Jahrestag

80 Jahre D-Day: Macron setzt Zeichen mit Ausladung russischer Delegation

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (l) umarmt Achille Muller, den letzten Überlebenden der Freien Französischen Streitkräfte. Foto: Benoit Tessier/Reuters Pool/AP/dpa.
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In Frankreich demonstriert der Westen Einigkeit. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kommt zur Feier in der Normandie. Die Bedrohung durch Russland steht im Fokus.

In der Normandie kommt es am 80. Jahrestag des D-Day zu einer neuen Invasion: Hunderttausend pilgern an diesem Donnerstag an Landungsstrände wie Omaha Beach, wo noch heute Betonspuren von der alliierten Invasion zeugen.

Auch sonst ist das Dekor imposant: 43 000 Polizei- und Ordnungskräfte sind aufgeboten, um in erster Linie 25 Staats- und Regierungsspitzen abzuschirmen. US-Präsident Joe Biden (81) ist schon am Mittwoch eingetroffen. Der britische König Charles III. wird trotz seiner Krebsdiagnose dabei sein, sich aber bei der Hauptzeremonie durch seinen Sohn William vertreten lassen.

Die wenigen D-Day-Überlebenden sind zwischen 94 und 107 Jahre alt

Von den D-Day-Überlebenden dürften noch 200 dabei sein. Sie sind zwischen 94 und 107 Jahre alt und trafen zumeist in Rollstühlen ein. Der kanadische Veteran William Cameron (100) war am Vortag seiner Anreise verstorben. Beim nächsten runden Gedenktag wird vielleicht kein Landungs-Veteran mehr präsent sein – das symbolisiert auch, dass der Schutz Westeuropas durch die USA keine Selbstverständlichkeit ist.

Umso entschlossener dürfte Biden auf dem US-Soldatenfriedhof in Colleville die westliche Geschlossenheit im Kampf für Demokratie und Frieden hervorheben – und sich damit auch gegen seinen Präsidentschaftsrivalen Donald Trump abheben. Mit von der Partie ist auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dessen Land Opfer der russischen Aggression ist. Er wird in Gesprächen versuchen, die vielfach bekräftigte Solidarität des Westens in konkrete Hilfszusagen umzumünzen. Biden wird Selenskyj zweimal treffen, einmal in der Normandie und Mitte Monat beim G7-Gipfel in Italien. Vergangene Woche hatte die US-Regierung bereits ukrainische Angriffe auf russischen Boden erlaubt, wenn von dort aus Städte wie Charkiw bombardiert werden. Ob Kiew bereits danach handelt, wollte Bidens Sicherheitsberater Jake Sullivan am Mittwoch nicht bestätigen.

Kanzler Olaf Scholz wird am D-Day wie schon Angela Merkel Zurückhaltung üben

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versucht derweil, EU-Staaten für die Entsendung von Personal zur militärischen Ausbildung zu gewinnen. Er muss allerdings bei Selenskyjs Frankreich-Visite noch beweisen, dass seine Entschlossenheit nicht nur eine rhetorische ist: In Sachen Rüstungshilfe liegt Frankreich relativ gesehen weit zurück. Deutschland hat eine bessere Bilanz; Kanzler Olaf Scholz wird aber in der Normandie wie schon seine Vorgängerin Angela Merkel eine gewisse Zurückhaltung üben, da Deutschland 1944 nicht zu den Alliierten gehört hatte.

Die Installation „Standing with Giants“ in der britischen Gedenkstätte in der Normandie. Foto: Jane Barlow/PA Wire/dpa.

Ein Name fehlt in der Gästeliste: Wladimir Putin. Eine Einladung an den russischen Präsidenten, den Hauptverantwortlichen des brutalen Angriffs auf die Ukraine, hatte nie zur Debatte gestanden. Macron zögerte lange, ob er stattdessen eine „diplomatische“ russische Delegation einladen wollte. Russland hatte 1944 an der Ostfront erst die Zangenbewegung gegen die Wehrmacht ermöglicht. Deshalb sollen einige in der Normandie gefallenen Russen an ihren Gräbern geehrt werden. Meist handelt es sich um Mitstreiter der Résistance.

Macron sah aber von einer Einladung ab, um ein Zeichen zu setzen: Russland muss zuerst wieder die internationale Gemeinschaft achten.

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