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Erschreckende Studie lässt erahnen: Plastik dringt ins menschliche Gehirn vor

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Menschen, Tiere und Umwelt – vor Mikroplastik ist niemand sicher. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass sogar das Gehirn damit belastet ist.

Frankfurt – Plastik ist billig und in großen Mengen verfügbar. Fast nichts kann sich davor bewahren, ob Lebensmittelverpackungen, elektronische Geräte oder alltägliche Haushaltsgegenstände – die Liste der Berührungspunkte ist endlos. Doch so praktisch Plastik in vielen Situationen auch sein mag, für Menschen, Tiere und Umwelt ist es eine ernste Gefahr. Eine Studie zeigt, dass Mikroplastik bis in unser Gehirn vordringt.

Studie beweist, Plastikpartikel durchdringen Blut-Hirn-Schranke

Die Medizinische Universität erklärt in einer Mitteilung, dass Mikro- und Nanoplastik (MNP) „eines der größten Umweltprobleme der Gegenwarte“ ist. Eine Forschungsarbeit um Lukas Kenner vom Klinischen Institut für Pathologie der Universität hat erstmals den Mechanismus aufgezeigt, durch den Plastik die Blut-Hirn-Schranke durchkreuzt und bis in das Gehirn vordringt. Die Studie wurde bereits 2023 im Fachjournal nanomaterials veröffentlicht.

Plastik zerfällt mit der Zeit in kleine Teile, die in Umwelt und den menschlichen Körper gelangen.

Die Forschenden erklären darin: „Der Mensch ist ständig Polymermaterialien ausgesetzt, beispielsweise in Textilien, Autoreifen und Verpackungen“. Die Abbauprodukte würden die Umwelt mit Mikro- und Nanoplastik kontaminieren. Anhand von Tierversuchen beweisen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass nanometergroße Partikel bereits nach zwei Stunden im Gehirn von Mäusen gelangt, nachdem diese oral verabreichte Polystyrol-Mikro- und Nanopartikeln (9,55 µm, 1,14 µm, 0,293 µm) erhalten haben. Nur die kleinsten Partikel hätten es in das Gehirn geschafft.

Schutzmechanismus Blut-Hirn-Schranke: Diese Stoffe dürfen durch sie hindurch

Die Blut-Hirn-Schranke ist laut einer Mitteilung der AOK ein Schutzmechanismus, der sicherstellen soll, dass Krankheitserreger, Zellen und Schadstoffe nicht in das Gehirn gelangen. Sie arbeitet in einem „Balanceakt“ zwischen Abrieglung und Versorgung, sodass einige Stoffe hindurchkommen, andere aber nicht.

Anders als im restlichen Körper seien die kleinsten Blutgefäße dicht. Diese sogenannten Endothelzellen bilden mit Perizyten und Astrozyten die Blut-Hirn-Schranke. Zwar gebe es noch weitere Blut-Gewebe-Schranken im Körper, wie zum Beispiel im Darm. Die Blut-Hirn-Schranke des Gehirns sei jedoch besonders „streng kontrolliert“. Zu den Stoffen, die in das Gehirn gelangen dürfen, zählen:

  • Blutgas Sauerstoff
  • Nährstoffe wie Glukose und Aminosäuren
  • Ionen
  • kleinere lipophile (fettlösliche) Moleküle
  • Hormone

Jedoch gelangen auch unerwünschte Stoffe wie Alkohol und Nikotin durch die Blut-Hirn-Schranke. Dazu zählt nun auch Plastik. Ein Mechanismus, der die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke von Plastikpartikeln möglich macht, sei in der Forschung bislang nicht bekannt gewesen. Entscheiden für das Passieren der Plastikstücke sei die demnach die Oberflächenstruktur.

Plastikpartikel im Gehirn erhöhen Gefahr auf schwere Erkrankungen

Forscher stellten laut der Universität bereits fest, dass Mikroplastik im Magen-Darm-Trakt mit Entzündungs- und Immunreaktionen und sogar der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht wird. Forscher Lukas Kenner erklärt: „Im Gehirn könnten Plastikpartikel das Risiko von Entzündungen, neurologischen Störungen oder sogar neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson erhöhen“. Zuletzt machte ein Diabetes-Medikament Hoffnung, Parkinson zu bekämpfen.

Plastik wird erst ab einer Größe von unter 0,001 Millimeter als Nanoplastik reduziert. Nanoplastik ist 0,001 bis 5 Millimeter groß. Laut der Universität würde ein Mensch, der 1,5 bis zwei Liter am Wasser aus Plastikflaschen trinkt, einer anderen Studie zufolge jährlich 90.000 Plastikpartikel aufnehmen. Wer glaubt, das Problem ist mit Leitungswasser behoben, täuscht sich: In diesem Fall ist die Anzahl aber immerhin auf 40.000 reduziert.

Forscher fordert „Mikro- und Nanoplastikpartikel für Mensch und Umwelt zu minimieren“

Kenner fordert im Zusammenhang mit seinen Forschungsergebnissen: „Um die potenziellen Schäden von Mikro- und Nanoplastikpartikeln für Mensch und Umwelt zu minimieren, ist es von entscheidender Bedeutung, die Exposition zu begrenzen und ihre Verwendung einzuschränken, während die Auswirkungen von MNP weiter erforscht werden“. Seit 2023 ist Mikroplastik in der EU verboten.

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa

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