auch ganz bestimmt eine wirtschaftlich getriebene Maßnahme. Nicht der beste Ratgeber bei einer Technologie, die potenziell die Welt verändern kann.
Im Sommer 2023 stellte Zuckerbergs Meta bereits das Llama 2 Large Language Model (LLM) als Open-Source zur Verfügung. Dies sei ein bisschen so, „als würde man den Leuten eine Vorlage für den Bau einer Atombombe geben“, wird Informatikerin Hall im Guardian zitiert. Jüngst sorgten Fake-Anrufe im Zuge der Vorwahlen in New Hampshire für Aufsehen, bei denen die Stimme des US-Präsidenten Joe Biden den Angerufenen rät, nicht an den Wahlen teilzunehmen. Die Sorge der Experten scheint also nicht ganz unbegründet.

