Neue Provokation an der Ostflanke

„Beispiellos brutaler“ Vorfall: Russland-Kampfjets verletzen NATO-Luftraum – F-35 steigen auf

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Russische MiG-Kampfjets haben den Luftraum der NATO verletzt – in Estland und Polen. F-35-Kampfjets stiegen auf. Die Reaktionen sind scharf.

Tallinn – Am Freitag kam es offenbar erneut zu schwerwiegenden Verletzungen des NATO-Luftraums durch Russland. Drei russische MiG-31 Kampfjets hatten sich dabei mehrere Minuten lang ohne Genehmigung im Luftraum Estlands, eines NATO-Mitgliedstaates, aufgehalten. Die estnische Regierung hat umgehend diplomatische Schritte eingeleitet und fordert nun eine Verschärfung der Maßnahmen gegen Russland. Der Vorfall könnte als erneute Provokation Russlands gegenüber der NATO gewertet werden.

Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken

Nato-Übung „Arctic Defender 2024“
Die Nato ist das größte militärische Verteidigungsbündnis der Welt. Der Nordatlantikpakt („North Atlantic Treaty Organization“) soll die territoriale Souveränität der Mitgliedsstaaten sichern und im Kriegsfall verteidigen. Dafür gibt es die Beistandsklausel im Gründungsvertrag der Nato. Die Truppenstärke aller Nato-Länder zusammengerechnet umfasste 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 3,4 Millionen Soldaten und Soldatinnen.  © Kay Nietfeld/dpa
US-Armee Nato
Dem „Global Firepower Index“ zufolge stellen die USA mit rund 1,328 Millionen Soldatinnen und Soldaten die größte Nato-Truppe. Im Kampfeinsatz vertraut die US-Armee auch auf den Chinook-Hubschrauber. Der CH-47 ist bekannt für seine Fähigkeit, schweres Material und Personal in unwegsames Gelände zu transportieren. Im Bild ist eine gemeinsame Übung von Südkorea und den USA in Yeoncheon zu sehen. © Jung Yeon-Je/AFP
Militär Türkei
Das zweitgrößte Militär der Nato-Mitgliedstaaten kommt aus der Türkei (Truppenstärke: 355.200). Die Armee gilt als eine der stärksten der Welt. Anhand von mehr als 60 Einzelfaktoren analysieren die Fachleute von „Global Firepower Index“ die militärische Gesamtstärke der Armeen. Türkei, die seit 1952 Mitglied der Nato ist, belegt hier unter 145 Armeen den neunten Platz. © Tunahan Turhan/Imago
Polnische Armee
In der Nato-Rangliste der Truppenstärke liegt Polen auf Platz drei. Die polnischen Streitkräfte verfügen über 202.100 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte sind seit 2010 eine Berufsarmee und gliedern sich wie folgt: Heer, Marine, Luftwaffe, Spezialkräfte, Territorialverteidigung (Freiwilligenmiliz). © Radek Pietruszka/dpa
Frankreich Macron
Platz vier in der Nato-Rangliste belegt Frankreich (Truppenstärke: 200.000). Frankreich ist seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs die einzige Atommacht in der Europäischen Union. Der französische Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und die einzige Person, die einen nuklearen Angriff befehlen kann. Hier hält Präsident Emmanuel Macron (Mitte) eine Rede vor zwei Kampfjets vom Typ Dassault Mirage 2000 (links) und vom Typ Dassault Rafale (rechts). © Ludovic Marin/AFP
Britische Armee bei einer Übung in Finnland
Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs gliedern sich in drei Teilstreitkräfte und umfassen ungefähr 184.860 Soldatinnen und Soldaten. Bei einer Übung in der Nähe von Rovaniemi am Polarkreis testet die Armee hier die mobile Haubitze Archer.  © Ben Birchall/dpa
Pistorius-Besuch in Litauen
Auf Platz sechs in der Nato-Rangliste liegt die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeswehr umfasst das Heer, die Luftwaffe, die Marine, den Cyber- und Informationsraum, sowie den Unterstützungsbereich. Aktuell gibt es rund 181.600 aktive Soldatinnen und Soldaten in Uniform. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD, rechts) erlebt die Fähigkeiten eines Leopard-2-Panzers auch schon mal aus nächster Nähe. © Alexander Welscher/dpa
Tag der italienischen Streitkräfte 2021
Die italienische Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ fliegt am Tag der italienischen Streitkräfte über das Denkmal des Unbekannten Soldaten hinweg. Mit einer Truppenstärke von 165.500 Soldatinnen und Soldaten belegt Italien in der Nato-Rangliste den siebten Platz.  © Giuseppe Lami/dpa
Griechenland Militär
Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnenabwehrsysteme: Griechenland rüstet auf. Die Regierung will Milliarden investieren, um ihr Militär stärker zu machen als je zuvor. Aktuell verfügen die griechischen Streitkräfte (hier bei einer Militärparade in Athen) über eine Truppenstärke von 142.700 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Kostas Galanis/Imago
Luftlandeübung Swift Response
Noch eine weitere Armee der Nato verfügt über mehr als 100.000 aktive Soldatinnen und Soldaten: Spanien (Truppenstärke: 133.282). Allerdings ist das Land weit davon entfernt, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen: Mit knapp 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Spanien sogar Schlusslicht in der Nato.  © Kay Nietfeld/dpa
Air Police Übung der Nato in Rumänien
Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 der rumänischen Luftwaffe steht auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt in Borcea. Rumänien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz zehn (Truppenstärke: 81.300).  © Kathrin Lauer/dpa
Kanada - Snowbirds bei Flugtag
Kanada verfügt über rund 68.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. In Canadian Army, Royal Canadian Navy und Royal Canadian Air Force dienen nur Freiwillige. Die Kunstflugstaffel der Air Force ist unter dem Namen „Snowbirds“ bekannt. Die Schneevögel sind ein Symbol Kanadas. © Patrick Doyle/dpa
Ungarn Militär
Die H225M Caracal ist ein taktischer Mehrzweck- und Transporthubschrauber mit großer Reichweite. Benutzt wird er unter anderem von Ungarn (Truppenstärke: 41.600).  © Sergey Kohl/Imago
Abschluss der Nato-Übung Quadriga 2024
Niederländische Kräfte nehmen an der Quadriga-Übung 2024 teil. Die Niederlande liegt auf Platz 13 der Nato-Rangliste (Truppenstärke: 41.380). Die Regierung will die Stärke der nationalen Streitkräfte allerdings deutlich erhöhen. © Kay Nietfeld/dpa
Bulgarien Militär
Seit 2004 ist Bulgarien Nato-Mitglied. Die bulgarischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Marine, Luftstreitkräfte. Derzeit umfasst das Militär in Bulgarien etwa 37.000 Frauen und Männern. © Vassil Donev/dpa
Kriegsende-Gedenken - Tschechien
Flugzeuge hinterlassen am Himmel farbige Spuren in den Nationalfarben Tschechiens anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Tschechien verfügt über 28.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Kamaryt Michal/dpa
Belgische Kronprinzessin schwitzt beim Militär-Sommercamp
Die Streitkräfte aus Belgien untergliedern sich in Heer, Marine, Luftstreitkräfte und medizinisches Korps. Es gibt rein niederländisch- und rein französischsprachige Einheiten. Im Jahr 2022 trainierte auch die belgische Kronprinzessin Elisabeth (2. von rechts) in einem Bootcamp der Königlichen Militärschule ihre Führungsqualitäten. Belgien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz 16 (Truppenstärke: 25.000). © Erwin Ceupp/dpa
Schwedische Nato-Truppen in Lettland stationiert
Die schwedischen Streitkräfte bestehen aus den vier Teilstreitkräften: Heer, Marine, Luftstreitkräfte, Heimwehr. Seit dem 7. März 2024 ist Schweden (Truppenstärke: 24.400) das 32. Mitglied der Nato. © Alexander Welscher/dpa
80. Jahrestag der Schlacht von Arnheim
Fallschirmjäger aus acht Nato-Mitgliedsländern (Deutschland, Griechenland, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich und USA) springen hier zum Gedenken an den Jahrestag der Schlacht von Arnheim auf der Ginkelschen Heide ab. Portugals Truppenstärke beträgt 24.000 Frauen und Männer.  © Ben Birchall/dpa
Raketensschiff Pori der finnischen Marine
Das Raketensschiff Pori der finnischen Marine bricht vom Suomenlinna-Pier in Helsinki zur Nato-Operation „Enhanced Vigilance Activity“ in der Ostsee auf. Auch Finnland verfügt über 24.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Vesa Moilanen/dpa
Militärübung „Nordic Response“ in Norwegen
Norwegische Soldaten sitzen während der Militärübung „Nordic Response 24“ auf Schneemobilen. Die Streitkräfte bestehen aus dem Heer, der Marine, der Luftwaffe und der milizartig organisierten Heimwehr. Mit einer Truppenstärke von 23.250 Frauen und Männer belegt Norwegen Platz 20 in der Nato-Rangliste. © Jouni Porsanger/dpa
Deutsche Brigade in Litauen
Litauische Soldaten legen nach einem Schießtraining bei Rudninkai in dem Areal, wo die deutsche Brigade in Litauen stationiert werden soll, eine Pause ein. Die Truppenstärke von Litauen beträgt 23.000 Frauen und Männer. © Kay Nietfeld/dpa
The Royal Life Guards
Rekruten der Royal Life Guards aus Dänemark überqueren auf dem Truppenübungsplatz Kulsbjerg bei Vordingborg das Wasser. Dänemarks Militär verfügt derzeit über etwa 20.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Luftwaffe bildet slowakische Soldaten an Flugabwehrsystem aus
Slowakische Soldaten trainieren an einem Flugabwehrsystem. Seit 2004 ist die Slowakei Mitglied der Nato. Die Truppenstärke des Militärs beträgt 19.500 Frauen und Männer. © Marcus Brandt/dpa
Lettland Militär Parade
imago80894560.jpg © Victor Lisitsyn/Imago
Militärmanöver in Kroatien
Kroatien verfügt über 14.325 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte werden umgangssprachlich meist als „Hrvatska vojska“ (Kroatische Armee) bezeichnet. Kroatien ist seit April 2009 Mitglied der Nato. © dpa
Mazedonien Namensänderung
Die Armee der Republik Nordmazedonien (Truppenstärke: 9000) gliedert sich in ein Heer mit angeschlossenen Luftstreitkräften (Heeresflieger). Aufgrund der Binnenlage des Landes gibt es keine eigenständige Marine.  © Dragan Perkovksi/dpa
Kaja Kallas
Am 15. Mai 2024 besuchte die damalige estnische Premierministerin Kaja Kallas die gemeinsame Übung „Spring Storm“ der estnischen Streitkräfte (Truppenstärke: 7700) und der alliierten Nato-Streitkräfte in Pärnu. © Jussi Nukari/Imago
Slowenien
Sloweniens Truppenstärke beträgt 7300 Frauen und Männer. Die Streitkräfte unterstehen dem Verteidigungsministerium. Die für den Schutz der 46 Kilometer langen Adriaküste zuständige Marine und die Luftstreitkräfte sind keine selbständigen Teilstreitkräfte. © Zeljko Stevanic/Imago
Albanien
Seit 2010 hat Albanien eine Berufsarmee. Sie besteht derzeit aus 6600 aktiven Soldatinnen und Soldaten. Das Joint Force Command bildet ein Hauptquartier, dem die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine unterstehen. © Imago
Montenegro
Die seit 2006 aufgebauten Streitkräfte von Montenegro umfassen 2350 Frauen und Männer und gelten heute als eine funktionierende Kleinarmee in Europa. Montenegro ist seit Juni 2017 Mitglied der Nato. © Imago
Luxwemburg
Die Armee Luxemburgs umfasst die Streitkräfte des Großherzogtums Luxemburg. Sie besitzt eine leichtbewaffnete, Freiwilligenarmee (Truppenstärke: 1000). Die luxemburgische Armee ist in ein Infanteriebataillon mit zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps. © Berit Kessler7Imago
Eurofighter über Island. (Archivbild)
Ein Eurofighter fliegt bei der Übung „Rapid Viking 2023“ über Island. Der hohe Norden gewinnt zunehmend an geopolitischer Bedeutung. Nato-Mitglied Island selbst verfügt über keine eigene Armee. © Britta Pedersen

Die drei russischen MiG-31 Kampfflugzeuge sind am Freitagmorgen in den estnischen Luftraum nahe der Insel Vaindloo im Golf von Finnland eingedrungen – knapp 200 Kilometer Luftlinie von St. Petersburg entfernt. Das berichtet der estnische öffentliche Rundfunk ERR. Die Maschinen verblieben dort für fast zwölf Minuten, was als ungewöhnlich lange Dauer für einen solchen Vorfall gilt. Der MiG-31 ist ein schwerer Abfangjäger, der die russische Hyperschallrakete Kinschal tragen kann.

Zwischenfall über Estland: Russische Kampfjets verletzten NATO-Luftraum minutenlang

Russische Kampfjets haben offenbar zudem die Sicherheitszone der polnischen Bohrplattform Petrobaltic in der Ostsee verletzt. Der polnische Grenzschutz meldete den Vorfall auf X und informierte die Streitkräfte. Die Flugzeuge flogen im Tiefflug über die Plattform und drangen dabei in deren Schutzbereich ein. 

Besonders besorgniserregend bei dem Vorfall über Estland war, dass die Flugzeuge weder über Flugpläne verfügten noch ihre Transponder eingeschaltet hatten. Zudem bestand keine Zwei-Wege-Funkkommunikation mit der estnischen Luftverkehrskontrolle. Wie das Portal Politico meldet, ließ die NATO F-35-Kampfjets der italienischen Luftstreitkräfte aufsteigen, um die MiGs abzufangen.

Ein Mikoyan MiG-31 Abfangjäger der russischen Luftwaffe mit einer Kinschal-Überschallrakete bestückt (Archivbild).

Kampfflugzeuge abgewehrt: Estland beantragt Nato-Treffen nach Artikel 4

Das estnische Außenministerium hat umgehend reagiert und den Geschäftsträger der Russischen Föderation in Estland einbestellt. Ihm wurde eine diplomatische Note übergeben, in der gegen die Verletzung des Luftraums protestiert wurde. Der estnische Außenminister Margus Tsahkna äußerte sich zudem mit deutlichen Worten zu dem Vorfall: „Russland hat in diesem Jahr bereits viermal den estnischen Luftraum verletzt, was an sich schon inakzeptabel ist. Aber der heutige Einflug von drei Kampfflugzeugen in unseren Luftraum ist beispiellos brutal.“ Tsahkna fügte hinzu: „Russlands zunehmende Versuche, Grenzen zu testen, und seine wachsende Aggression müssen mit einer raschen Verstärkung des politischen und wirtschaftlichen Drucks beantwortet werden.“

Nach dem Eindringen dreier russischer Kampfflugzeuge in seinen Luftraum hat Estland zudem Beratungen im Rahmen des Nato-Vertrags beantragt. Regierungschef Kristen Michal nannte den Vorfall auf der Plattform X „vollkommen inakzeptabel“. Der sogenannte Artikel 4 ermöglicht Mitgliedsstaaten, Konsultationen einzuberufen, wenn sie ihre Sicherheit oder territoriale Integrität bedroht sehen.

Erneute Provokationen an der Ostflanke: „Putin stellt die Entschlossenheit des Westens auf die Probe“

Der jüngste Vorfall reiht sich in eine besorgniserregende Serie von Luftraumverletzungen durch Russland infolge des Ukraine-Kriegs ein. Erst in der vergangenen Wochen hatten NATO-Kampfjets erstmals russische Drohnen abgeschossen, die in den Luftraum über Polen eingedrungen waren. Außerdem waren russische Luftfahrzeuge bereits am 13. Mai, am 22. Juni und zuletzt am 7. September in den Luftraum von Estland geflogen. Bei dem Vorfall im September war ein russischer Mi-8-Hubschrauber ebenfalls nahe Vaindloo im estnischen Luftraum abgefangen worden. Auch der Helikopter hatte seinen Transponder ausgeschaltet und keinen Flugplan an die estnische Flugsicherung übermittelt.

Diese Häufung von Vorfällen deutet auf eine systematische Strategie Russlands hin, die Grenzen der NATO-Staaten zu testen und möglicherweise zu destabilisieren.

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach mit Blick auf den Vorfall am Freitag von einer „äußerst gefährlichen Provokation“. Sie verwies darauf, dass es die dritte Verletzung des EU-Luftraums innerhalb weniger Tage gewesen sei und dies die Spannungen in der Region weiter verschärft. „Putin stellt die Entschlossenheit des Westens auf die Probe. Wir dürfen keine Schwäche zeigen“, schrieb die Estin auf der Plattform X und sicherte ihrem Heimatland die volle Solidarität der EU zu. 

NameMikojan-Gurewitsch MiG-31
TypAbfangjäger
Länge22,69 Meter
Besatzung2
EinsatzradiusZwischen 720 und 1400 Kilometern
HöchstgeschwindigkeitMach 2,83 (ca. 3500 km/h)

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kommentierte den Vorfall mit den Worten: „In dem Maße, wie die Bedrohungen eskalieren, werden auch wir unseren Druck erhöhen.“ Wenige Stunden zuvor hatte die EU-Kommission das 19. Sanktionspaket gegen Russland vorgestellt. Unter anderem soll nun bereits ab Januar 2027 der Import von russischem Flüssiggas in die EU-Staaten verboten werden - statt wie bisher geplant Ende 2027. Zudem wurden 118 weitere Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte auf die Sanktionsliste gesetzt.

Wegen Putins Provokationen – NATO verstärkt Präsenz an der Ostflanke

Als Reaktion darauf haben die NATO-Verbündeten angekündigt, die Verteidigung an der Ostflanke des Bündnisses zu verstärken. Die wiederholten Provokationen Russlands stellen eine ernsthafte Herausforderung für die NATO dar und könnten zu einer Neubewertung der Sicherheitsstrategie in der Region führen.

Das Baltikum wurde wegen seiner geografischen Lage von Experten wiederholt als mögliches nächstes Ziel für den Expansionsdrang von Russlands Präsident Wladimir Putin angesehen. Estland grenzt im Osten direkt an Russland und ist somit Teil der NATO-Ostflanke. Im Fokus ist dabei auch immer wieder die Suwałki-Lücke – ein knapp 100 Kilometer breiter Landkorridor, der die russische Exklave Kaliningrad mit Russlands engem Verbündeten Belarus verbindet. Durch die Besetzung dieses Landstreifens könnte Russland und Belarus den Landweg des Baltikums zur restlichen NATO abschneiden. (fdu)

Rubriklistenbild: © Alexander Zemlianichenko/dpa

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