Lage in der Ukraine

1000 Tage Ukraine-Krieg: Russland verstärkt Druck auf Ukraine

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1000 Tage nach Beginn des Ukraine-Kriegs intensiviert Russland seine Angriffe. Der Kreml droht zudem mit einer weiteren Eskalation.

Kiew – Seit mittlerweile 1000 Tagen führt Russland einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Zu diesem traurigen Meilenstein wachsen die Befürchtungen um eine weitere Eskalation des Ukraine-Kriegs. Die ukrainischen Verteidiger stehen an der Front schwer unter Druck. In mehreren Städten im Osten des Landes liefern sich die Kriegsparteien heftige Gefechte, vor allem um die an einem Stausee gelegene Kleinstadt Kurachowe im Gebiet Donezk.

Hier droht aus ukrainischer Sicht eine Einschließung, weil russische Truppen südlich und nördlich der Stadt nach Westen vorstoßen konnten. Etwas weiter nördlich laufen Kämpfe östlich der ebenfalls in Donezk gelegenen Stadt Pokrowsk. Hier halten sich die Fortschritte Russlands jedoch in Grenzen. Kritischer ist die Lage aus ukrainischer Sicht im Gebiet Charkiw, wo es einer Kolonne russischer Panzerfahrzeuge gelang, in die strategisch wichtige Stadt Kupjansk einzudringen.

1000 Tage nach Kriegsbeginn intensiviert Russland auch die Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine.(Archivbild)

Russland droht im Ukraine-Krieg mit Eskalation – „spürbare Antwort“ auf ATAMCS-Entscheidung

Die schwierige Lage an der Front ist jedoch nicht der einzige Grund, der Ängste in der Ukraine sowie bei den Verbündeten schürt. Seit einigen Tagen hat Russland den Beschuss ukrainischer Städte und ziviler Objekte, auch tiefer im Inneren des Landes, massiv verstärkt – etwa in Sumy und Odessa. Hinzu kommen die Reaktionen Russlands auf Berichte, wonach die USA der Ukraine erlaubt haben, ATACMS-Raketen auch tiefer auf russischem Territorium einzusetzen, namentlich zunächst in der Grenzregion Kursk.

Moskau antwortete darauf mit scharfen Drohungen. Ein Einsatz der Waffen gegen Russland bedeute eine direkte Verstrickung der USA und ihrer Verbündeten in den Krieg, teilte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, mit. Russlands Antwort werde in so einem Fall „adäquat und spürbar“ sein, so Sacharowa. Dass die USA dann direkt in den Krieg verwickelt seien, hatte Stunden zuvor auch schon Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärt.

Nach USA-Entscheidung - Experten zweifeln an Eskalation des Ukraine-Kriegs durch Russland

Diese Rhetorik Russlands ist nicht neu. Darauf weist auch das Institute for the Study of War (ISW) hin. Auf der Website des Forschungsinstituts heißt es auch, Russland habe im Krieg schon häufiger rote Linien ausgerufen. Bislang, so die Forscher, folgte auf deren Übertreten hin jedoch keine Eskalation seitens Russlands. Weiter heißt es vom Institut, russische Beamte hätten ausdrücklich betont, dass die USA die ATAMCS-Genehmigung noch nicht offiziell bestätigt hätten. Wahrscheinlich um die USA dazu zu bringen, die Entscheidung rückgängig zu machen und die Medienberichte über die Genehmigung zu dementieren, so die Fachleute.

Schon im September hatte der Verteidigungsexperte Nico Lange angemerkt, wie flexibel Russland mit dem Thema rote Linien umgeht. Vor der ukrainischen Offensive in Kursk habe Wladimir Putin etwa mit dem Einsatz von Nuklearwaffen gedroht, wenn russisches Staatsgebiet angegriffen wird. Der blieb bekanntermaßen jedoch aus. Ob eine weitere Eskalation im Ukraine-Krieg also tatsächlich unmittelbar bevorsteht und die ukrainischen Verbündeten weiter in den Konflikt hineingezogen werden könnten, ist derzeit völlig offen. (grmo)

Rubriklistenbild: © Evgeniy Maloletka/AP/dpa

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