VonFelix Busjaegerschließen
Wladimir Putins Ukraine-Krieg haben es deutlich gemacht: Deutschlands Luftabwehr ist unzureichend. Ein sogenannter Iron Dome soll helfen. Berlin setzt auf Arrow 3.
Berlin – Etwas mehr als 100 Sekunden würde es dauern, bis eine Mittelstreckenrakete aus Russland Ziele in Deutschland erreichen könnte. Während zu Zeiten des Kalten Kriegs eine solche Bedrohungslage zum Alltag der Menschen gehört hat und jederzeit mit einem atomaren Erstschlag gerechnet werden musste, spielte in der jüngsten Vergangenheit ein Ausbau der Luftverteidigung in Deutschland eher eine untergeordnete Rolle – auch andere Länder setzten ihre Prioritäten anderswo. Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs gilt ein Angriff aus der Luft auf die Bundesrepublik zwar weiter als unwahrscheinlich, dennoch soll mit Arrow 3 die Luftverteidigung aufgerüstet und ein Raketenschutzschild geschaffen werden.
Deutschland setzt auf Arrow 3: Luftabwehr soll ab 2025 gestärkt werden
Die Pläne, die deutsche Luftverteidigung mit Arrow 3 aufzurüsten, sind seit Mai konkret. Das Verteidigungsministerium plant mit einem Start ab 2025. Während der Kauf bereits im vergangenen August zwischen Israel und Deutschland beschlossen wurde, vermeldete Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Mai 2023 Fortschritte bei den Gesprächen. „Bei Arrow arbeiten wir auf Hochtouren an den Verhandlungen mit Israel über das Regierungsabkommen. Ich würde sagen, da sind wir kurz vorm Einbiegen in die Zielgerade.“ Der Politiker rechnet mit einem Vertragsabschluss in der kommenden Jahreshälfte.
Wie der Business Insider nun berichtet, soll der Kauf des Arrow-3-Systems knapp vier Milliarden Euro kosten und eine Finanzierung noch nicht gesichert sein. Dennoch ist klar: Deutschland bekommt mit dem Raketenabwehrsystem Arrow 3 einen „Iron Dome“. Die Vorteile des israelischen Systems liegen dabei auf der Hand und klingen in erster Instanz beinahe nach Science Fiction: Mit Abwehrraketen kann Arrow 3 ballistische Mittel- und Langstreckenraketen abzufangen – und das in einer Höhe von bis zu 100 Kilometern.
Verstärkung für Iris-T: Deutschlands Luftabwehr setzt auf Arrow-3-System
Nach Informationen des Business Insiders soll der Haushaltsausschuss des Bundestags in der kommenden Woche nun endgültig grünes Licht für Arrow 3 geben und über eine millionenschwere Vorlage abstimmen. Während das Arrow-3-System jetzt mit etwa vier Milliarden Euro zu Buche schlagen wird, stellt sich weiterhin die Frage nach der Finanzierung. Wie es in dem Bericht weiter heißt, könnte das Verteidigungsministerium die Differenz bei den Kosten, die anfangs auf etwa zwei Milliarden Euro geschätzt wurden, über Einsparungen bei anderen Rüstungsprojekten ausgleichen.
Um noch in diesem Jahr eine notwendige Vorauszahlung von knapp einer halben Milliarden Euro leisten zu können, will die Bundesregierung um Kanzler Olaf Scholz (SPD) offenbar den Haushaltsausschuss bitten, einer außerplanmäßigen Ausgabe zuzustimmen. Wenn anschließend alles nach Plan läuft, könnte Arrow 3 in Deutschland voraussichtlich ab 2025 eingesetzt werden.
Arrow 3 in Deutschland: Verstärkung für europäische Luftverteidigung
Die Funktionsweise des Raketensystems Arrow 3 basiert auf mehreren mobilen Startvorrichtungen, die mit einer mobilen Radarstation verbunden sind. Um die Luftverteidigung Deutschlands gezielt zu verstärken, könnte die Bundeswehr mehrere Abschussvorrichtungen strategisch über die Bundesrepublik verteilen, sodass ein sogenannter Iron Dome entstehen könnte. „Iron Dome“ ist aus technischer Sicht eigentlich falsch, da es sich bei dem Begriff strenggenommen um ein israelisches System handelt, das bodengestützt für die Abwehr von Raketen, Artillerie- und Mörsergranaten eingesetzt wird. Arrow 3 greift dieses Prinzip zwar auf, operiert allerdings gegen andere Ziele.
Arrow 3 in Deutschland könnte perspektivisch Teil eines europäischen Luftverteidigungssystems werden und auch aufgrund der Reichweite verbündete Nato-Staaten schützen. In Kombination mit dem deutschen System Iris-T und den bekannten Patriot-Systemen soll künftig eine leistungsfähige Luftabwehr über Deutschland geschaffen werden.
European Sky Shield: Deutschland sieht sich in Führungsrolle – Arrow 3 stärkt Luftabwehr
Die Stiftung Wissenschaft und Politik monierte Anfang 2023 in einem Bericht Deutschlands schwache Führungsrolle bei der europäischen Luftverteidigung und kritisierte die deutsche Haltung zum Thema, obwohl die Bundesrepublik mit der European Sky Shield Initiative eindeutig in die Führung bei der europäischen Luftabwehr gehen will. Vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs waren Bemühungen zum Ausbau einer leistungsfähigen Luftverteidigung nur mühsam vorangekommen und waren regelmäßig Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen. Kern der Kritik des Instituts war auch, dass in Deutschland eingesetzte Systeme (etwa Mantis oder Ozelot) nur bedingt gegen gegenwärtige Bedrohungen eingesetzt werden können.
Das Fazit im Januar 2023: „Gegenwärtig verfügt Deutschland über teils veraltete und zu wenige Systeme, um ausreichenden Schutz zu gewährleisten.“ Ein gemeinsamer Schutz im Sinne des European Sky Shields könnte so nur schwer möglich sein. Die Beschaffung von Arrow 3 wurde allerdings als effiziente Lösung eingestuft. Um den europäischen Kontinent vor ballistischen Luftangriffen zu schützen, betreiben die USA darüber hinaus im Rahmen der Nato-Mission Ballistic Missile Defence (BMD) das Aegis-Ashore-System in Rumänien und ab 2023 in Polen. (feb)
