EU-Spitzenkandidat der AfD

Lob für Taliban und Nähe zu den Identitären – das ist AfD-Mann Krah

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Viel ist vom frisch gewählten Spitzenkandidaten der AfD für die Europawahlen 2024 die Rede. Doch was genau treibt den Hardliner an? Eine Analyse.

Magdeburg - Die AfD hat auf ihrem 14. Bundesparteitag in Magdeburg eine richtungsweisende Entscheidung getroffen. Die Liste der Kandidaten für die Europawahl 2024 wird von dem Hardliner Maximilian Krah angeführt. In einem Wahlduell setzte der aus Sachsen stammende Rechtsanwalt sich mit 65,7 Prozent der Stimmen gegen einen überraschend aufgestellten Gegenkandidaten durch, dessen Name den wenigsten ein Begriff war. Andreas Otti, Bezirksvorsitzender der AfD in Berlin-Spandau, hatte wenig Chancen gegen den seit 2019 im Europaparlament sitzenden Krah. Er kam mit 25,2 Prozent der Stimmen noch glimpflich davon.

Der Wahlerfolg Maximilian Krahs ist zugleich ein Erfolg Björn Höckes

Damit gewann das Rechtsaußen-Lager in der AfD um den Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke die Wahl um die Spitzenkandidatur für die kommende Europawahl. Am Rande des Parteitages sprach Höcke sich deutlich für Krah aus und bezeichnete ihn gegenüber Medienvertretern als den besten Spitzenkandidaten für die AfD. Krahs Wahlerfolg ist damit zugleich ein Erfolg des Mannes, der wie kein anderer für die Radikalisierung der AfD der vergangenen Jahre steht. Europapolitisch hat sich die Partei mit dieser Wahl „endgültig rechts positioniert – und zwar rechts außen“, sagte der Rechtsextremismusforscher David Begrich nach Krahs Wahl der ARD-„Tagesschau“.

Maximilian Krah am 29. Juli auf dem 14. Bundesparteitag der AfD in Magdeburg. Er hat das Duell um die Spitzenkandidatur der AfD für die Europawahl 2024 mit 65,7 Prozent der Delegierten-Stimmen gewonnen.

Doch wer ist eigentlich Maximilian Krah? Und was für politische Ideen schweben ihm vor? Der promovierte Jurist und Katholik ist Beobachtern der extremen Rechten schon länger bekannt. Der achtfache Vater verbindet so gekonnt wie nur wenige andere in der AfD ein betont bürgerliches, eloquentes Auftreten mit einer dezidiert völkisch-nationalistischen Gesinnung.

Maximilian Krah: Ein EU-Spitzenkandidat der AfD, der die Taliban lobt?

Im Juni 2023 war Krah im Podcast der neurechten Ideologen vom „Institut für Staatspolitik“ (IfS) zu Gast. Anlässlich des verhassten „Pride Month“, der die sexuelle Vielfalt feiert, ließ er sich zu einer vielsagenden Bemerkung hinreißen: „Das Lustigste, was ich beim Pride Month erlebt habe, war 2021. Da hatte die US-Botschaft in Kabul ganz stolz den Pride Month ausgerufen. Es dauerte keine drei Wochen, bis die Taliban in Kabul eingerückt sind. Ich glaube, dass das die einzig richtige Antwort auf den Pride Month gewesen ist.“

Sogar dem extrem rechten Publizisten Götz Kubitschek, Spiritus Rector des IfS und gemeinhin Vordenker der Neuen Rechten genannt, blieb nach dieser Bemerkung das Lachen im Halse stecken. „Das lassen wir jetzt mal so stehen“, sagte er verlegen, wie die ARD mit einem Ausschnitt des auf YouTube veröffentlichten Videos dokumentiert. Krah erwiderte lediglich kopfschüttelnd und amüsiert zweimal: „Ich finde den [Pride Month] ganz widerlich. Ich finde den ganz widerlich.“

2021 hatte die US-Botschaft in Kabul ganz stolz den Pride Month ausgerufen. Es dauerte keine drei Wochen, bis die Taliban in Kabul eingerückt sind. Ich glaube, dass das die einzig richtige Antwort auf den Pride Month gewesen ist.

Maximilian Krah (Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl 2024)

Maximilian Krah ist gern gesehener Gast im „gesichert extremistischen“ Vorfeld der AfD

Wie Höcke gehört auch Krah zu den Köpfen in der AfD, die fest im rechtsextremen, neofaschistisch geprägten Vorfeld der Partei verankert sind. Dort also, wo dem Kurs der AfD zur stramm rechten Höcke-Partei ideologisch der Weg bereitet wird. Ein zentraler Akteur in diesem Parteivorfeld ist das bereits erwähnte „Institut für Staatspolitik“ (IfS) im sachsen-anhaltinischen Schnellroda. Das 2000 gegründete IfS ist eine Art neurechte Denkfabrik, deren regelmäßig stattfindende „Akademien“ sich vor allem im Umfeld der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ großer Beliebtheit erfreuen. Persönlichkeiten des extrem rechten Lagers der AfD treten dort regelmäßig auf.

Der Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt nennt das IfS ein „geistiges Gravitationszentrum“ der Neuen Rechten. Auch Krah referierte seit 2016 mindestens viermal auf den sich betont intellektuell und staatstragend gebenden Veranstaltungen des IfS. So sprach er etwa im Januar 2019 über „Volk, Volkssouveränität, Verfassung“, ein Lieblingsthema der extremen Rechten, und im Sommer 2022 über wirtschaftspolitische Fragen. Im Juli 2021 beteiligte Krah sich an einer Podiumsdiskussion des IfS über die in der Fachwelt schon lange obsolete These, der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941 sei ein Präventivkrieg gewesen.

Der Publizist Götz Kubitschek, hier auf der Frankfurter Buchmesse 2018, gilt als Vordenker der Neuen Rechten im deutschsprachigen Raum und ist bestens mit dem Rechtsaußen-Lager der AfD um Björn Höcke vernetzt.

Schon lange haben die Sicherheitsbehörden das „Institut für Staatspolitik“ im Blick. Im April 2023 gab das Bundesamt für Verfassungsschutz dann bekannt, das IfS wie auch die AfD-Jugend als gesichert rechtsextremistisch einzustufen. Der Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt tut dies bereits seit 2020. Das hält den Juristen und EU-Abgeordneten Krah nicht davon ab, weiterhin dort aufzutreten. Erst Anfang Juli nahm er am IfS-Sommerfest 2023 teil. Im Podcast des IfS, der sich „Am Rande der Gesellschaft“ nennt, ist er weiterhin Stammgast.

Krah führt einen „weltanschaulichen Kampf“ gegen die offene Gesellschaft des Westens

Den Gegner im weltweiten Kulturkampf sieht Krah im „Globalismus in den Farben des Regenbogens“. Er meint damit den „unbegrenzten Individualismus, der tun und lassen kann, was er will, frei von jedweder geografischer, nationaler, kultureller, biologischer Bindung.“

Der Kampfbegriff „Globalismus“ dient letztlich dazu, die progressive offene Gesellschaft westlicher Länder als Projekt finsterer Mächte im Hintergrund zu diffamieren. Diese Mächte hätten nach der üblichen Lesart ihr Zentrum in den USA, deren „Vasall“ die EU lediglich sei, wie Krah kürzlich auf einer Veranstaltung des AfD-Ortsverbandes Berlin-Pankow sagte. Die „Globalisten“ wollten natürlich gewachsene Kulturen durch kulturelle und biologische Vereinheitlichung (Homogenisierung) vernichten. Darauf spielt auch das alternative Codewort „Globohomo“ („globale Homogenisierung“) an, das Krah in der Diskussionsrunde des IfS ebenfalls fallen lässt.

Krah zeigt ideologische Nähe zur „Identitären Bewegung“

Dieses Codewort hat im deutschsprachigen Raum die schon lange als gesichert rechtsextremistisch eingestufte „Identitäre Bewegung“ etabliert. Deren bekanntester Kopf, der Österreicher Martin Sellner, schreibt in einer 2021 erschienenen Ausgabe des ebenfalls gesichert rechtsextremistischen Compact-Magazins dazu: „Die sogenannte Befreiung, die die Apostel der globalen Homogenisierung, kurz Globohomo, versprechen, bedeutet in Wirklichkeit Verwirrung und Zerstreuung. […] Der Regenbogen-Angriff stellt damit die letzte Stufe einer Attacke auf die menschliche Identität dar.“

Sellner spricht von einer „totalitären, familien- und kinderfeindlichen Ideologie“, die sich „im Zeichen des Regenbogens“ mobilisiere. Exakt dasselbe Weltbild teilt offenkundig auch der erzkatholische Maximilian Krah. Er twitterte zur selben Zeit, anlässlich des Pride Month 2021, die Gleichberechtigung queerer Minderheiten würde „Hass auf die eigene Tradition und Kultur, Ablehnung der Familie, in einem Wort: Dekadenz“ nach sich ziehen. Das sei das Wesen dessen, „was wir heute als ‚westliche Werte‘ bezeichnen“ und wofür die Regenbogenfahne „das wahre Zeichen“ sei, so Krah.

Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle.
Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle. Anders als jahrelang üblich, gab es bei ihrem Bundesparteitag im Januar 2025 in Riesa kaum große Streitthemen. Auch die Mitglieder des AfD-Bundesvorstands verbreiteten Harmonie (von links nach rechts): Carsten Hütter, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Peter Boehringer und Heiko Scholz. In Riesa beschloss die AfD ihr Wahlprogramm.  © Sebastian Kahnert/dpa
Auf dem Parteitag wurde Parteichefin Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekürt.
Im Mittelpunkt des Parteitags stand Alice Weidel, die die AfD mit einer schrillen Rede auf den Wahlkampf einschwor. Vor allem mit ihrer rigorosen Wortwahl schien sie den Nerv der Partei zu treffen. So forderte sie Rückführungen im großen Stil: „Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ Zuvor hatte sie diesen Begriff vermieden.  © Jens Schlüter/AFP
AfD-Bundesparteitag in Riesa
Tatsächlich ist nach Riesa rhetorisch kein Unterschied mehr zwischen Weidel und den Rechtsextremen auszumachen. Immer wieder gelang es ihr, die düstere AfD-Seele mit ihrer scharfen Wortwahl zu massieren. So prägte sie auch den irren Begriff ,,Windmühlen der Schande“.  © Sebastian Kahnert/dpa
AfD Parteitag 2013 in Berlin
Wie aber kam es zum Aufstieg der AfD? Los ging alles am 6. Februar 2013, als 18 Menschen im hessischen Oberursel (Taunus) die Partei „Alternative für Deutschland“ gründeten. Der erste AfD-Parteitag fand bereits am 14. April 2013 statt (im Bild). Bei der Bundestagswahl im selben Jahr erzielte die neue Partei aus dem rechten Spektrum auf Anhieb 4,7 Prozent – das beste Ergebnis, das eine neu gegründete Partei jemals bei ihrer ersten Bundestagswahl erzielen konnte.  © imago
Landesparteitag der AfD am 11. Januar 2014 in Gießen
Nahezu von Anfang begleiten Gegendemonstrationen die AfD-Veranstaltungen - wie hier der Landesparteitag am 11. Januar 2014 in Gießen. Der rechtspopulistischen Partei werden immer wieder Demokratie- und Europafeindlichkeit vorgeworfen. © imago stock&people
Dr. Konrad Adam, Journalist und Mitgebründer der Alternative für Deutschland (AfD)
Als einer der Gründungsväter der AfD gilt Konrad Adam. Der 1942 in Wuppertal geborene Journalist arbeitete für die Tageszeitungen FAZ und Welt. Zunächst war er Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und wurde noch im selben Jahr einer von drei Bundessprechern der neu gegründeten AfD. Wie viele andere war Adam ursprünglich CDU-Mitglied, ehe er – vermutlich aus Enttäuschung über die als linksliberal wahrgenommene Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – eine neue Heimat in der AfD fand. Zwei Jahre blieb Adam Bundessprecher, doch bereits im Dezember 2015 begann er, sich von der Partei zu distanzieren. 2020 kündigte er seinen Austritt aus der AfD an, der am 1. Januar 2021 in Kraft trat. © imago
Konrad Adam, Bernd Lucke und Alexander Gauland auf dem ersten Parteitag der AfD in Berlin.
Das bekannteste Gesicht der AfD-Gründungsphase gehört dem Mann mit erhobenen Armen: Bernd Lucke. Geboren 1962 in West-Berlin und aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen, studierte Lucke Volkswirtschaftslehre und wurde später in Hamburg Professor. Mit 14 Jahren trat Lucke in die CDU ein und verließ die Union 33 Jahre später, weil er mit der Eurorettungspolitik nicht einverstanden war. Der Euro und die EU wurden zu den zentralen Kritikpunkten, die Lucke in den folgenden Jahren bezogen auf die Bundespolitik äußerte. Ergebnis dieser Kritik war zunächst die eurokritische Wahlalternative 2013, aus der am 14. April 2013 die AfD hervorging. © imago
rof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD
Bereits im September 2013 engagierte sich Prof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD, wie hier auf einer Veranstaltung in Magdeburg. © IMAGO/Zoonar.com/Axel Kammerer
Bernd Lucke als Vorsitzender der AfD auf einem Parteitag
Auch Bernd Luckes Zeit in der AfD war nur eine kurze. 2014 ging er noch als Spitzenkandidat der „Alternative für Deutschland“ in den Wahlkampf für die anstehende Europawahl. Bis 2019 war Lucke im Anschluss Mitglied im Europäischen Parlament. Doch bereits 2015 deutete sich an, dass Lucke im internen Machtkampf in der AfD den Kürzeren ziehen könnte. Führende Köpfe der AfD wie Björn Höcke gerieten in Konflikt mit dem Vorsitzenden. Lucke ging und trat 2015 aus der AfD aus. Er gründete die nächste Partei: die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA). © imago
Olaf Henkel GER Berlin 20150112 Alternative für Deutschland Prof Hans Olaf Henkel Veranstaltun
Anfang 2014 wurde die AfD-Mitgliedschaft von Professor Hans-Olaf Henkel bekannt. Einen Namen machte sich Henkel als erfolgreicher Manager bei IBM. Später wechselte er auf die Verbandsebene und wurde Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie). 2014 zog er für die AfD ins Europaparlament ein. Für ein Jahr war Henkel sogar stellvertretender Bundessprecher der „Alternative für Deutschland“. 2015 trat Hans-Olaf Henkel wieder aus der AfD aus. © imago
Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut
Seinen Bruch mit der AfD begründete Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut beim Bundespresseball 2019, mit dem Rechtsruck der Partei. Gegenüber dem WDR bezeichnete Henkel die AfD im Jahr 2015 als „eine Art NPD-light, vielleicht sogar identisch mit der NPD“. Sein Engagement bei der AfD sieht Henkel mittlerweile offenbar kritisch: „Wir haben ein Monster erschaffen.“ © VISTAPRESS / G. Chlebarov via www.imago-images.de
Deutschland Essen Grugahalle 4 Ausserordentlicher AfD Parteitag Bernd Lucke nach der Wahl von F
Auf Bernd Lucke folgte an der Parteispitze der AfD Frauke Petry. Die studierte Chemikerin wurde 1975 in Dresden geboren. 2013 war sie bereits neben Lucke eine der drei Parteisprecherinnen der AfD. Außerdem wurde sie im selben Jahr zur Vorsitzenden der AfD Sachsen gewählt.  © imago
Frauke Petry AfD
Im Juli 2015 schließlich kam es zum internen Machtkampf in der AfD, den Petry für sich entscheiden konnte. Doch schon zwei Jahre später war auch für sie wieder Schluss. Ende September 2017 trat sie aus der AfD aus und gründete wie Lucke ihre eigene kleine Partei: Petry nannte sie „Die blaue Partei“. © Michael Kappeler/dpa
Prof. Dr. Jörg Meuthen (M.), Bundessprecher der AfD, Deutschland, Berlin, Bundespressekonferenz, Thema: AfD - Zu den Bu
Ein ähnliches Schicksal wie Petry und Lucke ereilte auch Jörg Meuthen (Mitte). Der 1961 in Essen geborene studierte Volkswirt wurde 2015 zu einem der zwei Bundessprecher der AfD gewählt. 2019 gelang ihm der Sieg bei der Wahl zum ersten Bundesvorsitzenden der AfD. Doch schon 2021 erklärte Meuthen, nicht erneut für den Vorsitz kandidieren zu wollen. 2022 folgte dann der endgültige Austritt aus der Partei. Der ließ sich auf seine Niederlage im Machtkampf mit Björn Höcke und den rechtsextremen Kräften innerhalb der AfD zurückführen. © M. Popow/Imago
Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA)
Auftrieb erhielt die AfD auch durch ihre Nähe zur Pegida-Bewegung. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) demonstrierten ab 2014 in Dresden und später in weiteren Städten. Immer wieder schlossen sich AfD-Leute den Demonstrationen an, darunter 2018 in Chemnitz auch Björn Höcke. © Ralf Hirschberger/dpa
Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg
Auch Adel findet sich unter den Führungspersönlichkeiten der AfD: Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, war einst bei der FDP und gehörte 2013 zu den Gründungsmitgliedern der AfD. Sie war von Dezember 2019 bis Juni 2022 stellvertretende Bundessprecherin ihrer Partei. Seit Oktober 2017 ist sie eine der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. © Moritz Frankenberg/dpa
Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein im Sitzungssaal des schleswig-holsteinischen Landesverfassungsgerichts.
Auch Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein wurde aus der AfD ausgeschlossen. Sayn-Wittgenstein soll für einen rechtsextremistischen Verein geworben haben, der auf der sogenannten Unvereinbarkeitsliste der AfD stand. Doch die 1954 geborene Rechtsanwältin wehrte sich erfolgreich gegen den Parteiausschluss, den ein Bundesschiedsgericht 2019 beschlossen hat. Im April 2021 urteilte das Landgericht Berlin, dass der Ausschluss aufgrund formaler Fehler unwirksam sei. Damit war sie wieder Parteimitglied. Im Februar 2024 zog der AfD-Bundesvorstand seine Berufung beim Berliner Kammergericht zurück, wodurch das Urteil rechtskräftig geworden ist.  © Marcus Brandt/dpa
Alexander Gauland, heute AfD-Mitglied, früher Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung
Ein Urgestein der AfD, das all die personellen Wechsel überstanden hat und immer noch da ist: Alexander Gauland. Geboren 1941 in Chemnitz, war Gauland vor seiner aktiven politischen Karriere Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). CDU-Mitglied wurde der gelernte Jurist bereits 1973, ab 1987 übernahm er verschiedene politische Ämter, vor allem für die Union in Hessen. CDU-Mitglied blieb Gauland bis 2013, ehe er die AfD mitgründete. Im Jahr 2017 wurde Gauland Bundessprecher der AfD (bis 2019). Von 2017 bis 2021 war er neben Alice Weidel einer von zwei Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. 2021 gab er dieses Amt wieder ab, blieb der Partei aber als Ehrenvorsitzender erhalten. © imago
AfD-Chefin Alice Weidel
Alice Weidels Aufstieg in der AfD begann mit ihrem Parteieintritt im Jahr 2013. Zwei Jahre später wurde sie bereits in den Bundesvorstand gewählt. 2017 ernannte sie die Partei zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Im selben Jahr wurde Weidel neben Alexander Gauland Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, die sie vier Jahre lang führte. © Sebastian Kahnert/dpa
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard in einer eingetragenen Partnerschaft zusammen. Das Paar hat zwei Söhne. (Archivbild) © Michael Buholzer/dpa
Tino Chrupalla bei der AfD
Neben Alice Weidel machte in den vergangenen Jahren vor allem Tino Chrupalla bei der AfD von sich reden. Einst Mitglied der Jungen Union und nach eigenen Angaben langjähriger CDU-Wähler, trat Chrupalla 2015 in die AfD ein. 2017 zog er für die Rechtspopulisten in den Bundestag ein. Im selben Jahr wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt. © imago
Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen
Im Jahr 2019 wurde Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen zum Bundesvorsitzenden der AfD.  © Julian Stratenschulte
Alice Weidel und Tino Chrupalla
In den Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 zog die AfD mit einer Doppelspitze, bestehend aus Alice Weidel und Tino Chrupalla. Beide stehen seitdem als Bundessprecherin und Bundessprecher an der Spitze der Partei.  © Kay Nietfeld/dpa
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD,
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD, gilt aber dennoch als einer der einflussreichsten Personen innerhalb der rechtspopulistischen Partei. Wie Chrupalla gibt auch er an, einst überzeugter Anhänger der CDU und Mitglied der Jungen Union gewesen zu sein. 2013 trat er der AfD bei. © Christoph Soeder/dpa
Björn Höcke den AfD-Landesverband
Ebenfalls 2013 gründete Björn Höcke den AfD-Landesverband in Thüringen. Kurze Zeit später kam es zum Streit mit dem damaligen Bundesvorstand der AfD, der 2017 sogar den Parteiausschluss Höckes beantragte. Den Machtkampf mit der alten Garde der AfD gewann aber Höcke. Er ist weiterhin Parteimitglied, während Widersacher wie Bernd Lucke, Frauke Petry oder Jörg Meuthen die Partei verlassen haben. © Sebastian Kahnert/dpa
André Poggenburg in Leipzig
Anders erging es da einem einstigen Verbündeten von Björn Höcke: André Poggenburg. Gemeinsam mit Höcke hatte der ehemalige Vorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt 2015 ein Positionspapier des „AfD-Flügels“ verfasst und damit wie Höcke den Ärger der Parteiführung auf sich gezogen. 2019 plante der AfD-Bundesvorstand, Poggenburg für zwei Jahre von allen Parteiämtern auszuschließen. Dazu kam es nicht, denn Poggenburg trat kurz darauf aus der AfD aus und gründete in alter Tradition ehemaliger AfD-Politiker eine eigene Partei unter dem Namen „Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland“. Inzwischen ist er parteilos. © Sebastian Willnow/dpa
AfD-Parteitag Riesa - Proteste
Mit dem Aufstieg der AfD zur bundesweiten Größe und dem Einzug in zahlreiche Landesparlamente sowie den Deutschen Bundestag mehrte sich auch der Protest gegen die Rechtspopulisten. Der AfD-Bundesparteitag in Riesa im Januar 2025 wurde von zahlreichen Demonstrationen begleitet. © Daniel Wagner/dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa mit Alice Weidel
Die Proteste hielten die Delegierten auf dem AfD-Bundesparteitag aber nicht davon ab, Alice Weidel zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2025 zu ernennen. Die AfD stellt damit erstmals in ihrer Geschichte eine eigene Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert/dpa

Gegen AfD-Mann Maximilian Krah gibt es auch innerparteiliche Kritik

Wenn Krah sagt, „unser Gegner ist das, was wir so flapsig Globohomo nennen“, deutet er also an, in welchen Filterblasen er sich bewegt. Es sind offenbar zumindest die Ausläufer der toxischen, von Rassismus, Antifeminismus und Zynismus geprägten Internetsubkulturen, die von den „Identitären“ maßgeblich mitgestaltet werden – und wo 2021 auf verstörende Weise der Sieg der Taliban in Afghanistan regelrecht gefeiert wurde. Passenderweise wird Krahs jüngst im Verlag seiner Freunde von Schnellroda erschienenes Buch „Politik von rechts. Ein Manifest“ im Doppelpack mit einem Buch des IB-Chefideologen Martin Sellner angeboten.

Streitbar ist Krah. So sehr, dass innerparteiliche Kritiker Entgegnungen zu Krahs Buch verfassen. Der Bundestagsabgeordnete Norbert Kleinwächter, einst Hoffnungsträger des mittlerweile versprengten Meuthen-Lagers, hat auf seiner Internetseite einen fünfseitigen Text veröffentlicht, in dem er Krahs Manifest anhand umfangreicher Zitate scharf kritisiert und schwere Vorwürfe erhebt. Krah erteile grundlegenden Ideen der freiheitlichen Demokratie eine Absage, wirft der Gymnasiallehrer für Englisch und Französisch ihm vor. Denke man seine Ideen rechter Politik zu Ende, würde das in einem „brutalen Führer- und Gewaltstaat“ enden, schreibt Kleinwächter.

Krahs habe Feindbild: Den „woken Westen“ und seinen „universalen Machtanspruch“

Krah habe ein deutliches Feindbild, und zwar den „woken Westen“, so Kleinwächter. Dieses Feindbild stehe über allem und gelte auch geopolitisch. „Nicht Russland, nicht China, nicht Indien, nicht Afrika, nicht die islamische Welt bedrohen unsere Existenz. Auch sie agieren letztlich defensiv gegen den universalen Machtanspruch des woken Westens“, zitiert Kleinwächter aus Krahs Buch. Die aus dem Westen kommende Idee unveräußerlicher, absoluter Menschenrechte, die allen Menschen in gleichem Maße zukommen, lehne Krah als Teil dieses westlichen „Machtanspruchs“ ab.

Norbert Kleinwächter sitzt seit 2017 für die AfD im Bundestag und ist seit 2021 stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Er gilt parteiintern als scharfer Kritiker des Rechtsaußen-Lagers um Björn Höcke, hat in seinem Landesverband (Brandenburg) aber nur wenig Rückhalt.

Krah bestreitet die Vorwürfe und spricht von „Polemik“

Kleinwächter, stellvertretender Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion, wurde im Vorfeld des Magdeburger Parteitages als möglicher Gegenkandidat zu Krah gehandelt. Er trat aber nicht an und war auch nicht von seinem brandenburgischen Landesverband unter die Delegierten gewählt worden.

In einem Interview mit dem Sender Phoenix, das am Rande des Parteitages entstanden ist, wies Krah die Vorwürfe Kleinwächters als unbegründet zurück und nannte dessen Entgegnung eine „Polemik“. Es handele sich um „aus böswilligen Textverkürzungen und -verfälschungen zusammenfabrizierte Vorwürfe“, die keiner Diskussion „würdig“ seien, sagte Krah.

Ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit ist die Geschäftsgrundlage dieser Neuen Rechten.

Volker Weiß (Historiker)

Eine Aussage, die vor der Tatsache gewertet werden kann, dass „ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit [...] die Geschäftsgrundlage dieser neuen Rechten“ ist, wie der Historiker Volker Weiß einmal für die taz über die Rechtsextremisten aus dem Umfeld des „Instituts für Staatspolitik“ geschrieben hat. Weiß gilt seit seinem 2017 vorgelegten Buch „Die autoritäre Revolte“ als einer der maßgeblichen Kenner der Neuen Rechten.

Das Wort „Demokratie“ kommt offenbar nur einmal in Krahs Buch vor

Kleinwächter macht in seiner Schrift darauf aufmerksam, dass das Wort „Demokratie“ in Krahs Buch offenbar nur ein einziges Mal vorkommt. Bezeichnenderweise in einem Satz, der zugleich auf die einschlägige antisemitische Verschwörungserzählung vom „Great Reset“ referiert: „Um den ‚Great Reset‘ zu vereiteln, muss die Demokratie auf nationaler Ebene erhalten und gestärkt werden“, zitiert Kleinwächter aus dem Buch.

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