Expertinnen und Experten besorgt

Virologin aus Wuhan warnt vor weiteren Coronaviren: „Ausbrüche in Zukunft hoch wahrscheinlich“

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Forschende aus Wuhan sind sich sicher, dass die Gesellschaft in Zukunft mit einem weiteren Ausbruch eines Coronavirus rechnen muss. Verschiedene Hotspots sind denkbar.

Wuhan - Die Forscherin Shi Zhengli vom Wuhan Institute of Virology (WIV) gilt als weltweit anerkannte Coronavirus-Expertin. In einem veröffentlichten Text warnt die Virologin gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen nun vor einem neuen Coronavirus, das in Zukunft ausbrechen könnte. Ein Szenario, in dem die Gesellschaft ab einem unbestimmten Zeitpunkt mit einem neuen Coronavirus konfrontiert wird, sei demnach „hoch wahrscheinlich“.

„Es ist fast sicher, dass in Zukunft Krankheiten auftreten werden, und es ist sehr wahrscheinlich, dass es wieder eine CoV-Krankheit sein wird“, schreiben die mitwirkenden Forscherinnen und Forscher in ihrer Publikation, die im Juli im Wissenschaftsmagazin „Emerging Microbes & Infections“ veröffentlicht wurde. Das Risiko: Besonders Infektionskrankheiten, die durch Coronaviren verursacht werden, stellen laut der Publikation eine große Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Auch deutsche Expertinnen und Experten betonen weiterhin die Bedeutsamkeit, sich zum Beispiel gegen Covid impfen zu lassen.

Virologin aus Wuhan warnt vor „hoher Wahrscheinlichkeit“ hinsichtlich neuer Corona-Ausbrüche

Shi Zhengli nimmt eine zentrale Rolle in einer laufenden weltweiten Debatte und Untersuchung über den Ursprung der Covid-19-Krankheit ein, die durch das SARS-CoV-2-Virus verursacht wird. Sie ist auch unter dem Spitznamen „Fledermaus-Frau“ bekannt, da sie sich auf Forschungen über Viren fokussiert, die von Tieren - insbesondere Fledermäusen - auf den Menschen übergehen. Nun solle die Welt laut Zhengli auf ein neues Virus gefasst sein. „Wenn ein Coronavirus schon einmal Krankheiten ausgelöst hat, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es auch in Zukunft Ausbrüche verursachen wird“.

Eine medizinische Mitarbeiterin in einem Labor in Wuhan in der zentralchinesischen Provinz Hubei. (Symbolfoto)

Die Angaben und Einschätzungen der Virologinnen und Virologen in der Publikation bleiben damit sehr vage. Vorhersagen kann am Ende niemand, zu welchem Zeitpunkt ein neues Coronavirus ausbrechen kann. Der Inhalt der Forschung sei mehr als ein „Wörterbuch der Coronaviren“ zu betrachten, sagte ein Wissenschaftler des chinesischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) der South China Morning Post. Die Studie bringe zwar keine bahnbrechenden neuen Informationen, aber eine wichtige Grundlage für den Umgang mit den Viren: „So wie wir ein Pilzlehrbuch brauchen, um den Verzehr schädlicher Pilze zu vermeiden, ist es notwendig, solche Werkzeuge für Krankheitserreger zu entwickeln.“

Erreger und Hotspots für neue Coronaviren: Diese Szenarien sind laut den Forschenden denkbar

Laut den Forschenden wären die CoV-Spezies, die beim Menschen Krankheiten verursachen, wahrscheinlich die Erreger eines künftigen Ausbruchs. Außerdem geht man davon aus, dass bei einem neuen Ausbruch „das von Fledermäusen übertragene ACE2-usage SARSr-CoV, das von Kamelen übertragene MERS-CoV oder von Haussäugetieren übertragene alphaCoV1 und betaCoV1 die Hotspots wären“.

Dass Coronaviren eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit in der Gesellschaft darstellen, wird immer wieder diskutiert. Erst im September wurde eine Studie veröffentlicht, die neben schweren Lungenschäden bei Long Covid-Patienten auch Schäden im Gehirn und den Nieren feststellte. (nz)

Rubriklistenbild: © Cheng Min/XinHua/dpa

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