Ukrainischer Präsident

Wolodymyr Selenskyj: Präsident der Ukraine war einst TV-Star

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Wolodymyr Selenskyj ist seit 2019 Präsident der Ukraine. Berühmt wurde er als TV-Star. Weltweit bekannt wurde er während des Ukraine-Kriegs.

Kiew – Nach nicht einmal drei Jahren Amtszeit als ukrainisches Staatsoberhaupt ist Wolodymyr Selenskyj zu der wohl größten Heldenfigur seines Landes geworden. Während er zuvor noch als Comedian und Gewinner einer Tanzshow im Fernsehen für Applaus und einige Lacher sorgte, ist von seinem Witz und seiner Leichtigkeit nichts geblieben. Denn im Ukraine-Krieg hat Selenskyj nach dem Angriff russischer Truppen zum Widerstand aufgerufen. Er zeigt sich seither tapfer, entschlossen und mit ernster Miene.

Vollständiger NameWolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj
Amtsantritt als Präsident der Ukraine20.05.2019
Geburtstag25.01.1978
GeburtsortKriwoi Rog

Selenskyj meldete sich seit Beginn der Angriffe Russlands regelmäßig per Videobotschaft und appellierte an die Menschen in der Ukraine, für die Freiheit ihres Landes einzutreten und zu kämpfen. Es sind die wohl größten Herausforderungen, die der 1978 geborene Ukrainer in seiner bislang sehr kurzen politischen Karriere gegenüberstand. Ein Überblick, was man zu Selenskyj wissen muss.

Wolodymyr Selenskyj seit 2019 Präsident der Ukraine – er galt als Hoffnungsträger

Politiker ist Wolodymyr Selenskyj erst seit dem 20. Mai 2019. An diesem Tag wurde er als Präsident der Ukraine gewählt. Er setzte sich mit 73,2 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Petro Poroschenko durch, die ehemalige Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko war bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden.

Sein Wahlsieg lässt sich auch dadurch erklären, dass die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler in der Ukraine offenbar zutiefst unzufrieden mit der Arbeit Poroschenkos waren. Poroschenko wird vor allem zur Last gelegt, dass sich die Lebensverhältnisse in dem osteuropäischen Land trotz seiner Versprechungen in den vergangenen Jahren nicht verbessert haben. So sind Reformschritte zu selten im Alltag angekommen, zu oft wurden sie auch durch Korruptionsaffären im engsten Umfeld Poroschenkos zunichtegemacht.

Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion. Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland.
Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion.  © Ukrainian Presidents Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj
Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland. © Imago
Selenskyj kandidiert in der Ukraine
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig.  © dpa
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig. Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland.
Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland. © Alexander Gusev/Imago
Seit 2003 ist Selenskyj mit Olena Wolodymyriwna Kijaschko verheiratet. Sie gingen auf dieselbe Schule, lernten sich aber erst während ihres Studiums des Bauingenieurwesens an der Universität in ihrer Heimatstadt Krywyj Rih kennen. Das Paar hat zwei Kinder, Tochter Oleksandra (geboren 2004) und Sohn Kyrylo (geboren 2013). Im Dezember 2019 landete Olena Selenska auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Ukraine auf Platz 30. Nummer eins war ihr Ehemann.
Seit 2003 ist Selenskyj mit Olena Wolodymyriwna Kijaschko verheiratet. Sie gingen auf dieselbe Schule, lernten sich aber erst während des Studiums an der Universität in ihrer Heimatstadt Krywyj Rih kennen.  © Vadim Ghirda/dpa
Stichwahl um Präsidentenamt in der Ukraine
Das Paar hat zwei Kinder, Tochter Oleksandra (geboren 2004) und Sohn Kyrylo (geboren 2013). Im Dezember 2019 landete Olena Selenska auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Ukraine auf Platz 30. Nummer eins war ihr Ehemann. © dpa
Arte - Diener des Volkes
Mit Politik hatte Selenskyj lange nichts am Hut. Dann legte eine populäre Fernsehserie den Grundstein für seinen politischen Durchbruch. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“, die im April 2022 auch auf Arte lief, trat Selenskyj 2015 als Geschichtslehrer auf. © Arte/dpa
Mit Politik hatte Selenskyj lange nichts am Hut. Dann legte eine populäre Fernsehserie den Grundstein für seinen politischen Durchbruch. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“, die im April 2022 auch auf Arte lief, trat Selenskyj 2015 als Geschichtslehrer auf. Von der Korruption in der ukrainischen Politik angewidert, stürzt sich seine Figur in den Wahlkampf und wird zum Präsidenten gewählt. Selenskyj nahm sich das Drehbuch zum Vorbild und verkündete am Silvesterabend 2018 seine Kandidatur für die Wahl Präsidentschaftswahl.
Von der Korruption in der ukrainischen Politik angewidert, stürzt sich seine Figur in den Wahlkampf und wird zum Präsidenten gewählt. Selenskyj nahm sich das Drehbuch zum Vorbild und verkündete am Silvesterabend 2018 seine Kandidatur für die Wahl Präsidentschaftswahl.  © Arte/dpa
Vereidigung von Selenskyj als neuer Präsident der Ukraine
Die Unzufriedenheit mit dem damaligen Staatschef Petro Poroschenko verhalf Selenskyj zum Sieg. Am 20. Mai 2019 trat er das Amt des ukrainischen Präsidenten an. Er erhielt zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland, so zum Beispiel von Donald Trump, Emmanuel Macron oder Justin Trudeau. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach ihm ihre Glückwünsche aus und lud ihn nach Berlin ein.  © Evgeniy Maloletka/dpa
Die Unzufriedenheit mit dem damaligen Staatschef Petro Poroschenko verhalf Selenskyj zum Sieg. Am 20. Mai 2019 trat er das Amt des ukrainischen Präsidenten an. Er erhielt zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland, so zum Beispiel von Donald Trump, Emmanuel Macron oder Justin Trudeau. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach ihm ihre Glückwünsche aus und lud ihn nach Berlin ein. Anders fiel die Reaktion in Russland aus. Von Ministerpräsident Dmitri Medwedew erhielt er herablassende Ratschläge, für eine Gratulation sei es dagegen „zu früh“. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau.
Anders fiel die Reaktion in Russland aus. Von Ministerpräsident Dmitri Medwedew erhielt er herablassende Ratschläge, für eine Gratulation sei es dagegen „zu früh“. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau. © Wolfgang Kumm/dpa
Vor der Wahl hatte Selenskyj seinen Vorgänger Petro Poroschenko dafür kritisiert, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu unterhalten. Als im Oktober 2021 dann aber die Pandora Papers veröffentlicht wurden, stellte sich heraus, dass auch Selenskyj selbst Anteile an einer solchen Firma auf den britischen Jungferninseln besessen hatte. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab. Steueroasen sind in der Ukraine nicht illegal.
Vor der Wahl hatte Selenskyj seinen Vorgänger Petro Poroschenko dafür kritisiert, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu unterhalten. Diese sind in der Ukraine allerdings nicht illegal. © Sergei Chuzavkov/afp
Bitter End Yacht Club auf Virgin Gorda auf den Britischen Jungferninseln
Als im Oktober 2021 dann aber die Pandora Papers veröffentlicht wurden, stellte sich heraus, dass auch Selenskyj selbst Anteile an einer solchen Firma auf den britischen Jungferninseln besessen hatte. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab.  © Imago
Selenskyj
Selenskyj war der erste Präsident in der Geschichte der Ukraine, der eine konfrontative Politik gegenüber Oligarchen führte. Unter anderem gründete er einen Nationalen Sicherheitsrat, der Sanktionen gegen Oligarchen verhängen kann. © Evgen Kotenko/Imago
Selenskyj war der erste Präsident in der Geschichte der Ukraine, der eine konfrontative Politik gegenüber Oligarchen führte. Unter anderem gründete er einen Nationalen Sicherheitsrat, der Sanktionen gegen Oligarchen verhängen kann – und dies zum Beispiel gegen Wiktor Medwedtschuk tat. Der wies alle Anschuldigungen zurück. Die Sanktionen froren seine Vermögenswerte ein und hinderten ihn daran, Geschäfte in der Ukraine zu tätigen. Medwedtschuk, der aufgrund einer Anklage wegen Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte im Februar 2022 unter. Im April 2022 wurde er vom Inlandsgeheimdienst festgenommen und im September 2022 bei einem Gefangenenaustausch Russland übergeben.
Er setzte das Mittel zum Beispiel gegen Wiktor Medwedtschuk ein. Der wies alle Anschuldigungen zurück. Die Sanktionen froren seine Vermögenswerte ein und hinderten ihn daran, Geschäfte in der Ukraine zu tätigen. Medwedtschuk, der aufgrund einer Anklage wegen Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte im Februar 2022 unter. Im April 2022 wurde er vom Inlandsgeheimdienst festgenommen und im September 2022 bei einem Gefangenenaustausch Russland übergeben. © Instagram Account of Volodymyr Zelensky/afp
Schon früh in seiner Amtszeit musste sich Selenskyj mit den Wünschen und Forderungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen. So soll Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am 25. Juli 2019 aufgefordert haben, als Gegenleistung für Militärhilfe in Höhe von fast 400 Millionen Dollar Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps möglichen Gegenspieler bei der US-Wahl 2020, einzuleiten. Biden soll einst als US-Vizepräsident die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts veranlasst haben, um seinen Sohn Hunter Biden, der bei einem ukrainischen Erdgaskonzern tätig war, vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Das Telefonat, das im August 2020 bekannt wurde, löste in den USA später die „Ukraine-Affäre“ aus.
Schon früh in seiner Amtszeit musste sich Selenskyj mit den Wünschen und Forderungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen. So soll Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am 25. Juli 2019 aufgefordert haben, als Gegenleistung für Militärhilfe in Höhe von fast 400 Millionen Dollar Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps möglichen Gegenspieler bei der US-Wahl 2020, einzuleiten.  © Saul Loeb/afp
Joe Biden Hunter
Biden soll einst als US-Vizepräsident die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts veranlasst haben, um seinen Sohn Hunter Biden (hinten), der bei einem ukrainischen Erdgaskonzern tätig war, vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Das Telefonat, das im August 2020 bekannt wurde, löste in den USA später die „Ukraine-Affäre“ aus. © Imago
Selenskyjs Amtszeit wurde von Beginn an vom Verhältnis zu Russland überschattet. Schon in seiner Antrittsrede bezeichnete Selenskyj die Beendigung des Krieges im Donbass als seine vorrangige Aufgabe. Während des Ukraine-EU-Gipfels im Juli 2019 in Kiew schlug Selenskyj in einer Videobotschaft an Wladimir Putin direkte Gespräche in der belarussischen Hauptstadt Minsk vor. Daran sollten nach Selenskyjs Plan auch US-Präsident Donald Trump, die britische Regierungschefin Theresa May, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am 11. Juli 2019 kam es immerhin zu einem ersten Telefongespräch zwischen Selenskyj und Putin.
Selenskyjs Amtszeit wurde von Beginn an vom Verhältnis zu Russland überschattet. Schon in seiner Antrittsrede bezeichnete Selenskyj die Beendigung des Krieges im Donbass als seine vorrangige Aufgabe. Während des Ukraine-EU-Gipfels im Juli 2019 in Kiew schlug Selenskyj in einer Videobotschaft an Wladimir Putin direkte Gespräche in der belarussischen Hauptstadt Minsk vor. © Ukraine Presidential Press Service/afp
Nach der Präsidentenwahl in der Ukraine
Daran sollten nach Selenskyjs Plan auch US-Präsident Donald Trump, die britische Regierungschefin Theresa May, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am 11. Juli 2019 kam es immerhin zu einem ersten Telefongespräch zwischen Selenskyj und Putin. © dpa
Trump, Macron, Selenskyj - Paris
Die Gespräche führten zu einem kurzfristigen Waffenstillstand in der Ostukraine, einem Gefangenenaustausch sowie zu einem Truppenrückzug in drei Gebieten an einer Demarkationslinie bis Ende März 2020. Es war das einzige Mal, dass Selenskyj mit Putin zusammentraf.  © Lafargue Raphael/Imago
Am 9. Dezember 2019 in Paris nahm Selenskyj an Verhandlungen im Normandie-Format teil, an denen der französische Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beteiligt waren. Die Gespräche führten zu einem kurzfristigen Waffenstillstand in der Ostukraine, einem Gefangenenaustausch sowie zu einem Truppenrückzug in drei Gebieten an einer Demarkationslinie bis Ende März 2020. Es war das einzige Mal, das Selenskyj mit Putin zusammentraf.
Am 9. Dezember 2019 in Paris nahm Selenskyj an Verhandlungen im Normandie-Format teil, an denen der französische Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beteiligt waren.  © Charles Platiau/afp
Selenskyj
Alle Bemühungen um einen Frieden nützten aber nichts. Im Lauf des Jahres 2021 verschärfte sich die Situation weiter. Immer häufiger besuchte Selenskyj (Mitte) Militärübungen der ukrainischen Armee, so auch am 16. Februar 2022 in der Stadt Riwne. © Imago
Alle Bemühungen um einen Frieden nützten aber nichts. Im Lauf des Jahres 2021 verschärfte sich die Situation immer weiter. Am 23. Februar 2022 versuchte Selenskyj noch einmal in einer Ansprache, den drohenden Krieg abzuwenden. Darin wendete er sich vor allem an die Menschen in Russland: „Wenn wir angegriffen werden, wenn man unser Land, unsere Freiheit, unser Leben und das Leben unserer Kinder zu nehmen versucht, werden wir uns verteidigen“, sagte Selenskyj auf Russisch. Es war das vorerst letzte Mal, dass man Selenskyj glatt rasiert und mit Anzug und Krawatte sah.
Am 23. Februar 2022 versuchte Selenskyj noch einmal in einer Ansprache, den drohenden Krieg abzuwenden. Darin wendete er sich vor allem an die Menschen in Russland: „Wenn wir angegriffen werden, wenn man unser Land, unsere Freiheit, unser Leben und das Leben unserer Kinder zu nehmen versucht, werden wir uns verteidigen“, sagte Selenskyj auf Russisch. Es war das vorerst letzte Mal, dass man Selenskyj glatt rasiert und mit Anzug und Krawatte sah.  © Ukrainian Presidents Office/Imago
In der Nacht zum 24. Februar begann der russische Angriff auf die Ukraine. In Kiew kam es zu den ersten Krisensitzungen. Acht Jahre nach der Krim-Annexion eskalierte der Ukraine-Krieg.
In der Nacht zum 24. Februar 2022 begann der russische Angriff auf die Ukraine. In Kiew kam es zu den ersten Krisensitzungen. Acht Jahre nach der Krim-Annexion im März 2014 eskalierte der Ukraine-Krieg.  © Imago
London, United Kingdom
Im Westen war die Solidarität mit der überfallenen Ukraine groß. Der Regierungssitz im Vereinigten Königreich leuchtete in den ukrainischen Farben.  © Hesther Ng/Imago
In der Nacht zum 24. Februar begann der russische Angriff auf die Ukraine. Danach sollen die USA Selenskyj angeboten haben, ihm bei der Flucht zu helfen. Selenskyj lehnte an, er und seine Regierung blieben in Kiew, auch als russische Truppen auf die Hauptstadt vorrückten. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete Selenskyjs Antwort: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Seitdem ist er zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden.
Die USA sollen Selenskyj angeboten haben, ihm bei der Flucht zu helfen. Selenskyj lehnte an, er und seine Regierung blieben in Kiew, auch als russische Truppen auf die Hauptstadt vorrückten. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete Selenskyjs Antwort: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Seitdem ist er zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden. © Ukraine Presidency/afp

Zum Wahlsieg Selenskyjs beigetragen hat aber auch, dass er für viele Ukrainerinnen und Ukrainer ein Hoffnungsträger war. Fehlende Erfahrung und eine leicht verständliche Sprache haben seinen Außenseiterbonus und sein Image, ein einfacher Mann aus dem Volk zu sein, offenbar gestärkt.

Dennoch gab es auch immer wieder Kritik an Selenskyj. Denn viele seiner Landsleute waren vor dem Krieg nicht sehr zufrieden mit dem Präsidenten der Ukraine. Sein Versprechen, den Konflikt in der Ukraine zu beenden, konnte er nicht halten. Zudem blieben auch Fortschritte im Hinblick auf das Minsker Abkommen aus. Auch in den Skandal um die Pandora-Papers soll Selenskyj verwickelt sein. So soll Selenskyj eine Briefkastenfirma in einer Steueroase unterhalten haben, wie Recherchen von investigativen Journalistinnen und Journalisten zeigten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigt sich seit Kriegsausbruch stets in tarnfarbenden Klamotten. (Archivfoto)

Wolodymyr Selenskyj: Präsident der Ukraine machte zuvor als TV-Star Karriere

Bekanntheit erlangte Selenskyj zuvor als Schauspieler. In der Fernsehserie „Diener des Volkes“ spielte er einen Geschichtslehrer, der unfreiwillig zum ukrainischen Präsidenten gewählt wird und sich einem aussichtslosen Kampf gegen die Oligarchen des Landes stellen muss. Seine schauspielerische Rolle ist 2019 also zum Teil tatsächlich Wirklichkeit geworden – obwohl Selenskyj sich freiwillig zur Wahl stellte. Passend dazu wurde auch seine Partei benannt. Sie trägt, wie die Serie, den Namen „Diener des Volkes“. Neben seinem schauspielerischen Talent ist Selenskyj aber auch ein begnadeter Tänzer. 2006 nahm er an der ukrainischen Version von „Let‘s Dance“ teil – und gewann die Tanz-Show.

Studiert hat Selenskyj übrigens Rechtswissenschaften. Als Jurist hat er jedoch nie gearbeitet. Neben seinem Job als Schauspieler war er auch als Kabarettist, Synchronsprecher, Drehbuchautor, Fernsehmoderator und Filmproduzent tätig. 2003 gründete er zudem das Filmstudio „Студия Квартал-95“ (Studija Kwartal-95).

Berufliche Stationen von Wolodymyr Selenskyj:

  • Schauspieler
  • Kabarettist
  • Synchronsprecher
  • Drehbuchautor
  • Fernsehmoderator
  • Filmproduzent
  • Tänzer

Ukraine: Vater, Ehemann, Komiker – Präsident Wolodymyr Selenskyj privat

Wolodymyr Selenskyj ist seit 2003 mit Olena Selenska (geborene Kijaschko) verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder – Aleksandra und Kiril. Selenskyj selbst wurde am 25. Januar 1978 in der Industriestadt Kriwoi Rog im Südosten der Ukraine, die damals noch sowjetisch war, geboren.

Er wuchs in einer russischsprachigen, jüdischen Familie auf. Sein Vater ist ehemaliger Kybernetik-Professor, seine Mutter Ingenieurin. Drei Mitglieder seiner Familie starben im Holocaust während des Zweiten Weltkriegs.

Selenskyj wird zum internationalen Helden – seine Rolle im Ukraine-Konflikt

Am 24. Februar 2022 marschierte Russland in die Ukraine ein. Den Befehl für den Angriff hatte der russische Präsident Wladimir Putin gegeben. Russische Panzer, Explosionen und Raketenangriffe wurden für die Menschen in der Ukraine an diesem Tag neuer Alltag. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer flüchteten, harrten in Luftschutzbunkern aus oder griffen sogar selbst zur Waffe, um ihr Land zu verteidigen. Mittendrin: Wolodymyr Selenskyj.

In kurzen Videos, die er auf seinem Instagram-Kanal „zelenskiy_official“ postete, gab er Updates aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew. In den kurzen Botschaften an sein Volk rief er dazu auf, für die Freiheit der Ukraine zu kämpfen. Mit seinen Ansprachen zeigte Selenskyj: Die Ukraine gibt nicht auf – sondern bleibt mutig, tapfer und entschlossen.

Auch international hat Selenskyj inzwischen immer mehr Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden – in vielen Ländern der Welt gingen Menschen auf die Straße, um ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine zu setzen.

Im Westen stehen auch viele Politikerinnen und Politiker hinter Selenskyj im Ukraine-Krieg. Mit harten, wirtschaftlichen Sanktionen – unter anderem gegen die russische Zentralbank – oder auch Waffenlieferungen versuchen Länder wie Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder auch die USA Druck auf Putin auszuüben. (nb)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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