Sturmtief Joshua fegt über Deutschland: Hafen von Nordsee-Insel unter Wasser
VonJulian Mayr
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Martina Lippl
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Sturmtief „Joshua“ stürmt auch am Freitag mit voller Wucht weiter. Die Live-Karte zeigt, wo es besonders heftig wird.
Update vom 24. Oktober, 19.30 Uhr: Das Sturmtief „Joshua“ hat am Freitag vor allem die Nordseeküste getroffen. Es kam zu orkanartige Böen und Überschwemmungen an mehreren Häfen, darunter am Fähranleger in Dagebüll. Auf Fotos ist zu sehen, wie die Wassermassen Teile des Anlegers verschlucken. Auch der Hafen auf der nordfriesischen Insel Föhr wurde am Freitag überschwemmt. „Die aktuelle Wetterlage macht es leider erforderlich, den regulären Fahrplan sowie alle bestehenden Buchungen am 24. und 25. Oktober aufzuheben“, informierte die Wyker Dampfschiff-Reederei über den Schiffsverkehr auf Föhr. Berichte über Verletzte infolge der Überschwemmungen gab es bislang nicht.
Trotzdem gebe die Situation kein Anlass zu Sorge: „Eine Sturmflut in dieser Höhe ist im Herbst ein normales Ereignis“, sagte Kerstin Jochumsen, Leiterin der Abteilung Meereskunde beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, zum NDR. Die Küstenländer seien demnach gut vorbereitet.
Auch im Rest von Deutschland hat der Herbststurm die Feuerwehren auf Trab gehalten. Besonders aus Nordrhein-Westfalen wurden am Freitag zahlreiche Einsätze wegen herabgefallener Äste oder umgestürzter Bäume gemeldet, aber auch aus anderen Bundesländern wie etwa Baden-Württemberg oder Thüringen. Im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern wurde ein Autofahrer verletzt, als ein Baum auf seine Frontscheibe fiel.
Update vom 24. Oktober, 12:48 Uhr: Das Sturmtief Joshua hat bereits Schäden an Land angerichtet, auf der Urlaubsinsel Korsika ist sogar ein deutscher Urlauber gestorben. Die Folgen des Tiefs zeigen sich jedoch auch auf hoher See. Gleich zwei Kreuzfahrtschiffe der Reederei AIDA Cruises mussten wegen der extremen Wetterlage ihre Routen ändern. Die „AIDAperla“, die seit dem 18. Oktober auf Norwegenfahrt war, kehrte bereits heute nach Hamburg zurück – einen ganzen Tag früher als geplant. Ein Sprecher von AIDA Cruises erklärte der Bild, der Reiseverlauf sei „präventiv im Interesse des Reisekomforts“ angepasst worden.
Zudem war die „AIDAprima“ betroffen. Der Kreuzer, der derzeit vor Frankreich unterwegs ist, musste den Aufenthalt in Cherbourg verkürzen, um rechtzeitig Le Havre zu erreichen. Dort bleibt das Schiff nun zwei Tage, da der belgische Hafen Zeebrügge nicht angelaufen werden kann.
Update vom 24. Oktober, 10:10 Uhr: Am heutigen Freitag (24. Oktober) setzt sich das stürmische Wetter in Deutschland fort. An einigen Orten in Deutschland hat Sturmtief Joshua jedoch bereits am Donnerstagabend (23. Oktober) seine Spuren hinterlassen. Im Südwesten hat das Sturmtief teils enorme Schäden angerichtet und auch eine Bahnstrecke kurzfristig lahmgelegt.
Bei Remchingen (Enzkreis) war ein Baum auf die Schienen gestürzt. Zahlreiche Züge fielen aus. Ein Zug habe noch rechtzeitig bremsen können, bevor er mit dem Baum kollidierte, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei der dpa. Von verletzten Personen war zunächst nicht berichtet worden.
In Schwäbisch Hall rissen Böen ein Dach teilweise weg, das dann in einen Drogeriemarkt krachte. Fünf Gebäude wurden dabei beschädigt. Der Schaden liegt Polizeiangaben zufolge bei rund 100.000 Euro. Eine Bahnunterführung in Gemmingen (Landkreis) wurde durch das Unwetter zwischenzeitlich überflutet.
Tief Joshua fegt auch am Freitag über Deutschland: Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h erwartet
Update vom 24. Oktober 2025: Sturmtief Joshua stürmt auch am Freitag in vielen Regionen weiter. An der Nordseeküste ist am Morgen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde zu rechnen. Ein Meteorologe des DWD sagte in der Nacht, der Sturm hänge über der südlichen Nordsee und bewege sich kaum noch weiter. Auch regnen werde es am Freitag weiter.
In vielen Regionen in Deutschland dürfte Sturmtief Joshua für eine turbulente Nacht gesorgt haben. Im Laufe der Nacht nahmen die Windgeschwindigkeiten nämlich immer weiter zu. Verbreitet sei mit schweren Sturmböen an den Küsten, teilweise sogar mit Orkanböen zu rechnen, hieß es. In Wilhelmshaven wurden Teile der Promenade und eines Parkplatzes wegen der aufgepeitschten Nordsee unter Wasser gesetzt. Im Binnenland dürfte der Wind etwas schwächer blasen: Die Meteorologen sagen Geschwindigkeiten von 60 Kilometern pro Stunde voraus.
Auch an der Ostsee wird es stürmisch: Am Morgen ist laut DWD bereits mit ersten Böen von um die 55 km/h zu rechnen. Im Laufe des Tages könnten daraus bis zu 70 Kilometer pro Stunde im Binnenland und bis zu 80 an der Küste werden.
Sturmböen, Regen und Sturmtief Joshua: Live-Karte zeigt heute alle Unwetter-Warnungen
Ursprungsmeldung vom 23. Oktober 2025: Frankfurt – Der erste stärkere Herbststurm steht Deutschland bevor. Stürmische Böen an der Nordsee und auf dem Brocken, dazu Dauerregen im Schwarzwald mit Orkanböen am Mittwoch (22. Oktober) sind offenbar nur ein Vorgeschmack. Noch ist es recht feuchte und milde Meeresluft. Das ändert sich komplett am Donnerstag (23. Oktober). Eine kritische Wetterlage zeichnet sich ab. Regional ist mit Sturmböen, teils kräftigem Regen und Gewittern zu rechnen. Wetter-Warnungen lassen sich auf der Live-Karte verfolgen.
„Sturmtief Joshua bringt am Donnerstag den ersten stärkeren Herbststurm und wirbelt anschließend das Land bis zum Wochenende durcheinander“, teilt Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Mittwoch (22. Oktober) mit. Dabei gibt es laut dem DWD-Experten jede Menge Regen, sinkende Temperaturen und im höheren Bergland Schnee.
Live-Karte zeigt DWD-Wetter-Warnungen zur Sturmlage am Donnerstag (23. Oktober 2025)
Die Bäume tragen vielerorts noch Laub und bieten eine große Angriffsfläche, warnt der DWD-Experte. „Mit Beeinträchtigungen im Straßen- und Schienenverkehr ist also ziemlich sicher zu rechnen“, fürchtete DWD-Meteorologe Adrian Leyser schon zuvor.
Das kräftige Sturmtief steuert auf Deutschland vom Westen zu. Donnerstagfrüh frischt der Wind bereits auf. Vereinzelt könne es zu Gewittern kommen, so der DWD. Dann ist auch mit schweren Sturmböen zu rechnen. Im ganzen Land ist es stürmisch. An der Nordsee ist mit Orkanböen (ab 118 km/h) zu rechnen. Vor allem im Raum Schwarzwald warnt der DWD vor Starkregen mit bis zu 25 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit. Amtliche Wetter-Warnungen für Sturmtief Joshua gibt der DWD dann für bestimmte Regionen und Gebiete heraus. Die markierten Flächen ändern dann ihre Farbe von grün (keine Warnung) bis blau (extremes Unwetter).
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Sturmtief Joshua trifft Deutschland am Donnerstag – DWD warnt vor Orkanböen bis 118 km/h
Nach dem Höhepunkt am Donnerstag zieht Sturmtief Joshua nach Skandinavien ab. Doch nach den aktuellen Prognosen bleibt es in weiten Teilen des Landes von Freitag bis Sonntag weiter stürmisch (Bft 9) – an der Nordsee ist laut der DWD-Vorhersage mit orkanartigen Böen (Bft 11) zu rechnen. In den Nächten sinkt die Schneefallgrenze bis auf 1000 Meter ab. Ein Vorbote? Einige Prognosen deuteten schon auf einen „Jahrhundertwinter“ hin.
Beaufort-Skala/ Windgeschwindigkeit
Beispiele für die Auswirkungen des Windes im Binnenland
Bft 7: 50 bis 61 km/h
fühlbare Hemmungen beim Gehen gegen den Wind, ganze Bäume bewegen sich
Bft 8: 62 bis 74 km/h
Zweige brechen von Bäumen, erschwert erheblich das Gehen im Freien
Bft 9: 75 bis 88 km/h
Äste brechen von Bäumen, kleinere Schäden an Häusern (Dachziegel oder Rauchhauben abgehoben)
Bft 10: 89 bis 102 km/h
Wind bricht Bäume, größere Schäden an Häusern
Bft 11: 103 bis 117 km/h
Wind entwurzelt Bäume, verbreitet Sturmschäden
Bft 12: ab 118 km/h
schwere Verwüstungen
Quelle: Ausschnitt DWD Beaufort-Skala
Neben dem Wind bleibt es das ganze Wochenende über regnerisch. In Staulagen der zentralen Mittelgebirge sind Regenmengen um 40 Liter pro Quadratmeter in 12 bis 24 Stunden möglich, so der DWD. Im Harz auch etwas mehr. Zum Start in die Woche scheint kein „Goldener Oktober“ in Sicht. Nach einer alten Bauernregel verrät das Wetter am 21. Oktober die Schnee-Chancen für Weihnachten. (Quelle: DWD, Kachelmannwetter, wetter.net) (ml)