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Zwei von fünf Frauen und jeder zweite Mann in Deutschland erkranken im Laufe ihres Lebens an Krebs. Um das Risiko zu senken, ist laut einer Studie nur ein Lebensmittel notwendig.
Frankfurt – Krebs ist mit mehr als 230.000 Todesfällen pro Jahr in Deutschland nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Laut Bundesministerium für Gesundheit erkranken jährlich insgesamt etwa 500.000 Menschen neu daran. Umso wichtiger ist es, dass Forscherinnen und Forscher Möglichkeiten finden, diese Volkskrankheit einzudämmen. Eine Studie der Universität Newcastle hat nun herausgefunden, dass ein bestimmtes Lebensmittel das Krebs-Risiko senken kann.
Krebs-Risiko senken durch bestimmtes Lebensmittel? Das empfiehlt die Studie
Die Forscherinnen und Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Karotte das Wunder-Lebensmittel ist, dessen Verzehr „eindeutig mit einem verringerten Krebs-Risiko verbunden ist“. Zur Untersuchung wurden fast 200 Studien mit 4,7 Millionen Teilnehmenden herangezogen. Studienleiter Charles Ojobor erläutert, dass angesichts vorheriger Studien über den Nutzen von Karotten eine riesige Menge an Daten zu analysieren war. Schließlich wollte man auch herausfinden, warum das Gemüse vorbeugend wirkt.
Karotten gegen Krebs? Die Studie:
Die Forschung stützt sich auf rund 200 verschiedene Studien. In 50 davon wurde prospektiv die Aufnahme von Karotten und dem darin enthaltenen Carotin untersucht. Das heißt, dass die Teilnehmer der Studie über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet wurden. 105 der Studien hatten den gleichen Forschungszweck, wurden aber retrospektiv durchgeführt. In diesem Fall werden bereits vorhandene Daten analysiert, um Zusammenhänge zu verstehen.
43 der untersuchten Studien bezogen sich auf die Menge an Alpha-Carotin im Blutplasma. Das Alpha-Carotin ist wie das Beta-Carotin ein Carotinoid, welches in bestimmten Obst- und Gemüsesorten wie zum Beispiel Karotten vorkommt. Beide Carotinoide können im Körper zu Vitamin A umgewandelt werden. Die Wissenschaftler forschten hier prospektiv und retrospektiv zu dem Alpha-Carotin-Spiegel, um die Nährstoffversorgung durch Karotten zu bewerten.
438 anfangs herangezogene Studien wurden zu Beginn ausgeschlossen, darunter Forschungen außerhalb des lebenden Organismus sowie jene mit Tieren. 321 davon hatten für die Untersuchung irrelevante Ergebnisse, 25 keine eindeutige Datenlage. Über welchen Zeitraum die ausgewählten Studien durchgeführt wurden, lässt sich dem Forschungsbericht nicht entnehmen. Allerdings sind Zahlen und Daten einsehbar, die bis in das Jahr 1994 zurückführen.
Der Studienleiter spricht außerdem nicht von der empfohlenen Menge an Karotten, sondern von Portionen. In der Regel versteht man unter einer Portion etwa eine halbe Tasse roher, in Scheiben geschnittener Karotten.
Das Ergebnis verblüfft: Ausgerechnet das in der Karotte enthaltene Pigment Carotin, welchem nachgesagt wurde, die Sehkraft zu verbessern, ist nicht der Grund für das verringerte Krebs-Risiko. Die meisten der untersuchten Studien konzentrierten sich auf dominante Beta-Carotin, welches den Karotten ihre orange Farbe verleiht und im Körper zu Vitamin A umgewandelt wird, so Ojobor. Allerdings zeige die Verbindung „in kontrollierten Experimenten keine positive Wirkung auf Krebs“.
Weiter erklärt Ojobor: „Deshalb haben wir Karotten wegen ihres Gehalts an einer anderen Art von sekundären Pflanzenstoffen, den Polyacetylenen, untersucht, die zwar farblos sind, aber starke Auswirkungen auf Krebs haben. Unsere Analyse hat gezeigt, dass Menschen, die fünf Portionen Karotten pro Woche essen, ein um 20 Prozent reduziertes Risiko haben, zu erkranken.“ Selbst der Verzehr von nur einer Portion verringere die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, um vier Prozent.
Karotten verringern das Krebs-Risiko – auch andere Lebensmittel wirken Wunder
Damit das Gemüse also das Krebs-Risiko reduziert, ist es elementar, nicht nur Carotine, sondern ganze Karotten zu sich zu nehmen. In der Studie wird außerdem darauf hingewiesen, dass der Verzehr von Rosenkohl bei der Bekämpfung von Krebs und chronischen Krankheiten wie Diabetes unterstützen kann. Voraussetzung sei hierbei aber, dass das Gemüse gedünstet und nicht etwa gebraten oder gekocht wird, da sonst „gesundheitsfördernde Eigenschaften“ wie zum Beispiel Glucosinolate verloren gehen.
Karotten sind gut für die Augen – Mythos oder Wahrheit?
Tatsächlich hat Vitamin A einen positiven Einfluss auf den Erhalt der Sehkraft. Ist die Versorgung mit Vitaminen unzureichend, kann es zu Mangelerscheinungen kommen, die wiederum beispielsweise Sehstörungen verursachen können. Bei einer ausgewogenen Ernährung tritt kein Vitaminmangel auf – und somit auch kein Mangel an Vitamin A. Jedoch kann auch ein noch so hoher Karottenkonsum keine vorhandenen Sehschwächen verbessern.
Quelle: AOK Gesundheitsmagazin
Es handelt sich dabei um ein wichtiges Molekül, welches mit Proteinen interagiert, die an der Reparatur beschädigter DNA beteiligt sind und den Zelltod in Krebstumoren fördern. Dr. Kirsten Brandt, Dozentin für Lebensmittel und menschliche Ernährung an der Universität Newcastle, erklärt: „Wenn man den Rosenkohl kocht, gehen viele der wichtigen Verbindungen ins Wasser über.“ Das Gleiche gilt übrigens auch für Brokkoli, Kartoffeln, Blumenkohl und weitere Gemüsesorten. (cln)
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