Abschuss von Russland-Kampfjets in der Diskussion – „Tote Piloten würden Putin nicht umstimmen”
VonNadja Katz
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Kreml testet die NATO erneut mit Luftraumverletzungen. Die deutsche Politik zeigt sich gespalten über den Umgang mit Putins militärischen Provokationen.
Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Sara Nanni, sieht militärische Antworten skeptisch. Russland provoziere und teste das NATO-Bündnis auf seine militärische Klugheit und politische Handlungsfähigkeit, erklärte sie gegenüber dem Tagesspiegel. Darauf nun militärisch zu antworten, sei wenig effektiv und würde „gefährliche Dynamiken“ begünstigen.
Grünen-Politikerin zu möglicher NATO-Reaktion: „Zwei tote Piloten würden Putin nicht umstimmen“
„Zwei tote russische Piloten würden Putin nicht umstimmen, er lässt ja jede Woche Tausende Russen in der Ukraine für seinen Wahnsinn sterben“, so Nanni weiter. Gefragt sei stattdessen eine rasche Umsetzung politischer Maßnahmen, die Russland eher schmerzen würden. Dazu gehöre etwa, keine neuen Schengen-Visa für Russen auszustellen. Auch die Liquidierung der russischen Vermögenswerte sei dringlich.
Am 19. September 2025 drangen drei russische MiG-31-Kampfjets für zwölf Minuten unerlaubt in den estnischen Luftraum ein. Als Reaktion darauf beantragte Estland erstmals Beratungen nach Artikel 4 des NATO-Vertrags, der Konsultationen vorsieht, wenn ein Mitgliedsstaat seine territoriale Integrität bedroht sieht. Italienische F-35-Kampfjets, die im Rahmen der „Baltic Air Policing Mission“ in der Region stationiert sind, fingen die russischen Maschinen ab und eskortierten sie zurück zum Luftraum über der russischen Exklave Kaliningrad.
Russland-Kampfjets über Estland: Unionspolitiker fordert „klares Stoppschild“ gegenüber Putin
Estlands Außenminister Margus Tsahkna zeigte sich empört über die Dreistigkeit des Vorfalls. Russland habe in diesem Jahr bereits zum vierten Mal den estnischen Luftraum verletzt, was an sich schon inakzeptabel sei, erklärte er. Doch die aktuelle Verletzung, bei der drei Kampfjets in den Luftraum eingedrungen seien, sei „beispiellos dreist“. Parallel dazu meldete Polen, dass zwei russische Kampfjets im Tiefflug die Sicherheitszone der polnischen Bohrplattform Petrobaltic in der Ostsee verletzt hätten, wie unter anderem die Deutsche Welle berichtete.
Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, plädiert für ein „klares Stoppschild“ gegenüber dem Kreml: Wirkung werde nur eine klare Botschaft an Russland zeigen, dass jede militärische Grenzverletzung mit militärischen Mitteln beantwortet wird, so Hardt gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland(RND).
Russlands Kampfjets über NATO-Gebieten: CDU-Mann plädiert für Vorgehen wie Türkei 2015
Der CDU-Politiker warnte vor den Folgen einer schwachen Reaktion. Diese Provokationen und Tests Russlands würden nur enden, wenn sämtliche militärischen Grenzverletzungen klar beantwortet würden. Die Alternative wäre, dass die russische Kriegslogik immer weiter zündelt, warnte Hardt. Jetzt seien es Luftraumverletzungen, bald der Beschuss einzelner Ziele, dann kämen russische Soldaten.
Sein Parteikollege Roderich Kiesewetter verwies auf das Vorgehen der Türkei von 2015. NATO und EU sollten sich hieran ein Beispiel nehmen: Nach dem von der Türkei angekündigten Abschuss russischer Kampfflugzeuge bei erneuter Luftraumverletzung habe Russland dies erneut getestet und die Türkei habe konsequent abgeschossen. Europa verliere an Glaubwürdigkeit, wenn nicht konsequent gehandelt werde.
Putins Provokationen: Abschießen von Kampfjets wäre laut FDP-Politikerin die „Ultima Ratio“
Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses im EU-Parlament, zeigt sich zurückhaltend. Die Aufgabe der Luftwaffe sei es, das Eindringen feindlicher Flugzeuge in den Luftraum zu verhindern und diese Flugzeuge entsprechend abzudrängen, sagte Strack-Zimmermann dem Tagesspiegel. Ein Abschießen wäre die „Ultima Ratio“, der letzte Lösungsweg.
Strack-Zimmermann rechne zudem mit weiteren Provokationen Moskaus. Wladimir Putin werde alles tun, um die Gesellschaft in Angst und Schrecken zu versetzen, warnte sie. Man sollte sich nicht provozieren lassen und schnellstmöglich die Bundeswehr so ausstatten, dass sie ihrer Aufgabe in der NATO auch hundert Prozent nachkommen kann.
Russlands NATO-Provokationen: Von der Leyen kündigt weiteren Druck auf Putin an
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte derweil weiteren Druck auf Russland an. Europa stehe fest an der Seite Estlands, betonte sie. Man werde auf jede Provokation entschlossen reagieren und in eine stärkere Ostflanke investieren. Die Linkspartei verurteilte die militärische Eskalationspolitik Russlands gegenüber Estland und Polen in aller Deutlichkeit, bewertete die bisherige NATO-Reaktion jedoch als angemessen.
Die NATO berät Anfang der Woche über mögliche Verstärkungen der Luftüberwachung an der Ostflanke. Russland bestritt unterdessen die Vorwürfe der Luftraumverletzung und behauptete, alle Flüge seien regelkonform über internationalen Gewässern erfolgt. Die Spannungen verdeutlichen die zunehmende Herausforderung für die NATO, auf Russlands systematische Grenzüberschreitungen angemessen zu reagieren, ohne eine weitere Eskalation zu provozieren. Verwendete Quellen: Deutsche Welle, RND, Tagesspiegel, Tagesschau, WDR (nana)