Die berüchtigte „Reihe Null“

„Row Zero“: Was es mit der mysteriösen Zone auf Rammstein-Konzerten auf sich hat

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Die Row Zero geriet in den letzten Tagen in die Schlagzeilen: Als Gästebereich auf Rammstein-Konzerten, durch den Frauen scheinbar gezielt rekrutiert wurden. Was hat es damit auf sich?

Frankfurt – Seit dem Beginn ihrer Europa-Tour am 22. Mai sind nicht nur Rammstein und vor allem Frontmann Till Lindemann in den Schlagzeilen, sondern auch die sogenannte „Row Zero“ steht im Fokus. Zuletzt berichtete eine 21-jährige YouTuberin von fürchterlichen Backstage-Erlebnissen auf dem Rammstein-Konzert. In ihrem 37-minütigen Video beschreibt die Influencerin Kayla Shyx, wie sie gezielt für die „Row Zero“, der Rammstein-Show gecastet wurde. Sie berichtet von „schlimmen Dingen“, die ihr und anderen Frauen sowie Mädchen der „Reihe null“ während und nach Rammstein-Konzerten passiert seien.

Rammsteins Frontmann Till Lindemann 2022 in Düsseldorf.

Was ist die „Row Zero“? Und was in dem mysteriösen Raum auf Rammstein-Konzerten passiert sein soll

Die Vorwürfe gegen Rammstein-Frontmann Till Lindemann wiegen schwer. Ende Mai beschrieb eine irische Frau auf Twitter, wie sie auf der Backstage-Party eines Rammstein-Konzerts unter Drogeneinfluss gesetzt worden sein soll. Am nächsten Tag wachte sie mit starken blauen Flecken am Körper auf und konnte sich an nichts erinnern.

Seitdem ist eine intensive Debatte entfacht: über Machtmissbrauch, das Einfluss-Gefälle zwischen gefeierten Rockstars und ergebenen, in der Regel weiblichen und oft sehr jungen Fans – sowie über ein rätselhaftes System namens „Row Zero“. Ein System, das „auserwählten“ Frauen Zugang zu Pre- und After-Partys im Backstage-Bereich ermöglicht, aber auch – schenkt man den zahlreichen Berichten Glauben – das Potenzial hat, in sehr unangenehme Situationen zu geraten. Nach Schilderungen einiger Frauen soll es unter anderem zu sexuellen Handlungen gekommen sein.

Was ist die „Row Zero“ bei den Shows von Rammstein?

Die „Row Zero“ bezeichnet einen abgetrennten Bereich direkt vor der Bühne bei Rammstein-Konzerten. Das Prinzip: Die Tickets für diese „exklusive“ Zone können nicht gekauft werden, man muss dazu eingeladen werden. Berichte legen nahe, dass dafür ausschließlich Frauen rekrutiert werden. Auch Shelby Lynn, die vor einer Woche die Diskussion über Rammstein-Konzerte ins Rollen gebracht hat, war in die „Row Zero“ eingeladen.

So lief das „Row Zero“-System bei Rammstein-Konzerten mutmaßlich ab

Nach übereinstimmenden Berichten von verschiedenen Frauen wählten bei Konzerten der Band Rammstein nicht die Musiker die Fans für die „Row Zero“ aus. Die Rekrutierung der Mädchen erfolgte demnach teils bereits Wochen vorher durch eine „Casting-Direktorin“ gezielt über verschiedene Social-Media-Kanäle.

Alena Makeeva: Wer ist die Frau, die die „Row Zero“ bei Rammstein organisiert?

Medienberichte beschreiben, dass die „Casting-Direktorin“ Alena Makeeva eine tragende Rolle im systematischen Rekrutieren und Casten von Frauen für die sogenannte „Row Zero“ innehatte, aus der Frauen angeblich dem Sänger der Band hinter der Bühne vorgeführt wurden. Für Lindemann, die Band und auch die Mitarbeiterin Makeeva gilt zwar die Unschuldsvermutung. Doch die Rammstein-Vorwürfe schlagen immer höhere Wellen, Alena Makeeva wurde inzwischen freigestellt.

Wird es auf den Rammstein Konzerten in München 2023 eine „Row Zero“ geben?

Ab Mittwoch (7. Juni) sind in München diese Woche vier Rammstein-Konzerte geplant. Im Zuge der Eskalation des Falles Rammstein hat inzwischen auch der Konzert-Veranstalter reagiert, und die Reißleine gezogen. Wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat die Propeller Music & Event GmbH, nach Beratungen beschlossen, dass es bei den Konzerten in München weder eine „Row Zero“ noch Afterpartys geben wird. Damit kam das Unternehmen potenziellen behördlichen Auflagen zuvor.

„Row Zero“ – Insiderin erklärt: Rammstein ist kein Einzelfall

Die systematische Rekrutierung von Frauen für die „Row Zero“ schockiert viele. Dabei dürfte es in der Rockbranche bei weitem kein Einzelfall sein. Die Aktivistin und Kulturwissenschaftlerin Reyhan Şahin, auch bekannt als Lady Bitch Ray, erklärte dazu auf Twitter: „Gezielte Rekrutierung auf Konzerten von (meist jungen) Frauen für Sex wird oft von den Managern männlicher Künstler durchgeführt und ist ein ziemlich gängiges Ding in der Pop-, Rock- & Deutschrap-Szene.“

Fansale: Wie kann man Rammstein-Tickets zurückgeben?

Die schweren Vorwürfe lassen auch die Anhängerschaft nicht kalt, Fans geben ihre Tickets reihenweise ab, die spöttischen Beiträge auf Twitter häufen sich. Doch Karten für ein Rammstein-Konzert loszuwerden, ist gar nicht so einfach. Die Agentur MCT, die für den Verkauf der Rammstein-Tickets zuständig ist, hat eine Rücknahme der Konzerttickets ausgeschlossen. Bleibt die Möglichkeit, die Tickets auf der FanSale Seite von Eventim weiterzuverkaufen.

Allerdings ist das mit einigem Aufwand verbunden, da die Karten personalisiert verkauft wurden. Damit mit den Tickets also problemloser Eintritt garantiert ist, müssten auf FanSale weiterverkaufte Karten neu personalisiert werden.

„Row Zero“- Vorwürfe gegen Rammstein: Till Lindemann zieht Konsequenzen

Wie es nun mit Rammstein und der „Row Zero“ weitergehen wird, ist offen. Rammstein-Frontmann Till Lindemann hat jedoch bereits erste Konsequenzen gezogen. Nach den schweren Vorwürfen sexueller Gewalt und Machtmissbrauch hat der Rammstein-Sänger sein Instagram-Profil, dem zuletzt etwa 1,3 Millionen Menschen folgten, gelöscht. Auch die Kommentarfunktion auf dem YouTube-Kanal der Band ist derzeit deaktiviert.

Außerdem schaltete der Frontsänger vor dem zweiten Konzert in München Anwälte ein. Die Vorwürfe seien „ausnahmslos unwahr“, heißt es in einer Stellungnahme der Anwälte. Gegen einzelne Personen, die behaupten, von Lindemann unter Betäubungsmitteln gesetzt und so gefügig gemacht worden zu sein, gehe man rechtlich vor. Auch die Berichterstattung vieler Medien werde geprüft und dagegen gegebenenfalls rechtliche Schritte eingeleitet.

Transparenzhinweis vom 8. Juni 2023, 18:30 Uhr: Dieser Artikel wurde mit den Aussagen von Till Lindemanns Anwälten ergänzt.

Rubriklistenbild: © Malte Krudewig/dpa

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