Schwerste Angriffe seit langem

UN-Sicherheitsrat tagt nach jüngsten Angriffen auf die Ukraine - nun will auch Putin eine Sondersitzung

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Der UN-Sicherheitsrat tagte nach dem schweren russischen Luftangriff auf die Ukraine – kurz darauf meldet Russland einen Angriff auf seine Grenzregion.

New York – In der Nacht zum Freitag (29. Dezember) hat Russland die stärksten Luftangriffe gegen die Ukraine seit Beginn des Krieges ausgeführt. So lautet jedenfalls die Einschätzung der Ukraine, die von Angriffen durch 158 Drohnen und Raketen sprach. Dabei wurden laut Behördenangaben landesweit mindestens 30 Menschen getötet und rund 160 Personen verletzt.

Die Ukraine hat deswegen mit Unterstützung von mehr als 30 Ländern eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats einberufen, der am Freitagabend (Ortszeit) in New York tagte.

Vereinte Nationen verurteilen Russlands Angriffe auf die Ukraine aufs Schärfste

Mohamed Khiari, Unter-Generalsekretär für Nahost und Asien der Vereinten Nationen, sagte: „Bedauerlicherweise waren die heutigen entsetzlichen Angriffe nur die jüngsten in einer Reihe eskalierender Attacken Russlands.“ Er verurteilte die Angriffe des Vortages „unmissverständlich und aufs Schärfste“.

Nichts mehr wie zuvor - ein außenpolitischer Rückblick

Januar: Geschichte ist zuerst immer Tragödie, danach nur Farce. Die Gefolgschaft des geschassten brasilianischen Präsidenten Bolsonaro versucht eine Kopie des Trump-Putsches 2021, stürmt die Hauptstadt Brasilia und scheitert kläglich. Aber man sieht mal wieder die Prachtbauten Oscar Niemeyers. rut/Bild:Sergio Lima/AFP
Januar: Geschichte ist zuerst immer Tragödie, danach nur Farce. Die Gefolgschaft des geschassten brasilianischen Präsidenten Bolsonaro versucht eine Kopie des Trump-Putsches 2021, stürmt die Hauptstadt Brasilia und scheitert kläglich. Aber man sieht mal wieder die Prachtbauten Oscar Niemeyers.  © AFP
Seit April: Finnland ist das 31. Mitglied der Nato – Putin und seiner Invasion der Ukraine sei’s gedankt. Damit beendet Helsinki seine Neutralität und wird westlich. Die finnische Marine läuft dann im November zum „Freezing Winds“-Manöver mit ihren neuen Kameradinnen und Kameraden in die Ostsee aus. rut/Bild: Imago Images
Seit April: Finnland ist das 31. Mitglied der Nato – Putin und seiner Invasion der Ukraine sei’s gedankt. Damit beendet Helsinki seine Neutralität und wird westlich. Die finnische Marine läuft dann im November zum „Freezing Winds“-Manöver mit ihren neuen Kameradinnen und Kameraden in die Ostsee aus.  © IMAGO/Lehtikuva
Mai: So stellt sich Recep Tayyip Erdogan die Zukunft der muslimischen Welt vor – Somalis feiern die Wiederwahl des türkischen Präsidenten. Merke: Die Freudenfeiern in Mogadischu hat die somalische Regierung organisiert. Erdogan kann nun an seiner „osmanischen“ Renaissance weiterarbeiten. rut/Bild: Hassan Ali Elmi/AFP
Mai: So stellt sich Recep Tayyip Erdogan die Zukunft der muslimischen Welt vor – Somalis feiern die Wiederwahl des türkischen Präsidenten. Merke: Die Freudenfeiern in Mogadischu hat die somalische Regierung organisiert. Erdogan kann nun an seiner „osmanischen“ Renaissance weiterarbeiten.  © AFP
Juni: Söldnerunternehmer Jewgenij Prigoschin will seine „Loyalität zu Putin“ bekunden und inszeniert einen Putsch seiner „Wagner“-Truppe. Im letzten Augenblick wird er ins Exil nach Belarus abgelenkt. Im August stürzt er mit einem Flugzeug ab, seitdem verehrt man in Moskau sein Andenken. rut/Bild: NATALIA KOLESNIKOVA/AFP
Juni: Söldnerunternehmer Jewgenij Prigoschin will seine „Loyalität zu Putin“ bekunden und inszeniert einen Putsch seiner „Wagner“-Truppe. Im letzten Augenblick wird er ins Exil nach Belarus abgelenkt. Im August stürzt er mit einem Flugzeug ab, seitdem verehrt man in Moskau sein Andenken.  © AFP
August: Die Freude in Gabun ist riesig, als das Militär die Herrscherdynastie Bongo nach fast 56 Jahren an der Macht endlich wegputscht. Vor Gabun wurde im Niger geputscht, davor in Mali, davor in der Zentralafrikanischen Republik. Besser wird das Leben unter den neuen Mächtigen in Tarnfarben aber nicht. rut/Bild: Afp
August: Die Freude in Gabun ist riesig, als das Militär die Herrscherdynastie Bongo nach fast 56 Jahren an der Macht endlich wegputscht. Vor Gabun wurde im Niger geputscht, davor in Mali, davor in der Zentralafrikanischen Republik. Besser wird das Leben unter den neuen Mächtigen in Tarnfarben aber nicht.  © AFP
September: Die prekäre Lage der armenischen Enklave Berg-Karabach in Aserbaidschan endet innerhalb eines Tages mit Waffengewalt. Nach dem Sieg der Aseris im „Drohnenkrieg“ im September 2020 war das fast schon zu erwarten. Die 120 000 dort Ansässigen ergreifen die Flucht nach Armenien. rut/bild: ALAIN JOCARD/AFP
September: Die prekäre Lage der armenischen Enklave Berg-Karabach in Aserbaidschan endet innerhalb eines Tages mit Waffengewalt. Nach dem Sieg der Aseris im „Drohnenkrieg“ im September 2020 war das fast schon zu erwarten. Die 120 000 dort Ansässigen ergreifen die Flucht nach Armenien.  © AFP
Seit Oktober: Israelische Reservistinnen und Soldaten, Frauen und Männer nehmen am 7. November, einen Monat nach den Angriffen der Terrororganisation Hamas auf den Süden des Landes, an einer von Kerzen beschienenen Mahnwache auf dem Kikar Dizengoff in Tel Aviv teil. Die Massaker, bei denen um die 1200 Menschen getötet wurden, versetzen das Land in einen Schockzustand, von dem es sich nur langsam löst. Während man sich weitestgehend einig ist, dass die Hamas nicht mehr länger hingenommen werden kann, melden sich auch immer mehr Stimmen, die der Regierung Netanjahu Versagen aus eigenem Interesse vorwerfen. rut/Bild: JACK GUEZ/AFP
Seit Oktober: Israelische Reservistinnen und Soldaten, Frauen und Männer nehmen am 7. November, einen Monat nach den Angriffen der Terrororganisation Hamas auf den Süden des Landes, an einer von Kerzen beschienenen Mahnwache auf dem Kikar Dizengoff in Tel Aviv teil. Die Massaker, bei denen um die 1200 Menschen getötet wurden, versetzen das Land in einen Schockzustand, von dem es sich nur langsam löst. Während man sich weitestgehend einig ist, dass die Hamas nicht mehr länger hingenommen werden kann, melden sich auch immer mehr Stimmen, die der Regierung Netanjahu Versagen aus eigenem Interesse vorwerfen.  © AFP
Dezember: Nikki Haley mag so chancenlos wie die ganze republikanische Konkurrenz Donald Trumps sein. Aber wenigstens stellt die einzige Frau im Verfolgerfeld – ehedem UN-Botschafterin von Trumps Gnaden – sich klar gegen den Mann, der für seinen Wahlsieg 2024 schon eine Diktatur angekündigt hat. rut/bild:Sophie Park/AFP
Dezember: Nikki Haley mag so chancenlos wie die ganze republikanische Konkurrenz Donald Trumps sein. Aber wenigstens stellt die einzige Frau im Verfolgerfeld – ehedem UN-Botschafterin von Trumps Gnaden – sich klar gegen den Mann, der für seinen Wahlsieg 2024 schon eine Diktatur angekündigt hat.  © Getty Images via AFP

Wassili Nebensja, der russische UN-Botschafter, machte die ukrainische Verteidigungsstrategie für den hohen Schaden verantwortlich. Das Problem sei, dass die Luftverteidigungssysteme in Wohngebieten aufgestellt worden seien. „Würden die ukrainischen Luftverteidigungssysteme nicht eingesetzt, hätte es überhaupt keine Opfer unter der Zivilbevölkerung gegeben“, sagte er.

Polen leitet nach Vorfall Untersuchung ein – Russische Rakete verletzte Luftraum des Nato-Mitglieds

Die Luftangriffe seien zum Teil durch polnisches Gebiet geflogen worden, wie Krzysztof Szczerski, Polens UN-Botschafter, erklärte: „Wir haben einen ernsten Vorfall einer Verletzung des polnischen Luftraums durch eine russische Rakete registriert. Der Vorfall wird nun vom polnischen Militär und den zuständigen Sicherheitsdiensten untersucht.“

Bei den russischen Luftangriffen auf die Ukraine in der Nacht zum Freitag soll es sich um die schwersten seit Kriegsbeginn gehandelt haben.

Laut einem Bericht des ukrainischen Generalstabs sind neben den Luftangriffen auch Sturmangriffe am Boden durch russische Truppen ausgeführt worden. Sie trafen den Osten und den Süden des Landes. Noch an Heiligabend wurden Berichte publik, wonach Russland seine Luftangriffe reduzieren werde. Als Grund dafür wurde der Verlust von drei Kampfjets ausgemacht.

Russland meldet ukrainischen Angriff auf Belgorod

Am Samstag hat die russische Grenzregion Belgorod einen größeren ukrainischen Angriff vermeldet. Durch den Beschuss des Zentrums der gleichnamigen Gebietshauptstadt Belgorod seien zwölf Erwachsene und zwei Kinder getötet worden, teilte Russlands Zivilschutzbehörde auf Telegram mit. Weitere 108 Menschen, unter ihnen 15 Kinder, seien verletzt worden. Unabhängig überprüft werden konnten die Angaben zunächst nicht. Aus Kiew gab es zunächst keine offizielle Reaktion.

Das russische Verteidigungsministerium hat mit „Bestrafung“ gedroht – und ebenfalls eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. (Mit Agenturmeldungen von dpa und AFP)

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