Papst Franziskus noch immer im Krankenhaus: Vatikan könnte bereits Pläne schmieden
Der Kirchenhistoriker Jörg Ernesti, Professor an der Universität Augsburg, sagt in einem Interview mit Focus online, dass im Vatikan möglicherweise bereits Vorkehrungen für den Fall eines Ablebens oder Rücktritt des Papstes laufen. Zwar wurde aus dem Kirchenstaat verlautbart, dass es Franziskus wieder besser gehe. Laut dem Experten seien diese Meldungen jedoch mit Vorsicht zu genießen: „Meistens waren die Päpste schon erheblich kränker, als es die täglichen Bulletins suggeriert haben“.
Im Vatikan bereite man sich schon auf „mögliche Szenarien für die Zeit nach Franziskus“ vor, ist sich Ernesti sicher. Das gilt nicht nur, sollte der Papst seiner Erkrankung erliegen. Der Papst habe in der Vergangenheit bereits angedeutet, im Falle einer schweren Erkrankung zurücktreten zu wollen.
„Der Papst ist zuallererst Bischof von Rom, und ein Bischof kann ohne Weiteres auf sein Amt verzichten“, erklärt Ernesti. Der Papst soll schon vor Jahren eine Verzichtserklärung unterschrieben haben, für den Fall, dass sein schlechter Gesundheitszustand die Ausübung seines Amtes unmöglich machen würde.
„Wird seine Entscheidung treffen“ – Ungewissheit über kranken Papst Franziskus
Auch Kardinal Gianfranco Ravasi hält es für realistisch, dass Franziskus sich zum Rücktritt entschließen könnte, wie er dem Corriere della Sera erzählt: „Wenn er ernsthafte Schwierigkeiten hat, seinen Dienst zu verrichten, wird er seine Entscheidung treffen. Vielleicht lässt er sich beraten, aber er wird sich selbst entscheiden, nach seinem Gewissen.“
Allerdings gibt es Unsicherheiten, falls Franziskus die Entscheidung aufgrund seines Gesundheitszustands nicht mehr selbst treffen kann. In einem solchen Fall müsste das Kardinalskollegium möglicherweise zusammenkommen, um die Amtsunfähigkeit zu erklären, ein Szenario, das in der Kirchengeschichte bislang selten vorkam.
Chemietechniker, Türsteher, Hausmeister: Eine Krankheit brachte Papst Franziskus zur Kirche
Erst jüngst waren Gerüchte um Beisetzungsproben im Umlauf, die der Hauptmann der Schweizergarde jedoch dementierte. „Wir arbeiten normal weiter“, hieß es lediglich. Franziskus selbst habe indes nicht nur eine Verzichtserklärung unterzeichnet, sondern auch personelle Weichenstellungen vorgenommen. Wie der Papst-Experte erklärt, habe Franziskus bereits Kardinäle ernannt, „die ihm inhaltlich nahestehen und seine Agenda vertreten“.
Papst Franziskus auf dem Weg der Besserung? Experte hält es für unwahrscheinlich, dass er kürzertritt
Gläubige Katholiken dürften jedoch darauf hoffen, dass es gar nicht zu einem Rücktritt oder gar Tod von Papst Franziskus kommt. Im stolzen Alter von 88 Jahren wäre es jedoch alles andere als einfach, sich von einer Lungenentzündung zu erholen und gleichzeitig das Amt des Papstes auszuüben. Medizinisch wäre es für Franziskus wohl unausweichlich, kürzerzutreten. Für Ernesti jedoch ein denkbar unwahrscheinliches Szenario: „Er hat ja auch in den letzten Wochen schon nicht auf seine Ärzte gehört, die ihm zu mehr Ruhe geraten haben.“