Vorhersage zum Wetter

Wetter-Prognose sieht problematische Hitzewellen voraus: Europäische Sommer noch heißer als gedacht

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Laut einer naturwissenschaftlichen Prognose wird die Hitze im Sommer künftig stärker ausfallen als ohnehin angenommen. Das hat wohl mit sauberer Luft zu tun.

Zürich – Das Wetter wird im Sommer 2024 wohl wieder sehr, sehr warm. Darauf deuten immer mehr Prognosen und Vorhersagen hin. So könnte zum Beispiel ein Jetstream im Sommer extreme Hitzewellen noch einmal verstärken.

Wetter im Sommer: Fachmagazin prognostiziert schlimmere Hitze in Europa als angenommen

Nachdem im Südwesten von Deutschland das schwere Unwetter an Pfingsten sogar zu einem Tornado geführt hat, beschreibt eine aktuelle naturwissenschaftliche Analyse aus Großbritannien, dass die Sommer künftig noch heißer werden dürften als für Europa sowieso prognostiziert wurde.

Laut einer Prognose wird der Sommer noch heißer als zunächst angenommen. Unter Experten ist die Rede von einem „Höllensommer des Jahrtausends“. (Symbolfoto)

Zu dieser Einschätzung kommt das Fachmagazin New Scientist aus London. Demnach werde bei einzelnen regionalen Klimamodellen der Effekt der abnehmenden Luftverschmutzung stark unterschätzt, heißt es in dem Bericht. Und sauberere Luft bedeute in der Konsequenz mehr Hitze im Sommer – nicht nur in 2024.

Temperaturen im Sommer: Intensivere Sonneneinstrahlung führt zu mehr Hitze

Konkret führe die sinkende Luftverschmutzung regional zu einer intensiveren Sonneneinstrahlung. „Wenn Modelle die Veränderungen der Luftverschmutzung nicht berücksichtigen, werden sie die Intensität künftiger Hitzewellen noch stärker unterschätzen als die mittlere Sommererwärmung“, zitiert New Scientist in seiner Analyse Dominik Schumacher von der ETH Zürich aus der Schweiz: „Es ist problematisch, weil viele europäische Länder bei der Zukunftsplanung stark auf diese Simulationen angewiesen sind.“

Schumacher und seine Kollegen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich analysierten die Sommererwärmung in Europa zwischen 1980 und 2022 und verglichen diese Zahlen mit den Prognosen regionaler Klimamodelle. Dabei hätten sie festgestellt, schreibt die Fachpublikation, dass die regionalen Modelle die tatsächliche Erwärmung im Schnitt um mehr als ein Grad Celsius unterschätzten. Die Klimamodelle umgehen demnach Änderungen in den Luftzirkulationsmustern, die laut der Erklärung der Zürcher Wissenschaftler mehr Wärme in einzelne Regionen bringen.

Hitze im Sommer: Intensität des Sonnenlichts lässt die Temperaturen steigen

Die Forscher untersuchten auch, welche Annahmen die Klimamodelle über die Intensität des Sonnenlichts treffen. Demnach hätten die wenigsten regionalen Klimamodelle berücksichtigt, dass die Intensität der Sonneneinstrahlung in Europa zunehme, während die Luftemissionen abnehmen.

Rekord-Hitze in München: Wenn das Wetter in in der bayerischen Landeshauptstadt extrem heißt wird, pilgern Tausende an die Isar. (Symbolfoto)

„Der Hauptgrund dafür, dass diese regionalen Klimamodelle diese vom Menschen verursachte Erwärmung nicht reproduzieren konnten, liegt darin, dass die meisten von einer konstanten Luftverschmutzung ausgehen“, erklärte Schumacher, der die Ergebnisse der ETH-Analyse auf einem Treffen der „European Geosciences Union“ im österreichischen Wien präsentierte. Den Erkenntnissen des Forschungsteams der ETH Zürich zufolge sollen die Sommer in Europa um das Jahr 2100 herum im Schnitt zwei Grad wärmer sein als heute.

Begünstigt wohl Hitze im Sommer: Luftverschmutzung in Deutschland nimmt ab

Für eine sinkende Luftverschmutzung, zum Beispiel durch weniger Emissionen im Straßenverkehr, gibt es mittlerweile viele Hinweise. So schreibt zum Beispiel das Umweltbundesamt auf seiner Website unter dem Punkt „Entwicklung der Luftqualität“: „Die Belastung der Luft mit Schadstoffen nahm in den vergangenen 25 Jahren deutlich ab. Mittlerweile gibt es in Deutschland keine Überschreitungen der europaweit geltenden Grenzwerte für Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Benzol und Blei mehr.“

Auch im Mittelmeerraum mit den klassischen Urlaubsländern Spanien, Italien, Kroatien, Griechenland und der Türkei wird künftig eine sinkende Luftverschmutzung erwartet. Denn: Spätestens ab dem 1. Januar 2025 müssen alle Schiffe im Mittelmeer Treibstoffe mit einem Schwefelgehalt von nicht mehr als 0,1 Prozent oder Abgasreinigungssysteme einsetzen. Und wie etwa der Naturschutzbund Deutschland, kurz Nabu, erklärt, tragen Schwefelmissionen von Schiffen maßgeblich zur Luftverschmutzung im Mittelmeerraum bei.

Hitzewellen und Dürre im Sommer: Wetter soll auch 2024 wieder extrem werden

Aber: Kommen die sehr hohen Temperaturen sogar schon früher, nachdem schon der Sommer 2023 von Hitzewellen und Dürre geprägt war? Der Biologe Mark Benecke prognostiziert zumindest für Deutschland eine nie dagewesene Hitze in 2024.

Bei einem Vortrag in Bonn erklärte der Naturwissenschaftler und Autor im März: „Ich kann Ihnen aus den Erfahrungen der letzten Jahre mit fast völliger Sicherheit [...] sagen, dass wir den Höllensommer des Jahrhunderts und Jahrtausends kriegen werden.“ Seine Prognose stützte er auf Temperaturaufzeichnungen aus den letzten Jahrzehnten, wonach schon im vergangenen Sommer 2023 die Temperaturen im Verhältnis zu den Vergleichszeiträumen aus den Vorjahren teils erheblich gestiegen sind. (pm)

Rubriklistenbild: © Florian Gaul/Imago

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