Mehrheit stimmt dafür

„Absolut kein Kontrollwahnsinn“: Großbritannien plant striktes Rauchverbot – Riss geht durch Regierungspartei

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Premierminister Rishi Sunak will das Rauchen in Großbritannien schrittweise verbieten. Gegenwind kommt aus seiner eigenen Partei.

London – In Großbritannien soll das Mindestalter für das Rauchen jährlich angehoben und so Tabakkonsum im Königreich letztlich ganz beendet werden. Um das zu schaffen, stand am Dienstag ein entsprechender Gesetzentwurf der Regierung von Premierminister Rishi Sunak auf der Tagesordnung des Parlaments in London. Der Verkauf von Tabakwaren an nach dem 1. Januar 2009 Geborene soll grundsätzlich und komplett verboten werden.

Großbritannien will Rauchen verbieten: Premierminister Sunak will Gesetz durchbringen

So würde das Mindestalter fürs Rauchen de facto jedes Jahr um ein Jahr angehoben, bis langfristig die gesamte Bevölkerung betroffen ist. „Es gibt kein sicheres Alter fürs Rauchen“, hatte Sunak bei der Ankündigung der Gesetzesinitiative argumentiert. Mit ihr könne garantiert werden, dass an alle Kinder und Jugendlichen, die nach dem 1. Januar 2009 geboren wurden, „niemals legal eine Zigarette verkauft werden kann, und dass sie und ihre Generation rauchfrei aufwachsen können“. Das Gleiche gelte für nachfolgende Generationen.

Zugleich versichert die Regierung, dass Rauchen nicht kriminalisiert werden soll. Da das Mindestalter für den Kauf von Zigaretten schrittweise angehoben werden solle, könne jeder, „der heute legal Zigaretten kaufen kann“, dies auch in Zukunft tun. Nur heutige Jugendliche sollen ihr Leben lang Nichtraucher bleiben.

Rauchen dürfen wohl bald nicht mehr alle in Großbritannien.

Abstimmung über Rauchverbot in Großbritannien: Mehrheit stimmt für zweite Lesung

Bei der Abstimmung nahm das Gesetz die erste Hürde im Unterhaus. Doch in der Regierungspartei gibt es tiefe Gräben, viele Mitglieder sind gegen das Rauchverbot. Ganze 57 Abgeordnete der Konservativen Partei Sunaks stimmten dagegen, unter anderem die ehemalige Premierministerin Liz Truss. Trotzdem hatte die Mehrheit des Parlaments mit 383 zu 67 Stimmen für eine zweite Lesung votiert.

Gesundheitsministerin Dame Andrea Leadsom sagte zu Sky News, dass der Gesetzentwurf „absolut kein Kontrollwahnsinn“ sei und sagte: „Sobald man nikotinsüchtig ist, ist die Entscheidungsfreiheit völlig verloren. Ein freiheitsliebender und entscheidungsfreudiger Mensch würde sich dafür entscheiden, Kindern die Befreiung von der Nikotinsucht zu ermöglichen.“

Derzeit liegt das Mindestalter für den Kauf von Zigaretten in Großbritannien bei 18 Jahren. Tabakkonsum ist nach Angaben der Regierung die häufigste vermeidbare Todesursache und die Ursache für etwa jeden vierten Todesfall durch eine Krebs-Erkrankung. Die Kosten, die durch das Rauchen insbesondere für das Gesundheitssystem entstehen, belaufen sich den Angaben zufolge umgerechnet auf fast 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Sunak bringt Rauchverbot nur mit Labour-Stimmen durch: Opposition unterstützt neues Gesetz

In Neuseeland wurde durch die dortige Labour-Partei Ende 2022 ein ähnliches Gesetz beschlossen, doch von der konservativen Nachfolgeregierung direkt wieder gekippt. In Großbritannien wird es dazu vermutlich nicht kommen, da das Gesetz hier anders als in Neuseeland von den Konservativen eingebracht wurde und die oppositionelle Labour-Partei das Vorhaben unterstützt.

Labours Schatten-Gesundheitsminister Wes Streeting sagte laut dem Guardian: „Rishi Sunak hat diesen Gesetzentwurf gefährdet, indem er eine freie Abstimmung gewährte, weil er zu schwach ist, um dem Liz-Truss-Flügel seiner Partei die Stirn zu bieten. Labour hat vor mehr als einem Jahr erstmals ein schrittweises Rauchverbot vorgeschlagen, und nur den Labour-Abgeordneten ist es zu verdanken, dass dieser Gesetzentwurf angenommen wurde.“ (md mit afp)

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