Nach anfänglichen „Erfolgen“

Verluste für Wagner: Russisches Militär soll erschöpfte Söldner ablösen

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Geschwächte Wagner-Soldaten sollen durch russische Streitkräfte ersetzt werden.
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Einst bekannt als Putins „Schattenarmee“ rückt die Wagner-Gruppe mehr in den Vordergrund. Nach anfänglichen „Erfolgen“ sind die Söldner wohl nun am Limit.

Moskau – Im Ukraine-Krieg wächst der Einfluss der Wagner-Söldner. 50.000 Söldner im Ukraine-Krieg sind laut Angaben des US-Geheimdienstes im Einsatz. Putins Koch und Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, betonte immer wieder die militärischen Erfolge der Wagner-Gruppe. Auch bei den schweren Kämpfen um Bachmut sind die Söldner beteiligt. Doch jetzt scheinen ihre Kräfte nachzulassen. Erschöpfte Wagner-Soldaten in Bachmut sollen durch russische Streitkräfte ausgetauscht werden.

Verluste für Wagner: Russisches Militär soll wohl geschwächte Söldner in Bachmut ablösen

Seit der Einnahme Soledars hätten die Wagner-Gruppe keine nennenswerten Fortschritte gemacht, berichtet der US-amerikanische Thinktank Institute for the Study of War (ISW). Die Offensive in Bachmut sei ins Stocken geratene. Russische Streitkräfte sollen die Söldner deshalb militärisch verstärken. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums operieren russische Luftlandetruppen (WDW) bereits seit Anfang Januar im Gebiet von Bachmut. Dies ist nach ISW-Einschätzung ein weiteres Indiz dafür, dass staatliche, russische Kräfte die wohl geschwächten Wagner-Söldner in diesem Gebiet unterstützen, wenn nicht gar ersetzen sollen.

Das Institut schätzt zudem, dass die größere Offensive der russischen Armee in Bachmut noch nicht abgeschlossen ist und die russischen Einheiten den Kampf fortsetzen werden. Seit längerer Zeit versuchen die russischen Truppen Bachmut zu erobern. Serhij Grabskyj, Militäranalyst und früherer Oberst der ukrainischen Streitkräfte, glaubt, bei der Eroberung Bachmut gehe es um Geld. Der Kreml habe den Kämpfern für den Fall der Eroberung eine „signifikante finanzielle Belohnung“ versprochen. Trotz ständiger Angriffe konnten sie die Stadt jedoch bisher nicht einnehmen.

Verluste für Russland: Militär verliert viele Soldaten – auch Prigoschins Wagner-Gruppe ist betroffen

Doch die russischen Truppen wollen weiter in die Ukraine eindringen und nehmen dafür auch massive Verluste in Kauf. Russische Krematorien sprechen von einem Boom der Bestattungsindustrie, da die Zahl der gefallenen russischen Soldaten steigt. Aus Kiew heißt es, dass Russland täglich viele Soldaten verliert. Auch die Wagner-Gruppe ist betroffen – denn für seinen berüchtigten Aufstieg geht Wagner-Chef Prigoschin über Leichen und sendet seine Söldner als Kanonenfutter an die Front.

Ein anonymer US-Beamter erklärte laut dem britischen Guardian am 5. Januar, dass die Privatarmee des russischen Oligarchen Prigoschin mehr als 4100 Tote und 10.000 Verwundete zu beklagen habe – darunter über 1000 Tote zwischen Ende November und Anfang Dezember in der Nähe von Bachmut. Laut der russischen Aktivistin Olga Romanova seien nur noch 10.000 von 50.000 Söldnern am Leben. Bislang ließ sich diese Angaben nicht prüfen.

Einst Putins „Schattenarmee“ – Was ist bekannt über die Wagner-Söldner im Ukraine-Krieg?

Aufgrund der Nachschubprobleme versucht die Wagner-Gruppe auch Häftlinge zu rekrutieren. Unter den Kämpfern sollen auch Deutsche im Einsatz sein. Den Söldnern winkt nach einer sechsmonatigen Dienstzeit an der Kriegsfront die Freiheit. Doch ob dies ein guter Deal ist, wird zweifelhaft.

Zwar gibt es bislang wenig Informationen über den internen Umgang mit Wagner-Söldnern. Doch einige Ex-Wagner berichteten nach ihrer Flucht über ihre „schockierende“ Dienstzeit in Putins „Schattenarmee“. Bei den meisten Söldnern handelt es sich um Inhaftierte, die wegen schweren Verbrechens verurteilt wurden. Der wachsende Einfluss Prigoschins und seinen Söldnern könnte Kreml-Chef Wladimir Putin zum Problem werden.

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