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Habemus papam! Der amerikanische Kardinal Robert Prevost wird Leo XIV. und erste Reaktionen sind geprägt von Überraschung und emotionalen Momenten.
Vatikan – Ein neuer Papst ist gewählt. Leo XIV. stammt aus den USA und überrascht die Welt. Welche Richtung wird er einschlagen? Die ersten Worte auf dem Balkon vom Petersdom waren geprägt von Tradition, Emotionen und doch Hoffnung auf Reformation.
Amerikaner Leo XIV. wird Papst – Zeichen für Globalität
Am 8. Mai um 18.07 Uhr brach auf dem Petersplatz großer Jubel aus. Seit dem Vortag hatten Tausende von Christen und Neugierigen aus aller Welt geduldig vor der Sixtinischen Kapelle in Rom gewartet. Der französische Kardinal Dominique Mamberti verkündete erst gut eine Stunde später vom Balkon des Petersdoms die Worte „Habemus papam“ (dt. „Wir haben einen Papst“). Die Menge auf dem Petersplatz wartete gespannt auf die ersten Worte des neuen Papstes. Flaggen aus aller Welt und Jubelrufe begleiteten seinen Auftritt im Sonnenuntergang auf dem berühmten Balkon.
Leo XIV. ist der neue Papst – Vatikan zeigt erste Fotos kurz nach der Wahl




Letztlich fiel die Wahl auf Leo XIV., den ersten Nordamerikaner in diesem Amt, der für viele nur ein interner Favorit war. Sein voller Name ist Robert Francis Prevost, 69 Jahre alt, Kardinal aus Chicago und Mitglied des Augustinerordens. Prevost ist aber auch peruanischer Staatsbürger. Bei seinen ersten Sätzen würdigte er den verstorbenen Franziskus und sendete wegen seines Bezugs zu Lateinamerika auch spanischsprachige Worte an die Glaubensgemeinschaft. Es ist überraschend, dass nach Franziskus direkt ein Papst vom amerikanischen Kontinent folgt.
Neuer Papst ist gewählt: Trump und Merz gratulieren
US-Präsident Donald Trump (78) gratulierte auf seinem Nachrichtenkanal Truth Social seinem Landsmann. „Herzlichen Glückwunsch an Kardinal Robert Francis Prevost, der gerade zum Papst ernannt wurde. Es ist eine große Ehre, der erste amerikanische Papst zu sein. Welch eine Freude und eine große Ehre für unser Land! Ich freue mich darauf, Papst Leo XIV. kennenzulernen. Es wird ein bedeutsamer Moment sein!“
Russlands Staatschef Wladimir Putin (72) schloss sich den Glückwünschen und Gratulationen an den neuen Papst an. Der dpa zufolge äußerte sich der Staatschef in einem vom Kreml veröffentlichten Telegramm zuversichtlich, dass sich „der konstruktive Dialog und die Interaktion zwischen Russland und dem Vatikan auf der Grundlage der christlichen Werte, die uns verbinden, weiter entwickeln werden“.
Auch der seit dem 8. Mai 2025 regierende deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (69, CDU) ließ laut Deutsche Presseagentur (dpa) ein Gratulationsschreiben veröffentlichen. „Durch Ihr Amt geben Sie in diesen Zeiten großer Herausforderungen Millionen von Gläubigen weltweit Hoffnung und Orientierung“, heißt es darin. „Für viele Menschen sind Sie ein Anker für Gerechtigkeit und Versöhnung.“
Vatikan-Experte: „Er muss sofort in die Schuhe und das aktuelle Kirchenjahr zu Ende führen“
Auch, wenn Leo XIV. Amerikaner ist, so erklärte Vatikan-Experte Andreas Englisch im Welt-Interview: „Er ist kein Trump-Fan und von seinen Einstellungen her jemand, den sich Franziskus gewünscht hätte.“ Sowohl bei den Konservativen als auch bei den Reformern sei Prevost anerkannt, ist sich Englisch sicher. Er gehöre jedoch eher zu den Bewahrern als zu den Reformern. Im Vatikan gilt er als menschennah und nicht als verkopfter Theoretiker. Er war als Missionar in Peru tätig und habe wie Franziskus ein Herz für die Armen.
Die Erwartungen an den Pontifex sind hoch. „Die Zeiten des italienischen Papstes sind vorbei, er ist ein globaler Papst.“ Die Konservativen unter den Kardinälen seien enttäuscht und hätten andere Favoriten gehabt, weiß der seit fast 40 Jahren in Rom lebende Papst-Biograf. „Er muss sofort in die Schuhe und das aktuelle Kirchenjahr zu Ende führen“, erklärte Englisch. Auch für die deutschen Katholiken hält er Prevost für einen guten Papst.
Papst wird Fehler der Vergangenheit aufarbeiten
„Es scheint sich wahrscheinlich um eine Fortsetzung der Liberalisierung durch Franziskus zu handeln“, sagte auch der katholische Priester und Blogger Ed Tomlinson gegenüber independent.co.uk. Der Passauer Bischof Stefan Oster hat dem neu gewählten Papst Leo XIV. gratuliert. Der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte er, er habe den ehemaligen Kardinal bei der jüngsten Bischofssynode „als einen tiefen, klugen, geistlichen und besonnenen Mann kennenlernen“ dürfen.
Peter Dückers (59), Domvikar in Aachen, sagte in Interview mit n-tv, der neue Papst sei einer, der den Dialog suche und auch die Fehler der Vergangenheit aufarbeiten werde, insbesondere im Hinblick auf Missbrauchsskandale der katholischen Kirche. „Bemerkenswert“ empfand er, dass Leo XIV. das Friedensthema an den Anfang seiner Rede stellte. Mit der Erwähnung seines Vorgängers Franziskus „hat er damit in einer gewissen Weise Kontinuität versprochen“, so Dückers.
„Wir werden keine Kopie von Papst Franziskus bekommen“ – trotz gleichem Kurs
Auch wenn er in seiner ersten öffentlichen Rede als Papst seinen Vorgänger Franziskus würdigte und damit eine gewisse Kontinuität in Aussicht stellte, habe er sich auch direkt sehr klar abgegrenzt, sagte Kirchenhistoriker Hubert Wolf von der Universität Münster. „Äußerlich vollzog er einen klaren Bruch mit der Bescheidenheit des Franziskus, der ganz in schlichtem Weiß aufgetreten war. Leo XIV. kam wie Benedikt XVI. mit rotem Schulterumhang und Stola. Er wollte offenbar damit deutlich machen: Ich bin kein Abziehbild von Franziskus.“ Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erklärte in diesem Zusammenhang: „Die Kardinäle wollten wohl ein Kontinuum zu Papst Franziskus, aber keine Kopie.“
Ähnlich sieht es Münchner Kardinal Reinhard Marx. Er denkt, dass Papst Leo XIV. den Kurs von Franziskus verfolgt, aber mit neuen Impulsen. „Wir werden keine Kopie von Papst Franziskus bekommen“, sagte der Erzbischof von München und Freising in den ARD-Tagesthemen. „Aber die Richtung ist schon, das große Pontifikat, das wir in zwölf Jahren erlebt haben, auch in seinen Elementen jetzt auf neue Weise weiterzuführen. Das ist schon eine Perspektive, die ich erwarte.“
Zu den wichtigsten Aufgaben des neuen Papstes gehöre es, die Kirche zusammenzuhalten, führte Marx fort, der am Konklave teilgenommen hatte. Franziskus habe das Projekt einer synodalen Kirche vorangebracht. „Das wird man weiterentwickeln.“ Wichtig seien außerdem die Reform der Kurie und die politische Stimme der Kirche, die „über die Nationen hinweg die Menschheitsfamilie zusammenführt“.
Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, erklärte nach der Wahl von Papst Leo XIV.: „Mit Kardinal Robert Francis Prevost ist heute ein Mann der Mitte, politisch versiert, international vernetzt und zudem bestens informiert über die katholische Kirche in Deutschland, zum Papst gewählt worden.“ (diase/cln/dpa)
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