AfD erhält von CDU-Politiker indirekt Unterstützung: Regieren „kein Selbstzweck“
VonTadhg Nagel
schließen
Nach den jüngsten Landtagswahlen beabsichtigen CDU und BSW Verhandlungen. Roderich Kiesewetter legt Wert darauf, das Vertrauen zu bewahren.
Update vom 6. September, 13.00 Uhr: Der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz hat sich ebenfalls entschieden gegen eine mögliche Koalition der CDU mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) ausgesprochen – selbst dann, wenn als Konsequenz die AfD in Thüringen regieren würde. „Ich persönlich bin der Meinung, die Thüringerinnen und Thüringer haben nun mal dieses Parlament gewählt, in dem AfD und BSW die Mehrheit haben. Und wenn es keine andere Lösung gibt, müssen die eben regieren“, sagte Polenz der taz.
Er unterstütze die Initiative, eine Koalition der CDU mit dem BSW durch einen Unvereinbarkeitsbeschluss zu untersagen. „Das BSW steht eigentlich gegen alles, was man als DNA der CDU bezeichnen kann“, erklärte Polenz. Die außenpolitischen Fragen seien so grundsätzlich, „die können wir auf Landesebene nicht ausblenden.“
Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz spricht am Donnerstag, 25. Januar 2024 in Duisburg Marxloh über Deutsche Leitkultur und Deutschsein im 21 Jahrhundert.
In Sachsen und Thüringen haben AfD und BSW gut abgeschnitten – Ist die CDU jetzt in der Pflicht?
Erstmeldung: Dresden/Erfurt – Neben der AfD gehört das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zu den Gewinnern der Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen. Obwohl eine Koalition mit dem BSW noch im Juni durch Friedrich Merz kategorisch ausgeschlossen wurde, ist Wagenknechts Partei für die CDU bei der Suche der nach einem Bündnispartner so in den Fokus gerückt. Während manche in der Partei Verhandlungen als unabdingbar ansehen, um eine AfD-geführte Regierung zu verhindern, regt sich auch breiter Widerstand. Insgesamt 40 hochrangige Mitglieder der Union haben bereits Bedenken angemeldet.
Besonders deutlich in seiner Ablehnung von Verhandlungen mit dem BSW ist der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter. Ihm zufolge kämen diese einer „Selbstzerstörung“ und einem „Glaubwürdigkeitsverlust“ gleich, wie der CDU-Politiker auf Anfrage von IPPEN.MEDIA mitteilte. Zwar könne er „den Wunsch nach stabilen Regierungen“ und der Verhinderung einer AfD-Regierung nachvollziehen. Es gelte grundsätzlich aber ebenso „Wahlergebnisse anzuerkennen und diese müssen auch Konsequenzen für die Wähler haben“.
Mögliche Koalitionen nach den Landtagswahlen: CDU lieber in die Opposition als im Bündnis mit dem BSW?
Die Menschen in Sachsen und Thüringen hätten eine Entscheidung getroffen; diese müsse jetzt respektiert werden, auch wenn das schmerzlich sei. „Die Mehrheit der Wähler wollte offenbar, dass eine Regierung nur mit AfD oder BSW zustande kommt, dann ist das so“, so die deutliche Aussage des CDU-Politikers. Zwar sei der Weg in die Opposition „nicht optimal“, er spiegle letztlich aber „den Wählerwillen wider, der ein solches Ergebnis repräsentiert“.
Laut Kiesewetter kann für die CDU nur so sichergestellt werden, dass Regieren „kein Selbstzweck“ ist, sondern „an Werte und Verantwortung gebunden“ bleibt. Weder mit dem BSW noch mit der AfD sei dies möglich, schließlich würden beide Parteien „gegen nationale Sicherheitsinteressen agieren und unsere Werte unterminieren“, so der Bundestagsabgeordnete weiter.
Kiesewetter will keine Zugeständnisse an BSW machen – Weder in Sachsen, noch in Thüringen
Fest stehe, dass die CDU „auf gar keinen Fall“ Zugeständnisse an das BSW machen oder gar koalieren dürfe. Genau dies sei „die Strategie des BSW, zur Unglaubwürdigkeit der Parteien der demokratischen Mitte beizutragen und sie somit zu untergraben“. Wagenknechts Partei sei „ein verlängerter Arm des Kremls“. Zudem widerspricht sie „allen Werten, für die die Union traditionell steht: Frieden in Freiheit und Selbstbestimmung, Völkerrecht, Demokratie und Westbindung, die Wohlstand ermöglicht“, ist Kiesewetter überzeugt.
Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ will die deutsche Politik prägen
Eine Zusammenarbeit käme ihm zufolge „einer Selbstzerstörung der CDU auch im Bund“ gleich und sollte deshalb ausgeschlossen sein – schließlich wolle das BSW „die demokratische Mitte inklusive der Union als Volkspartei aushöhlen und unsere Grundwerte unterminieren“.
Suche nach demokratischen Koalitionen nach Landtagswahlen – Ist Regieren ohne AfD und BSW möglich?
Die Frage, ob eine Koalition mit Grünen und SPD für die CDU in Sachsen eine gangbare Lösung sei, wollte der Unionspolitiker nicht abschließend beantworten. Dies sei „zunächst Angelegenheit der CDU Sachsen“. Eine Zusammenarbeit mit „Parteien der demokratischen Mitte“ sei grundsätzlich aber immer möglich.
Minderheitsregierungen seien zwar immer schwierig, doch es gebe „Fälle, wo dies funktioniert hat“. Nur müssten dann eben „bei Entscheidungen regelmäßig mit anderen Parteien verhandelt und Kompromisse geschlossen werden“. Außerdem bedeute es im Zweifel, dass sich die CDU dann „in Richtung Linkspartei öffnen müsse“ – was laut Kiesewetter „ebenfalls kritisch“ wäre. (tpn)