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Über 140 Erdstöße in 24 Stunden: Die Bewohner:innen von Pozzuoli und Umgebung leben in ständiger Angst vor einer Katastrophe.
Pozzuoli – Die etwa 350.000 Einwohner:innen von Pozzuoli, den angrenzenden Gemeinden und den westlichen Stadtteilen Neapels erleben seit März 2022 schlaflose Nächte: Der Boden der Phlegräischen Felder im Süden Italiens, auf dem sie leben, bebt. Dieses Gebiet ist ein Supervulkan, der in der Vergangenheit dreimal katastrophal ausgebrochen ist – zuletzt vor 15.000 Jahren.
Italiens Supervulkan: 140 Erdstöße in nur 24 Stunden
In den letzten zwei Monaten haben die Erdbeben zugenommen: Mehr als 140 Erdstöße wurden Mitte letzter Woche innerhalb von 24 Stunden registriert, mit einer Amplitude von bis zu 4,2. Am Montagabend gab es zuletzt ein Beben der Stärke 4.
Die Bewohner:innen flüchteten in Panik auf die Straßen – aus Furcht vor einem stärkeren Beben oder gar einem Ausbruch des Vulkans unter ihren Füßen. Tatsächlich sind die Beben ein Indikator dafür, dass entweder Magma aufsteigt oder heiße Gase das Grundwasser unter enormem Druck setzen, was ebenfalls zu einer Katastrophe in Italien führen könnte.
Bricht der Super-Vulkan in Italien aus? Archäologische Stätten wegen Einsturzgefahr geschlossen
Viele Einwohner:innen von Pozzuoli verbrachten die Nacht in ihren Autos. An mehreren Gebäuden entstanden Schäden, zwei Familien mussten evakuiert werden, Schulen und Sporthallen wurden geschlossen, um sie auf Einsturzgefahr zu prüfen. Das flavische Amphitheater aus der Römerzeit wurde vorsorglich gesperrt, ebenso die unterirdische Römerstadt Rione Terra, solange nicht sichergestellt ist, dass niemand durch herabfallende Gebäudeteile verletzt wird.
Doch seit den Nachbeben am Montag und Dienstag gibt es eine überraschende Entwicklung: Die Beben werden seltener und schwächer. Zwischen Donnerstagabend und Freitag um jeweils 19 Uhr gab es nur neun Beben mit einer maximalen Amplitude von 0,7. Die schwachen Erschütterungen werden nur noch von wenigen Menschen wahrgenommen.
Gefahr durch den Super-Vulkan: „Könnte das bedeuten, dass sich die Situation wieder normalisiert?“
Die gesamte Region Pozzuoli rätselt nun: „Könnte das bedeuten, dass sich die Situation wieder normalisiert?“, fragt eine Nutzerin in der Facebook-Gruppe „Die in der Roten Zone der Phlegräischen Felder wohnen“. Ein Nutzer antwortet: „Der Vulkan holt nur Luft.“ Ein anderer Nutzer schreibt nüchtern: „Angesichts der AUFSTIEGsphase dürfte derzeit das fehlende Schütteln wahrscheinlich dazu führen, dass sich potenzielle Energie ansammelt.“ Ob er aufsteigendes Magma, Gas oder Wasser meint, bleibt unklar.
Mario Castellano vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) antwortet schließlich: „Leider kann man nicht wissen, ob auf eine Zeit moderater Seismizität unbedingt eine weitere mit intensiverer Seismizität und auch mit energetisch stärkeren Ereignissen folgen kann.“ Vorhersagen seien sehr schwierig. „Ein Tag mit ein paar Erdbeben mit niedriger Energie wird die Situation nicht verändern.“
Ausbruch des Super-Vulkans in Italien droht: Krankenhäuser üben Evakuierung
In zwei Krankenhäusern in Neapel wurden Übungen für eine Evakuierung durchgeführt. Laut den Behörden waren sie erfolgreich. Zudem arbeitet das Ministerium für Katastrophenschutz an einem neuen Evakuierungsplan für die Region, für den Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni von den postfaschistischen Fratelli d‘Italia (Brüder Italiens) 52 Millionen Euro bereitgestellt hat. Ein Facebook-Nutzer scherzt: „Die Steuer-Millionen werden den Vulkan beeindruckt und zum Schweigen gebracht haben.“
Dieser Artikel wurde mithilfe maschineller Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung von Redakteur Kilian Bäuml sorgfältig überprüft.
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