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Das Startkapital in Höhe von 20.000 Euro für junge Menschen will der Ostbeauftragte über die Erbschaftssteuer finanzieren. Wirtschaftsforscher begrüßen die Idee.
Berlin – Alle jungen Menschen in Deutschland sollen mit Erreichen der Volljährigkeit 20.000 Euro erhalten, schlägt der Ostbeauftrage der deutschen Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD) vor. „Das würde helfen, die Vermögensungleichheit zwischen Arm und Reich etwas zu verringern“, sagte Schneider am Montag im Interview mit der Rheinischen Post. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) begrüßte den Vorstoß.
So will der Ostbeauftragte die Finanzspritze von 20.000 Euro für junge Menschen finanzieren
Eine höhere Erbschaftssteuer soll das Geld für das Startkapital liefern. „Finanzieren könnte der Staat das mit einer höheren Erbschaftsteuer für angehende Erbmillionäre“, so der SPD-Politiker. In Spanien hatte die linke Arbeitsministerin Yolanda Díaz bereits im Juli ein 20.000 Euro-Grunderbe für junge Menschen vorgeschlagen.
Vor allem Menschen in Ostdeutschland verfügten über deutlich weniger Vermögen als Westdeutsche, argumentierte Schneider für die Umsetzung des Vorschlags auch hierzulande. Damit stellte er sich hinter die Idee des Grunderbes, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung jüngst entwickelt hatte. Die DIW-Forschenden begrüßten den Vorstoß Schneiders.
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) begrüßt den Vorstoß – „Schafft Freiheit“
Ein solches Grunderbe „würde manchem jungen Menschen, der keine große finanzielle Unterstützung von den Eltern erhalten kann, dazu bewegen, doch zu studieren oder einen Ausbildungsweg einzuschlagen, der nicht unmittelbar ein vielversprechendes Einkommen abwirft“, hieß es vonseiten des DIW dazu. „Es schafft Freiheit, Risiken einzugehen, beispielsweise sich selbstständig zu machen.“ FDP und Linke kritisieren das Grunderbe als eine Umverteilung nach dem Gießkannenprinzip. „Genau das Gegenteil ist der Fall: Das Grunderbe ist eine sehr gezielte Umverteilung von alten zu jungen Menschen“, so das DIW weiter – und von „reich zu arm“.
Wie groß ist die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland?
Der Gini-Koeffizient wird gemeinhin als das Maß der Ungleichverteilung herangezogen. Das DIW kam 2021 in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt sind. „Die untere Hälfte der Vermögensverteilung besitzt nur ein Prozent der Vermögen“, so die Forschenden. Mit einem Grunderbe für junge Menschen könnte „je nach Umfang von Grunderbe und Vermögensteuern […] der Gini-Koeffizient zur Vermögensungleichheit um fünf bis sieben Prozent sinken“, so die Analyse weiter.
Zumindest scheint die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland nicht größer zu werden, wie eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Jahr 2021 ergab. „Die Ungleichheit hat in den vergangenen Jahren nicht zugenommen. Gerade beim Einkommen ist die relative Verteilung schon seit 2005 bemerkenswert stabil“, so das IW. Der Gini-Koeffizient sei seit 2005 weitgehend konstant geblieben, so die Forscher.
Im Gegensatz zu den Vermögen zeigt sich auch der Ostbeauftragte Schneider mit Blick auf die Löhne in Deutschland optimistisch. „Wir werden eine weitere Lohnangleichung sehen“, so der SPD-Politiker in Bezug auf die Einkommensunterschiede zwischen Ost und West.
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