VonSandra Sporerschließen
Normalerweise freuen Wirte sich über viele Besucher. In den Dolomiten fordern sie jedoch, einen Teil der Touristen auszusperren. Unter anderem durch eine Maut.
Gröden – Die Berichte von Touristen-Hotspots, die den Strömen an Besucherinnen und Besuchern nur noch mit Verboten und Zugangssperren begegnen können, häufen sich. So sah sich die Stadt Tokio dazu gezwungen, das Geisha-Viertel fast komplett für Touristinnen und Touristen zu sperren. Nur eine Straße ist noch für den Besucherverkehr geöffnet und in Anbetracht der Vorfälle werden viele Geishas diese abseits spezieller Darbietungen wohl eher meiden. Und auch in Italien geht man inzwischen vielerorts gegen den Massentourismus vor. Entsprechende Forderungen werden nun auch in den Dolomiten laut. Vor allem die PKW-Kolonnen sind den hiesigen Hotelierinnen und Hoteliers und Gastwirtinnen und -wirten zunehmend ein Dorn im Auge.
Täler-Verbände schließen sich zusammen – und fordern Kontingentierung und Maut für Dolomiten-Pässe
Wie Südtirol News berichtete, setzen der HGV Gröden und der HGV Gadertal sich erstmals gemeinsam dafür ein, bei den Pässen eine Obergrenze für Fahrzeuge einzuführen. „Um den zuständigen Stellen in Rom ein klares Signal zu senden, dass es endlich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für ein Verkehrsmanagement über die Pässe benötigt, ist es wichtig, dass sich beide Talschaften für dieselbe Lösung einsetzen“, erklärte HGV-Gebietsobmann Nils Demetz in einer Pressemitteilung.
Konkret fordern die Gastwirtinnen und -wirte, eine strenge Kontingentierung der Pässe sowie die Einführung einer Umweltabgabe, quasi eine Mautgebühr. Auch sollen keine „organisierten Auto- oder Motorradveranstaltungen über die Dolomitenpässe“ mehr autorisiert werden. Dadurch solle „sowohl die sensible Natur als auch den Lebensraum der lokalen Bevölkerung zu schützen“, so die Pressemitteilung weiter.
„Stärkt uns den Rücken“: Nicht nur Gastwirtinnen und -wirte wollen dem Besucher-Ansturm Einhalt gebieten
Landesrat Daniel Alfreider von der Südtiroler Volkspartei (SVP) begrüßte den Schritt der beiden Verbände. Dass die Hotel- und Gastwirteverbände beider Täler an einem Strang ziehen, sei sehr begrüßenswert. „Dies stärkt uns den Rücken, wenn wir in Rom gemeinsam mit unseren Parlamentariern über die nötigen gesetzlichen Voraussetzungen (…) verhandeln“, unterstrich Alfreider.
Die Resolution der Wirtinnen und Wirte dürfte auch im Sinne des berühmten Bergsteigers Reinhold Messner sein. Er forderte bereits im Mai eine Eintrittskarte für diverse Südtirol-Regionen. Ähnlich dem Modell in Venedig, wo Touristinnen und Touristen seit 25. April fünf Euro Eintritt zahlen müssen. (sp)
