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- Carmen Mörwald
Karolin Schaefer
Kai Hartwig
Sandra Sporer
Schwere Unwetter mit Starkregen tobten im Westen Deutschlands. Wetterdienste warnten, hunderte Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
Update vom 10. September, 6.50 Uhr: Entlang der Niers in Mönchengladbach mussten Anwohnerinnen und Anwohner lange um die Stabilität des Deichs fürchten. Mittlerweile hat sich die Lage nach den heftigen Regenfällen entspannt – wohl auch durch neue Auffangbecken, wie ein Betroffener dem WDR berichtete: „Wir sind trocken geblieben.“ Das ARD-Wetterkompetenzzentrum meldete an mehreren Stationen in NRW historische Höchstwerte. Mancherorts fiel innerhalb weniger Stunden mehr als die doppelte Menge eines normalen Monatsniederschlags, in Bedburg-Weiler Hohenholz etwa 54 Liter innerhalb einer Stunde.
Auch im Rhein-Erft-Kreis kam es zu erheblichen Überflutungen: In Bedburg-Kaster stand ein Neubaugebiet bis zu 60 Zentimeter unter Wasser, inzwischen wird dort Schlamm beseitigt und beschädigtes Mobiliar entsorgt. In Willich (Kreis Viersen) waren etwa 200 Menschen vorsorglich aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen. Zwar war die Evakuierung freiwillig, doch die Empfehlung wurde dringend ausgesprochen. Am Abend konnten sie zurückkehren, da die Gefahr durch das Hochwasser zurückging.
Update vom 9. September, 17.20 Uhr: In Mönchengladbach droht ein Deich an der Neuen Niers zu reißen, der durch den Starkregen aufgeweicht wurde, berichtet der WDR. Doch insgesamt entspannt sich die Lage wieder. „Wenige Gefahrenstellen haben wir auch Dank der Unterstützung aus anderen Städten im Blick. Viele Einsätze konnten bereits abgeschlossen werden, die letzten werden derzeit noch abgearbeitet“, teilte Oberbürgermeister Felix Heinrichs bei Instagram mit.
Auch in Bedburg im Rhein-Erft-Kreis beruhigt sich die Wetter-Lage allmählich. Bürgermeister Sascha Solbach zog allerdings ein ernüchterndes Fazit beim WDR. Die Überschwemmungen im Neubaugebiet hätten nicht passieren dürfen. „Also man hat darauf geachtet, dass das Prinzip Schwammstadt eingehalten wird. Es gibt viele Retentionsflächen und unter anderem ein eigenes Regenrückhaltebecken, was jetzt nicht ausreichend war, obwohl das für ein 100-jähriges Schadensereignis dimensioniert ist“, so Solbach.
Nach Unwetter: 200 Menschen sollen wegen Überflutungsgefahr ihre Häuser verlassen
Update vom 9. September, 15.23 Uhr: Wie der WDR berichtet, sollen in Willich (Kreis Viersen) rund 200 Menschen ihre Häuser verlassen. Überflutungsgefahr droht. Die Stadt erklärt jedoch: Die Evakuierung bleibt nur eine Vorsichtsmaßnahme und daher freiwillig. In Mönchengladbach beruhigt sich die Wetterlage dagegen allmählich. Die Stadtverwaltung meldet keine Verletzten. Die Pegelstände sinken. Über 200 Einsätze stehen aber noch aus.
Der DWD hat inzwischen alle Unwetterwarnungen in Deutschland aufgehoben. Am Nachmittag und Abend können aber in einem Streifen entlang und knapp östlich/nordöstlich der Elbe sowie in Schleswig-Holstein einzelne Gewitter und Hagel auftreten. Stellenweise drohen Unwetter mit Starkregen.
Update vom 9. September, 14.33 Uhr: Der DWD warnt nur noch in zwei Landkreisen in NRW vor Starkregen. Die Warnung gilt bis voraussichtlich 15 Uhr. Die Hochwassergefahr ist aber noch nicht gebannt. „Die Straßen stehen teilweise 40, 50, 60 Zentimeter unter Wasser“, berichtet ein WDR-Reporter aus Mönchengladbach. „Es ist wirklich noch lange nicht vorbei.“
Die Pegelstände bleiben in der Region weiter gefährlich hoch. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW misst in Neubrueck (Erft) derzeit 188 Zentimeter (Stand: 14 Uhr) – der Pegel erreicht damit immer noch Informationswert 3. Überflutungen können schwere Schäden verursachen. In Randerath/Wurm erreichen die Pegelstände mit 240 Zentimetern und in Bettrather Dyck mit 215 Zentimetern den Informationswert 2.
Unwetter-Chaos: Starkregen überschwemmt Teile Deutschlands – Bilder zeigen Ausmaß




Update vom 9. September, 13.19 Uhr: Nicht nur in Deutschland, auch in Luxemburg lösten die starken Regenfälle verheerende Überschwemmungen aus. Rettungskräfte meldeten bis zum Morgen knapp 300 Einsätze. Bürgerinnen und Bürger wählten den Notruf 800 Mal. Die Einsatzleitung berichtete: 21 Gemeinden seien von den „außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen“ betroffen gewesen. In Livange und Mersch fielen mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Rettungskräfte befreiten sieben Menschen aus ihren Fahrzeugen.
Laut Kachelmann-Wetter soll es bereits am Montag (8. September) an einigen Messstationen in Deutschland „neue Allzeit-Rekorde der 24-stündigen Niederschlagsmengen“ gegeben haben. Neue Höchstwerte gab es demnach unter anderem in Mönchengladbach-Hilderath und Tönisvorst. Zuletzt waren solche Werte während der Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal erreicht worden.
Update vom 9. September, 11.56 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst hebt vorerst die Warnung zur schweren Unwetterlage im Westen Deutschlands auf. Bis zum Nachmittag warnt der Dienst aber stellenweise noch vor Starkregen. Es drohen Regenmengen von 25 bis 35 Liter pro Quadratmeter. Nachmittags und abends kann es in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen noch stark regnen.
Polizei und Feuerwehr meldeten am Vormittag zahlreiche Einsätze. Auf der A4 bei Ferchen kippte ein Lastwagen um, vermutlich wegen Aquaplanings. In Mönchengladbach rückte die Feuerwehr bereits zu 100 Einsätzen aus, über 400 stehen noch aus. Die Einsatzkräfte retteten eine Familie aus einer vollgelaufenen Wohnung. Autofahrer saßen zeitweise in ihren Fahrzeugen fest. Am Schulzentrum Rheindahlen ereignete sich sogar ein kleiner Erdrutsch an einem Bach. Wasser drang nach Angaben der Stadt ins Gebäude ein.
Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW meldet: Der Wasserstand in Neubrueck (Erft) hat den Informationswert 3 überschritten. Der Wasserstand lag um 11.15 Uhr bei 182 Zentimetern. Demnach drohen Überflutungen ernste Schäden anzurichten.
Dimension von Unwetter in Deutschland „unvorstellbar“
Update vom 9. September, 10.55 Uhr: Die Lage verschärft sich auch in Bedburg im Rhein-Erft-Kreis, wie Bürgermeister Sascha Solbach bei Facebook mitteilt. „Es zeigen sich Wassermassen, wie wir das alle noch nicht erlebt haben“, so der Politiker. Die Helfer füllen derzeit tonnenweise Sand in Säcke. Die Stadt habe sich zwar gut vorbereitet, doch die aktuelle Dimension sei „unvorstellbar“. Bis zu 150 Liter Regen pro Quadratmeter seien hier zuletzt gefallen.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt unterdessen eine neue Warnung für die Region heraus. „Im Bereich des Pützbaches besteht die Gefahr der Überflutung“, heißt es. Wer sich im betroffenen Bereich aufhält, soll unbedingt Heiz- und Kochgeräte abschalten sowie das Gebiet verlassen. „Folgen Sie den Anweisungen der Einsatzkräfte. Denken Sie auch an Ihre direkten Nachbarn. Helfen Sie Kindern, Älteren und mobilitätseingeschränkten Personen.“
Update vom 9. September, 9.46 Uhr: In Mönchengladbach verschärft sich die Hochwassersituation zusehends. Die Feuerwehr meldet, dass mehrere Straßen in Odenkirchen/Geistenbeck und Neubeck unter Wasser stehen und für den Verkehr gesperrt sind. Betroffen ist ebenfalls die Waldnieler Straße. Über ihren Instagram-Kanal informiert die Stadt, dass der Unterricht an der Gesamtschule Espenstraße entfallen muss, nachdem ein Technikkeller geflutet wurde.
Bereits am Montagabend hatte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe über die NINA-App vor schweren Unwettern mit Starkregen im Kreis Ahrweiler gewarnt. Für den frühen Dienstag (9. September) prognostizieren Meteorologen Niederschlagsmengen zwischen 30 und 50 Litern pro Quadratmeter. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) dürfte der Ahr-Pegel jedoch unter der kritischen Marke von 1,50 Metern bleiben.
Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet weiterhin ansteigende Pegelstände westlich des Rheins. An den Messstationen Neubrück (Erft) und Herzogenrath (Wurm) wurde bereits der Informationswert 2 erreicht, wodurch punktuelle Überschwemmungen nicht ausgeschlossen werden können.
Überschwemmungen in Aachen und Oberhausen
Update vom 9. September, 8.55 Uhr: In Bedburg im Rhein-Erft-Kreis kam es zu überfluteten Straßen und Kellern. Die Polizei evakuierte vorsorglich Bewohner aus ihren Wohnungen. Auch in Oberhausen verursachte der Starkregen Probleme. Ein Hörer des WDR übermittelte dem Sender eine Aufnahme, die zeigt, wie Wasser durch das Dach einer Tankstelle dringt.
In der Region Aachen sind die Auswirkungen der Unwetter derzeit hingegen überschaubar. Der WDR berichtete, dass die Feuerwehr hauptsächlich wegen leicht überfluteter Straßen und vollgelaufener Keller ausrücken musste. Auch in den Kreisen Düren und Heinsberg gab es Einsätze. Die Feuerwehr sei bereit, bei schwereren Überschwemmungen einzugreifen.
Update vom 9. September, 8.18 Uhr: Noch bis voraussichtlich 11 Uhr gilt die Unwetterwarnung der Stufe lila zwischen Aachen und Bonn. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Niederschlagsmengen bis zu 80 Litern pro Quadratmetern innerhalb von sechs Stunden. Das bedeutet: „Große Gefahr für Leib und Leben durch: rasche und verbreitete Überflutungen von Straßen/Unterführungen und Kellern; weit verbreitet Aquaplaning; mögliche Erdrutsche. Handlungsempfehlungen: Aufenthalt im Freien und Fahrten unbedingt vermeiden.“
Menschen in der Region werden außerdem dazu aufgerufen, gegebenenfalls Hochwasser-Schutzmaßnahmen zu treffen und sich auf Netzausfälle vorzubereiten.
Unwetter drohen im Ahrtal: DWD mit höchster Warnstufe lila
Update vom 9. September, 5.36 Uhr: Für den Westen Deutschlands gilt aktuell die höchste Wetter-Warnstufe. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rief eine amtliche Unwetterwarnung (lila) vor extrem heftigem Starkregen aus. Demnach werden in weitem Teilen von Nordrhein-Westfalen und dem nördlichen Rheinland-Pfalz Niederschlagsmengen von 50 bis 80 Liter pro Quadratmeter erwartet. Auch das Ahrtal ist betroffen.
Laut DWD besteht „große Gefahr für Leib und Leben durch rasche und verbreitete Überflutungen von Straßen/Unterführungen und Kellern“, Aquaplaning im Straßenverkehr sowie mögliche Erdrutsche. Anwohnerinnen und Anwohner der betroffenen Regionen werden dazu aufgerufen, Aufenthalte im Freien sowie Autofahrten unbedingt zu vermeiden.
Erstmeldung vom 8. September: Ahrweiler – Der Deutsche Wetterdienst warnt aktuell vor heftigem Starkregen im Westen Deutschlands. Auch das Ahrtal – das bereits 2021 ein schreckliches Hochwasser erlebte, ist betroffen. „Vor allem nachmittags und abends können dann im Westen bereits erste kräftige Gewitter auftreten, die von unwetterartigem Starkregen begleitet sein können“, erklärte Meteorologe Oliver Reuter vom Deutschen Wetterdienst gegenüber der Berliner Morgenpost. Den Behörden zufolge könnte die Wetterlage die Ausmaße des Hochwassers von 2016 erreichen.
Die Kreisverwaltung Ahrweiler weist explizit auf die amtliche Unwetterwarnung der Stufe 3 des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hin. Demnach können in der Nacht zum Dienstag und bis in den Nachmittag hinein punktuell bis zu 90 Liter pro Quadratmeter fallen.
Heftiger Starkregen im Ahrtal angesagt: DWD spricht Unwetterwarnung der Stufe 3 aus
Laut der offiziellen Einschätzung der Behörden in der Vorabinformation zum Unwetter könnten die erwarteten Niederschlagsmengen innerhalb weniger Stunden einem Hochwasser von 2016 entsprechen. Der DWD warnt vor allem für die Region entlang und westlich des Rheins vor erhöhter Starkregengefahr.
Die Behörden warnen vor raschen Überflutungen von Straßen, Unterführungen und Kellern. Auch Aquaplaning auf den Straßen und mögliche Erdrutsche gehören zu den Risiken. Die Bevölkerung ist dazu angehalten, sich regelmäßig über die aktuelle Lage zu informieren. Dies ist etwa über die Warnapps NINA und KATWARN möglich. Die Pegelstände können über die App „Meine Pegel“ verfolgt werden.
Unwetter-Ausmaß könnte erneut zu Hochwasser führen – Einsatzkräfte bereits in Bereitschaft
Die Wehrleitungen in den Kommunen stehen bereits in Kontakt mit dem Brand- und Katastropheninspekteur. Kontrollfahrten sind geplant, die Technische Einsatzleitung des Kreises kann kurzfristig aktiviert werden.
Die Warnung weckt schmerzhafte Erinnerungen. Im Juli 2021 kostete eine Flutkatastrophe im Ahrtal 135 Menschen das Leben. Mehrere Orte wurden überflutet, Häuser zerstört. Über 40.000 Einwohner waren von den Auswirkungen betroffen. Vier Jahre später ist der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen. (sp/dpa)
Rubriklistenbild: © Christoph Reichwein/dpa





