Reaktionen

„Klarer Bruch“: Erster Leo-Auftritt lässt Vatikan-Experten sofort Kirchen-Wandel wittern

  • schließen
  • Carmen Mörwald
    schließen

Habemus papam! Der amerikanische Kardinal Robert Prevost wird Leo XIV. und erste Reaktionen sind geprägt von Überraschung und emotionalen Momenten.

Vatikan – Ein neuer Papst ist gewählt. Leo XIV. stammt aus den USA und überrascht die Welt. Welche Richtung wird er einschlagen? Die ersten Worte auf dem Balkon vom Petersdom waren geprägt von Tradition, Emotionen und doch Hoffnung auf Reformation.

Amerikaner Leo XIV. wird Papst – Zeichen für Globalität

Am 8. Mai um 18.07 Uhr brach auf dem Petersplatz großer Jubel aus. Seit dem Vortag hatten Tausende von Christen und Neugierigen aus aller Welt geduldig vor der Sixtinischen Kapelle in Rom gewartet. Der französische Kardinal Dominique Mamberti verkündete erst gut eine Stunde später vom Balkon des Petersdoms die Worte „Habemus papam“ (dt. „Wir haben einen Papst“). Die Menge auf dem Petersplatz wartete gespannt auf die ersten Worte des neuen Papstes. Flaggen aus aller Welt und Jubelrufe begleiteten seinen Auftritt im Sonnenuntergang auf dem berühmten Balkon.

Leo XIV. ist der neue Papst – Vatikan zeigt erste Fotos kurz nach der Wahl

Papst Leo XIV
Schon am zweiten Tag des Konklaves wurde Leo XIV. zum neuen Papst gewählt. © Screenshot/Vativan News
Der neu gewählte Papst Leo XIV., der US-Amerikaner Robert Prevost, erscheint nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan.
Der neue Papst Leo XIV., der US-Amerikaner Robert Prevost, erscheint nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan. © Marijan Murat/dpa
Rund 40.000 Gläubige sind angereist, um den neuen Papst zu sehen. Der 267. Pontifex zeigt sich dankbar.
Rund 40.000 Gläubige sind angereist, um den neuen Papst zu sehen. Der 267. Pontifex zeigt sich dankbar. © Vatican Media/Imago
Papst Leo XIV Rede
Papst Leo XIV. sprach in seiner ersten Rede unter anderem vom Frieden und bedankte sich bei den Kardinälen. © Screenshot/Vatican News
Menschen am Petersplatz
Tobender Jubel auf dem Petersplatz, wo die Gläubigen sich massenhaft versammelt haben, um den ersten Segen von Papst Leo XIV. zu empfangen. © Screenshot/Vatican News
Papst erster Segen
Seinen ersten Segen sprach der neu gewählte Papst Leo XIV. am Donnerstagabend (8. Mai) aus. © Screenshot/Vatican News
Besucher auf dem vollen Petersplatz
Mit Papst Leo XIV. kommt erstmals das Kirchenoberhaupt aus Nordamerika. © Screenshot/Vatincan News
Konklave zur Wahl des neuen Papstes
Weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle verkündet es der Welt: Ein neuer Papst ist gewählt – ein bedeutender Moment für die katholische Kirche.  © Andrew Medichini/dpa
Menschen auf dem Petersplatz
Auf dem Petersplatz drängten sich die Gläubigen, um gleich beim ersten Auftritt des neu gewählten Papstes dabei zu sein. © Screenshot/Vatican News
Konklave zur Wahl eines neuen Papstes
Das Konklave begann am 7. Mai, nur einen Tag später am 8. Mai wurde bereits der neue Papst bekannt gegeben. © dpa
Konklave zur Wahl des neuen Papstes
Eine Menschenmenge wartete auf dem Petersplatz darauf, den neu gewählten Papst zu begrüßen. © Markus Schreiber/dpa
Konklave zur Wahl eines neuen Papstes beginnt
Insgesamt 133 Kardinäle wählten beim Konklave den neuen Papst. © Gregorio Borgia/dpa
Konklave zur Wahl eines neuen Papstes beginnt
Die Gläubigen haben sich zahlreich versammelt, um die Bekanntgabe des neuen Papstes zu verfolgen.  © Gregorio Borgia/dpa
Papst Franziskus gestorben - Argentinien
Der neue Papst folgt auf Papst Franziskus, der im Jahr 2013 zum Papst gewählt wurde. © Martin Cossarini/dpa
Erst im März 2025 leitete der Papst als Kardinal Robert Francis Prevost ein Rosenkranzgebet auf dem Petersplatz.
Erst im März 2025 leitete der Papst als Kardinal Robert Francis Prevost ein Rosenkranzgebet auf dem Petersplatz. © Kirsty Wigglesworth/dpa
Im Februar 2025 schüttelte Papst Franziskus die Hand Kardinal Robert Francis Prevost während der Messe für das Jubiläum der Streitkräfte im Vatikan.
Im Februar 2025 schüttelte Papst Franziskus die Hand Kardinal Robert Francis Prevost während der Messe für das Jubiläum der Streitkräfte im Vatikan. © Vatican Media/Imago
Als Kardinal erhielt Leo XIV. (rechts) im September 2023 seine Biretta vom verstorbenen Papst Franziskus.
Als Kardinal erhielt Leo XIV. (rechts) im September 2023 seine Biretta vom verstorbenen Papst Franziskus. © Riccardo De Luca/dpa
Mitte der 1980er Jahre war Papst LEO XIV. als Missionar in Peru tätig.
Mitte der 1980er Jahre war Papst LEO XIV. als Missionar in Peru tätig. Dort gründete er Pfarreien, leitete ein Priesterseminar und war in der Bischofsausbildung aktiv. 2015 ernannte ihn Franziskus zum Bischof von Chiclayo, einer Diözese im Norden des Landes. © Diocese of Chulucanas/dpa
Papst Leo XIV beim Verlassen der Sixtinischen Kapelle Vatikan
Unter tosendem Applaus der Kardinäle: Papst Leo XIV beim Verlassen der Sixtinischen Kapelle. © Rai News
Erste Glückwünsche für den neu gewählten Papst Leo XIV.
Erste Glückwünsche für den neu gewählten Papst Leo XIV.  © Rai News
Kardinal Robert Francis Prevost Papst Leo XIV
Bevor Kardinal Robert Francis Prevost zu tausenden Menschen am Petersplatz spricht, hat er Augenblicke nach der Wahl zum Papst noch innige Momente im Vatikan. © Rai News
Papst Leo XIV. Konklave Wahl Papstwahl Vatikan Bilder erste Aufnahmen
Papst Leo XIV. wenige Augenblicke nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche. © Rai News

Letztlich fiel die Wahl auf Leo XIV., den ersten Nordamerikaner in diesem Amt, der für viele nur ein interner Favorit war. Sein voller Name ist Robert Francis Prevost, 69 Jahre alt, Kardinal aus Chicago und Mitglied des Augustinerordens. Prevost ist aber auch peruanischer Staatsbürger. Bei seinen ersten Sätzen würdigte er den verstorbenen Franziskus und sendete wegen seines Bezugs zu Lateinamerika auch spanischsprachige Worte an die Glaubensgemeinschaft. Es ist überraschend, dass nach Franziskus direkt ein Papst vom amerikanischen Kontinent folgt.

Neuer Papst ist gewählt: Trump und Merz gratulieren

US-Präsident Donald Trump (78) gratulierte auf seinem Nachrichtenkanal Truth Social seinem Landsmann. „Herzlichen Glückwunsch an Kardinal Robert Francis Prevost, der gerade zum Papst ernannt wurde. Es ist eine große Ehre, der erste amerikanische Papst zu sein. Welch eine Freude und eine große Ehre für unser Land! Ich freue mich darauf, Papst Leo XIV. kennenzulernen. Es wird ein bedeutsamer Moment sein!“

Russlands Staatschef Wladimir Putin (72) schloss sich den Glückwünschen und Gratulationen an den neuen Papst an. Der dpa zufolge äußerte sich der Staatschef in einem vom Kreml veröffentlichten Telegramm zuversichtlich, dass sich „der konstruktive Dialog und die Interaktion zwischen Russland und dem Vatikan auf der Grundlage der christlichen Werte, die uns verbinden, weiter entwickeln werden“.

Auch der seit dem 8. Mai 2025 regierende deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (69, CDU) ließ laut Deutsche Presseagentur (dpa) ein Gratulationsschreiben veröffentlichen. „Durch Ihr Amt geben Sie in diesen Zeiten großer Herausforderungen Millionen von Gläubigen weltweit Hoffnung und Orientierung“, heißt es darin. „Für viele Menschen sind Sie ein Anker für Gerechtigkeit und Versöhnung.“

Die ersten Minuten in der Öffentlichkeit.

Vatikan-Experte: „Er muss sofort in die Schuhe und das aktuelle Kirchenjahr zu Ende führen“

Auch, wenn Leo XIV. Amerikaner ist, so erklärte Vatikan-Experte Andreas Englisch im Welt-Interview: „Er ist kein Trump-Fan und von seinen Einstellungen her jemand, den sich Franziskus gewünscht hätte.“ Sowohl bei den Konservativen als auch bei den Reformern sei Prevost anerkannt, ist sich Englisch sicher. Er gehöre jedoch eher zu den Bewahrern als zu den Reformern. Im Vatikan gilt er als menschennah und nicht als verkopfter Theoretiker. Er war als Missionar in Peru tätig und habe wie Franziskus ein Herz für die Armen.

Die Erwartungen an den Pontifex sind hoch. „Die Zeiten des italienischen Papstes sind vorbei, er ist ein globaler Papst.“ Die Konservativen unter den Kardinälen seien enttäuscht und hätten andere Favoriten gehabt, weiß der seit fast 40 Jahren in Rom lebende Papst-Biograf. „Er muss sofort in die Schuhe und das aktuelle Kirchenjahr zu Ende führen“, erklärte Englisch. Auch für die deutschen Katholiken hält er Prevost für einen guten Papst.

Papst wird Fehler der Vergangenheit aufarbeiten

„Es scheint sich wahrscheinlich um eine Fortsetzung der Liberalisierung durch Franziskus zu handeln“, sagte auch der katholische Priester und Blogger Ed Tomlinson gegenüber independent.co.uk. Der Passauer Bischof Stefan Oster hat dem neu gewählten Papst Leo XIV. gratuliert. Der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte er, er habe den ehemaligen Kardinal bei der jüngsten Bischofssynode „als einen tiefen, klugen, geistlichen und besonnenen Mann kennenlernen“ dürfen.

Peter Dückers (59), Domvikar in Aachen, sagte in Interview mit n-tv, der neue Papst sei einer, der den Dialog suche und auch die Fehler der Vergangenheit aufarbeiten werde, insbesondere im Hinblick auf Missbrauchsskandale der katholischen Kirche. „Bemerkenswert“ empfand er, dass Leo XIV. das Friedensthema an den Anfang seiner Rede stellte. Mit der Erwähnung seines Vorgängers Franziskus „hat er damit in einer gewissen Weise Kontinuität versprochen“, so Dückers.

„Wir werden keine Kopie von Papst Franziskus bekommen“ – trotz gleichem Kurs

Auch wenn er in seiner ersten öffentlichen Rede als Papst seinen Vorgänger Franziskus würdigte und damit eine gewisse Kontinuität in Aussicht stellte, habe er sich auch direkt sehr klar abgegrenzt, sagte Kirchenhistoriker Hubert Wolf von der Universität Münster. „Äußerlich vollzog er einen klaren Bruch mit der Bescheidenheit des Franziskus, der ganz in schlichtem Weiß aufgetreten war. Leo XIV. kam wie Benedikt XVI. mit rotem Schulterumhang und Stola. Er wollte offenbar damit deutlich machen: Ich bin kein Abziehbild von Franziskus.“ Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erklärte in diesem Zusammenhang: „Die Kardinäle wollten wohl ein Kontinuum zu Papst Franziskus, aber keine Kopie.“

Ähnlich sieht es Münchner Kardinal Reinhard Marx. Er denkt, dass Papst Leo XIV. den Kurs von Franziskus verfolgt, aber mit neuen Impulsen. „Wir werden keine Kopie von Papst Franziskus bekommen“, sagte der Erzbischof von München und Freising in den ARD-Tagesthemen. „Aber die Richtung ist schon, das große Pontifikat, das wir in zwölf Jahren erlebt haben, auch in seinen Elementen jetzt auf neue Weise weiterzuführen. Das ist schon eine Perspektive, die ich erwarte.“

Zu den wichtigsten Aufgaben des neuen Papstes gehöre es, die Kirche zusammenzuhalten, führte Marx fort, der am Konklave teilgenommen hatte. Franziskus habe das Projekt einer synodalen Kirche vorangebracht. „Das wird man weiterentwickeln.“ Wichtig seien außerdem die Reform der Kurie und die politische Stimme der Kirche, die „über die Nationen hinweg die Menschheitsfamilie zusammenführt“. 

Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, erklärte nach der Wahl von Papst Leo XIV.: „Mit Kardinal Robert Francis Prevost ist heute ein Mann der Mitte, politisch versiert, international vernetzt und zudem bestens informiert über die katholische Kirche in Deutschland, zum Papst gewählt worden.“ (diase/cln/dpa)

Rubriklistenbild: © Vatican Media/Imago

Kommentare