AfD-Todesfälle führen zu Spekulationen: Verschwörungstheorien auf X – Parteivize widerspricht
VonFelix Busjaeger
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Sechs AfD-Politiker sterben vor der NRW-Wahl. Einige im Netz glauben, das gehe nicht mit rechten Dingen zu. Alice Weidel mischt sich ein. Was bekannt ist.
Berlin – Inzwischen soll ihre Zahl auf sechs gestiegen sein: Vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen werden tote AfD-Politiker gemeldet. Im Internet sprießen in der Folge teilweise wilde Spekulationen. Es wird in den Raum gestellt, in Deutschland sei man zu politischen Morden übergegangen. Selbst AfD-Chefin Alice Weidel teilt auf X einen Post, in dem es heißt, dass die Zahl der toten AfD-Politiker in NRW „statistisch fast unmöglich“ sei. Auch Tech-Milliardär Elon Musk teilt die Nachricht.
Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel
Die Spekulationen um die toten AfD-Politiker vor der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen erreichen schnell ein Milliionenpublikum. Der Landesvizechef der Partei Kay Gottschalk versucht nun, Verschwörungstheorien entgegenzuwirken. Auch die Polizei wirkt der Entwicklung entgegen. Hinweise auf Fremdverschulden gibt es nicht.
Tote AfD-Politiker in NRW: Vor Kommunalwahl machen Verschwörungen die Runde
Knapp zwei Wochen vor der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen sorgte zunächst der Tod von vier AfD-Kandidaten für Aufsehen. Bereits am Montag, dem 1. September, stellten die zuständigen Polizeibehörden klar, dass es gegenwärtig keine Hinweise auf Fremdverschulden geben würde. Hinzukommt: Auch Kandidaten anderer Parteien und Wählervereinigungen seien nach ihrer Aufstellung zu den Wahlen gestorben. Mindestens zehn Fälle seien bekannt, hieß es am Montag.
Neben den vier bereits bekannten Todesfällen in den Reihen der AfD bestätigte ein Sprecher laut Politico den Tod von zwei weiteren Männern. Bei ihnen soll es sich um Kandidaten von der Reserveliste handeln. Im Berlin Playbook Podcast des Mediums erklärte Gottschalk, was ihm zurzeit vorliege, „bestätigt zumindest diese Verdachtsmomente im Moment nicht“. Zugleich räumte er ein, dass die Fälle geprüft werden sollen, „ohne gleich in ein verschwörungstheoretisches Fahrwasser zu kommen“.
Partei-Vize äußert sich zu AfD-Todesfällen – „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“
„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, so das Credo von Gottschalk im Zusammenhang mit den toten AfD-Politikern vor der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen. Im rechten Spektrum wurden die Todesfälle um frei erfundene Weidel-Aussagen erweitert. Laut T-Online stellte ein Sprecher der Politikerin klar, dass die Partei-Chefin zu keinem Zeitpunkt die Vorfälle als Weckruf bezeichnet habe. Dennoch verbreiten sich die Verschwörungserzählungen weiter.
Aufsteller mit dem Schriftzug „Alternative für Deutschland“ und dem Logo der AfD. Rund 13,7 Millionen Bürger dürfen am 14. September in Nordrhein-Westfalen darüber abstimmen, wer in den nächsten fünf Jahren die Geschicke vor Ort bestimmen darf. Nun gab es mehrere AfD-Todesfälle. (Symbolbild)
Gottschalk suchte die Öffentlichkeit auch bei Welt: Der Politiker stellte klar, dass der Landesverband bereits seit mehreren Tagen über das Thema beraten würde. Von „voreiligen Schlüssen“ würde er allerdings nichts halten. Annahmen aus der Ferne würde er persönlich als „befremdlich“ empfinden. Auf Rückfrage wagte er keine Prognose, wie sich die AfD-Todesfälle auf die Kommunalwahl auswirken könnten. Eine Politico-Redakteurin ordnete die aktuelle Entwicklung ein, dass es grundsätzlich zum Narrativ der Partei passen würde, teilweise missverständliche oder doppeldeutige Aussagen offenzulassen, um Interpretationsspielraum zu lassen. Sie mutmaßte, dass die Todesfälle der AfD zusätzliche Wählerstimmen bescheren könnte.
Vor NRW-Wahl: Wegen AfD-Todesfällen verlieren Wahlscheine Gültigkeit
In einem Bundesland wie Nordrhein-Westfalen mit mehr als 18 Millionen Einwohnern werden für eine Kommunalwahl, bei der Bürgermeister, Stadt- und Kreistage sowie Landräte gewählt werden, Tausende Kandidaten aufgestellt. Das NRW-Innenministerium teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, auch Kandidaten anderer Parteien und Wählervereinigungen seien nach ihrer Aufstellung zu den Wahlen gestorben. Die Todesfälle haben Auswirkungen auf die Wahl: Stimmzettel müssen kurzfristig neu gedruckt werden und Briefwähler müssen neu wählen. Die in dem betroffenen Wahlbezirk bereits ausgestellten Wahlscheine verlieren ihre Gültigkeit.
Da die Kommunalwahlen in NRW durch die jeweiligen Kommunen in eigener Verantwortung durchgeführt werden, bestehe keine Meldeverpflichtung derartiger Todesfälle gegenüber der Landeswahlleiterin. Ein genauer Überblick ist also nicht vorhaben. Es lägen aber keine Erkenntnisse vor, dass die Anzahl der Todesfälle signifikant erhöht wäre, hieß es auf Nachfrage der Nachrichtenagentur. Angesichts des langen Zeitraums zwischen der Aufstellung der Bewerber und der Wahl sieht das Kommunalwahlgesetz die Möglichkeit der Nachwahl vor, wenn ein Bewerber noch vor dem Wahltag stirbt. Eine solche Nachwahl kann, wenn es der zeitliche Ablauf zulässt, auch am Tag der eigentlichen Kommunalwahlen stattfinden. (fbu/dpa)