VonMichelle Breyschließen
Zu viel Stress kann krank machen. Wer nicht aufpasst, rutscht in ein Burnout. Doch wie lässt sich dem vorbeugen?
Frankfurt – Ausgebrannt, erschöpft, leer: Burnout ist in der Arbeitswelt immer häufiger ein Thema. Dabei fühlen sich die Betroffenen, als würden sie in einem Hamsterrad laufen. Der Weg hinaus ist langwierig, aber nicht unmöglich. Gibt es Möglichkeiten für Nicht-Betroffene oder ehemals Betroffene vorzubeugen?
Burnout-Zahlen
Jede fünfte Arbeitnehmerin bzw. jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland stuft die Gefahr, ein Burnout zu erleiden, als hoch ein. Das geht aus der repräsentativen Studie „Arbeit 2023“ der Betriebskrankenkasse Pronava hervor. Mehr als 60 Prozent sind oder waren bereits von Burnout betroffen oder kennen Mitarbeitende, die davon betroffen sind oder waren.
Präventiv-Maßnahmen gegen Burnout – Psychologe spricht von “Frühwarnzeichen”
„Es ist einfach ganz wichtig, Frühwarnzeichen für sich zu entdecken“, erklärt Psychologe Timo Schiele von der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Innezuhalten und zu überprüfen, wie es einem eigentlich geht, sei ein Schlüsselfaktor. Hierbei könnten Achtsamkeitsübungen, aber auch einige Fragen, die sich Arbeitnehmende am Ende des Tages stellen, helfen:
- Womit waren sie zufrieden?
- Womit waren sie weniger zufrieden?
- Könnten sie diese Woche, diesen Monat, dieses Jahr etwas von dem, mit dem sie nicht zufrieden waren, anders machen?
Psychologe gibt Tipps zum präventiven Umgang mit Burnout
„Es ist elementar zu prüfen: Was liegt in meiner Macht und was liegt nicht in meiner Macht? Natürlich gibt es manche Dinge, die wir nicht verändern können. Das auseinanderzuhalten, ist eine große Kunst: Wo muss ich das Akzeptieren lernen und wo habe ich vielleicht kleine Handlungsmöglichkeiten?“, führt Schiele aus.
Ein weiterer Tipp des Experten sind Gegensätze im Alltag. Abwechslung sei entscheidend. Für Menschen, die beruflich viel vor dem Laptop im Büro sitzen, gelte es aufzustehen, Bewegung und Spaziergänge einzubauen. „Oftmals“, so Schiele, „suchen wir nach einer großen Stellschraube. Häufig sind es aber viele kleine Veränderungen, die uns gesund halten oder uns wieder gesund machen.“
Sebastian Kneißl berichtet, wie er sich heute vor einem weiteren Burnout wappnet
Veränderungen nahm auch DAZN-Experte Sebastian Kneißl vor, wie er im Gespräch mit IPPEN.MEDIA berichtet. Er erlitt nach seiner Profi-Fußballkarriere im Jahr 2014 ein Burnout. Damals war er Abteilungsleiter in einer Möbelfirma. „Seither meditiere ich zweimal am Tag. Ich muss darauf achten, dass ich ausreichend Schlaf habe. Den habe ich damals total vernachlässigt. Ich habe Wochen, Monate nur drei bis vier Stunden pro Nacht geschlafen“, erinnert er sich. Auch die Ernährung und die Art der Gedanken seien große Themen gewesen.
„Die persönliche Erfahrung ist: Man rutscht immer wieder in Richtung Burnout – nur kann man jetzt besser damit umgehen.“ Das, was Schiele Frühwarnzeichen nennt, bezeichnet Kneißl als „Frühwarnsystem“. Damit wisse er: „Okay, entweder du kommst wieder an die Grenze – oder du bist vielleicht schon ein bisschen darüber. Heute komme ich damit zurecht.“
Ein wesentlicher Faktor zur Vorbeugung gegen Burnout sei für ihn ein starkes Bewusstsein. „Für mich sind die übergeordneten Fragen: Was denke ich? Was fühle ich? Und die muss ich mit einer Ehrlichkeit beantworten, die ich vorher so nicht kannte.“
„Wie geht es mir?“ – Prävention gegen Burnout
Schieles und Kneißls Erklärungen lassen deutlich werden: Besonders die Beschäftigung mit sich selbst ist ausschlaggebend in der Prävention von Burnout und dem Umgang mit Stress. Sich dafür Zeit zu nehmen, fällt vielen Menschen jedoch gar nicht so einfach. (mbr)


