VonRobert Wagnerschließen
Gegenüber IPPEN.MEDIA bestätigt der Berliner AfD-Politiker Kai Borrmann die Echtheit seines Tweets. Er macht nicht zum ersten Mal von sich reden.
Berlin – Der AfD-Politiker Kai Borrmann, Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte, hat auf der ehemals als Twitter bekannten Online-Plattform X für einen Skandal gesorgt. In einem Tweet schien er Verständnis für die Motive des norwegischen Rechtsextremisten und verurteilten Massenmörders Anders Breivik zu zeigen.
AfD-Politiker Borrmann über Breivik: „Beweist ja nicht, daß er politisch falsch lag“
Der Berliner Kommunalpolitiker antwortete auf einen Tweet des Accounts @Volksverpetzer, der die AfD ideologisch in die Nähe von Breivik rückte. „Ja, die AfD glaubt an die gleichen rechtsextremen Verschwörungsmythen wie der Nazi-Terrorist und Mörder Andreas Breivik“, heißt es dort. Die unmittelbare Antwort Borrmanns darauf: „Daß er ein Mörder war, beweist ja nicht, daß er politisch falsch lag.“ Mit „er“ konnte in diesem Zusammenhang nur der rechtsterroristische Massenmörder Breivik gemeint sein.
@Volksverpetzer veröffentlichte Minuten später einen Screenshot des Postings. Der Tweet erhielt mehr als 700 Reposts und fast 4000 Likes. „Das sagt ein AfD-Politiker aus Berlin über den Massenmörder und Neonazi Breivik. Muss man noch was dazu sagen?“, lautete der knappe Kommentar dazu. Für viele X-User war diese Äußerung ein Beleg für die Notwendigkeit eines Verbots der AfD. Kurz darauf war Borrmanns X-Account gesperrt - am Donnerstagmittag (17. August) war das weiterhin der Fall.
Das sagt ein AfD-Politiker aus Berlin über den Massenmörder und Neonazi Breivik. Muss man noch was dazu sagen? pic.twitter.com/DBGP5PHgDs
— Volksverpetzer (@Volksverpetzer) August 15, 2023
Borrmann verweist auf den Kontext, der allerdings keine Zweifel offen lässt
Auf Anfrage von IPPEN.MEDIA bestätigte Borrmann, dass der fragliche Tweet von ihm stammt. „Ja, @DrKaiBorrmann ist mein Account und ich habe dort auf den besagten Tweet des ‚Volkspetzers‘ hin entsprechend geantwortet“, heißt es in seiner Stellungnahme. Er sieht sich nach eigenen Angaben aber falsch wiedergegeben und zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe gegen ihn als haltlos erweisen werden.
Sobald sein Account wieder freigeschaltet sei, „werden die Leser des Diskussionsstranges den Satz ja in seinen entsprechenden Kontext einordnen können“, erklärte Borrmann. Der fragliche „Diskussionsstrang“ – der gerichtsfest dokumentiert wurde – bestand allerdings lediglich aus dem Ausgangstweet von @Volksverpetzer und der unmittelbaren, knapp formulierten Antwort Borrmanns auf diesen. Der Kontext ist sehr eindeutig.
Berliner AfD-Politiker Borrmann erregt nicht zum ersten Mal mediale Aufmerksamkeit
Der promovierte Islamwissenschaftler Borrmann sorgte bereits Anfang 2023 für mediales Aufsehen, als er wegen Körperverletzung und Beleidigung vor dem Amtsgericht Tiergarten saß. Er hatte im August 2021 eine Schwarze Journalistin und deren Begleiterin rassistisch beleidigt und den Frauen unter anderem „Na heult doch, ihr N***r“ zugerufen. Als die Frauen sich der Situation entziehen wollten, griff Borrmann die Journalistin körperlich an und biss ihr in den Unterarm. Der Berliner Bezirksverordnete wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.
Der norwegische Rechtsterrorist Anders Behring Breivik tötete im Juli 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya 77 meist junge Menschen, darunter 69 Teilnehmer eines Zeltlagers der norwegischen Sozialdemokraten. Er handelte aus rassistischen Motiven und sah das weiße Europa durch „Multikulturalisten, Kulturmarxisten […] und kapitalistische Globalisten“ bedroht, wie aus seinem über 1500-seitigen Manifest hervorgeht. Seine Opfer machte er für eine angebliche „islamische Kolonisation des westlichen Europas“ mitverantwortlich. (Robert Wagner)
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