„20.000 vom FSB kontrollierte Soldaten“: Moldau hofft auf Trump – und fürchtet US-Pakt mit Putin
VonFlorian Naumann
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„USA haben sich im Grunde mit Russland verbündet“: Trump lässt Moldau bangen – aber auch hoffen. Im kleinen Land stehen bereits russische Kräfte.
Leipzig – Europa blickt auf den Ukraine-Krieg, natürlich – und auf künftige Gefahren entlang Russlands Grenzen: im Baltikum, in Polen, womöglich in Finnland. Aber nahe dem Südostende der EU wachsen die Sorgen: Moldau, gelegen zwischen Rumänien und Ukraine, blickt mit gewisser Unruhe auf prorussische Militärkräfte in der Separatistenregion Transnistrien. Es hofft nun ausgerechnet auf die USA und Donald Trump, wie zwei Diskutanten am Wochenende auf der Leipziger Buchmesse einräumten.
Moldaus Sorge vor Russland: 20.000 Soldaten im Land – „unter vollständiger Kontrolle des FSB“
Dort saßen sich Moldaus Vize-Ministerpräsident Oleg Serebrian und die moldauische Guardian- und CNN-Journalistin Paula Erizanu auf dem Podium gegenüber. Serebrian, zuständig für die „Re-Integration“ des prorussischen Transnistrien, bestätigte einen kurios anmutenden Gas-Deal Russlands. Aber er rief auch nach „entschiedener Hilfe“ der USA.
Denn Wladimir Putin habe weit mehr als die kolportierten 1500 russischen Soldaten in Transnistrien zur Hand. „Der Fakt ist, dass wir von 20.000 Soldaten unter Kontrolle der russischen Föderation in der Region Transnistrien sprechen müssen“, sagte Serebrian: „Denn das sogenannte Ministerium für die Sicherheit Transnistriens steht unter vollständiger Kontrolle des FSB.“ Der FSB ist der Nachfolger des KGB als Russlands Inlandsgeheimdienst.
Dass viele der angesprochenen Bewaffneten Transnistrier in russischen Uniformen seien, spiele keine Rolle, erklärte der Politiker. „Sie betrachten sich als Teil der ‚russischen Welt‘ und sie sind dem russischen Kommando in Rostow untergeordnet.“ Aufgrund der Präsenz dieser Kräfte müsse die Ukraine auch starke Kräfte nahe der Grenze zu Transnistrien vorhalten. Nur mit Unterstützung der USA lasse sich dieses Problem lösen, sagte Serebrian.
„USA haben sich im Grunde mit Russland verbündet“ – Sorge in Moldau
„Ich hoffe, dass sich Washingtons Meinung über Herrn Putin ändern wird“, fügte er hinzu – „aber vielleicht bin ich da zu optimistisch.“ Erizanu äußerte hingegen eine düstere Befürchtung: Die USA hätten sich „im Grunde mit Russland verbündet“. „Tatsächlich fürchte ich einen neuen Ribbentrop-Molotow-Pakt“, erklärte sie. Das Papier hatte 1939 den Zweiten Weltkrieg mit-ermöglicht: Die Sowjetunion und Nazi-Deutschland schlossen einen Nichtangriffspakt – und teilten de facto Polen unter sich auf.
„Meine Angst ist, dass Moldau wieder von Russland besetzt wird – und womöglich auch Rumänien“, sagte die Journalistin. Die Präsidentschaftswahl in Rumänien habe gezeigt, wie verletzlich das Land sei. Das rumänische Verfassungsgericht lässt die Wahl aufgrund mutmaßlicher russischer Einflussnahme (nicht zuletzt über TikTok) wiederholen. Die Hoffnung sei natürlich, dass Europa seine Anstrengungen vergrößere und eine Spaltung verhindere.
Wie groß ist die Gefahr durch Transnistrien? „Front, die im Moment die Ukraine hält“
Erizanu verwies auch auf die große Bedeutung der Arbeit der nun von Trump praktisch aufgelösten US-Entwicklungshilfeorganisation USAID für Moldau. Winzerei, Textil-Industrie, Tourismus und Kreativwirtschaft seien mit USAID-Hilfe im Land aufgebaut worden. Auch die EU bemüht sich etwa mit Finanzhilfen um Moldau – was vor der Präsidentschaftswahl 2024 auch für Kritik sorgte. Der weitere Fortgang im Ringen der moldauischen demokratischen Kräfte mit Russland sei entscheidend, betonte Serebrian: nicht nur für Moldau, „sondern auch für ganz Europa“. Noch 2025 wählt das Land ein neues Parlament.
Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU
Indes sahen zuletzt nicht alle Beobachter (und Moldauer) akute Gefahren durch Transnistrien. Denn aktuell täte sich Russland zumindest schwer, die Kräfte in Transnistrien effizient zu unterstützen. „Transnistrien war immer der klassische Hebel für Moskau“, sagte Brigitta Triebel, Leiterin des moldauischen Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung im Herbst vor Journalisten. „Das funktioniert aus einem einfachen Grund nicht mehr so einfach: Die Schutzmacht Russland ist sehr, sehr weit weg – und dazwischen ist eine Front, die im Moment von der Ukraine gehalten wird.“ (fn)