Schwarz-Rot gespalten

AfD-Verbots: Schwesig formuliert Verdacht – „wird versuchen, sich zum Märtyrer zu machen“

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Schwarz-Rot streitet über AfD-Verbot. Mit Schwesig plädiert ein weiteres SPD-Schwergewicht für ein Verfahren, gibt jedoch gleichzeitig zu bedenken.

Schwerin – Die vorübergehende Einstufung der AfD durch den Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Vereinigung hat die Debatte über ein Verbot der Partei zurück an die Spitze der politischen Tagesordnung katapultiert. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor den gesellschaftlichen Folgen eines AfD-Verbots warnt, zeigt sich die SPD klar offen für ein Verbotsverfahren. Neben Parteichef Lars Klingbeil positioniert sich jetzt auch ein weiteres SPD-Schwergewicht bei dem Thema und spricht über mögliche Reaktionen aus den Reihen der AfD.

SPD-Ministerpräsidentin Schwesig offen für AfD-Verbot: „Pflicht aus dem Grundgesetz“

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zeigte sich im Interview mit Politico offen für ein AfD-Verbotsverfahren. Die SPD-Politikerin betonte jedoch, dass es sich dabei um eine verfassungsrechtliche und keine politische Entscheidung handle. „Ich finde, es darf nicht der Eindruck entstehen, dass man einfach politisch entscheidet nach dem Motto: ‚Die AfD gefällt uns nicht und dann wird sie verboten.‘“, sagte Schwesig. Die Ministerpräsidentin stellte jedoch weiter klar: „Wenn die rechtlichen Voraussetzungen ausreichen, dann gibt es aus meiner Sicht eine Pflicht aus dem Grundgesetz.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Debatte um AfD-Verbot: Schwesig warnt – „AfD wird immer versuchen, sich zum Märtyrer zu machen“

Warnungen davor, dass die AfD sich in einem Verbotsverfahren als Märtyrer inszenieren und von diesem politisch profitieren könnte, teilt Schwesig nur bedingt. „Egal, wie man das entscheidet, die AfD wird immer versuchen, sich zum Märtyrer zu machen“, so der Verdacht der SPD-Politikerin. Deswegen müsste man auch den politischen Kampf gegen die AfD weiterführen und die Partei inhaltlich stellen, betonte Schwesig. „Die AfD ist eine Partei gegen Mindestlohn, gegen stabile Renten und übrigens für Trumps Zollpolitik, die unsere Wirtschaft kaputt macht.“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat sich ebenfalls offen für ein AfD-Verbotsverfahren gezeigt.

Die Debatte war erneut aufgeflammt, nachdem der Verfassungsschutz Anfang Mai die gesamte AfD als gesichert rechtsextremistisch eingestuft hatte. Die AfD hat gegen die Einstufung geklagt, weswegen der Verfassungsschutz die Partei bis zu einem Urteil vorerst weiter als lediglich als „rechtsextremistischer Verdachtsfall“ führen darf. Einzelne Landesverbände, wie die AfD Thüringen um Rechtsaußen Björn Höcke werden bereits seit längerem als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.

Schwarz-Rot uneinig bei AfD-Verbot: Klingbeil offen – Merz hat Bedenken

Auch SPD-Parteichef Lars Klingbeil zeigte sich am Wochenende offen für ein Verbotsverfahren gegen die AfD. „Wenn der Verfassungsschutz feststellt, dass das eine gesichert rechtsextreme Partei ist, dann müssen alle Maßnahmen ergriffen und geprüft werden“, sagte er auf einem Parteitag der niedersächsischen SPD in Wolfenbüttel.

Deutlich kritischer blickt der Koalitionspartner der SPD im Bund auf ein juristisches Vorgehen gegen die AfD. „Ich habe mich innerlich immer dagegen gewehrt, aus der Mitte des Bundestages heraus Verbotsverfahren zu betreiben. Das riecht mir zu sehr nach politischer Konkurrentenbeseitigung“, sagte Kanzler Merz der Zeit. Auch CDU-General Carsten Linnemann bekräftige, man müsse die Partei inhaltlich bekämpfen.

Schwarz-Rot zeigt sich einmal mehr uneinig. Mit Blick auf Linnemanns Aussagen betonte Klingbeil sogar explizit: „Und wenn sich dann der Generalsekretär der CDU hinstellt und sagt, es wird kein Verbotsverfahren geben, dann sage ich euch, das ist mit uns nicht zu machen“.

Verbotsverfahren gegen die AfD? Die Hürden für ein Parteiverbot sind hoch

Die Hürden für ein Parteiverbot in Deutschland sind auch historisch bedingt hoch. „Eine Partei kann nur dann verboten werden, wenn sie nicht nur eine verfassungsfeindliche Haltung vertritt, sondern diese Haltung auch in aktiv-kämpferischer, aggressiver Weise umsetzen will“, schreibt das Bundesinnenministerium auf seiner Website. Ein entscheidender Punkt dabei ist auch, dass es möglich erscheint, dass die Partei mit ihrem politischen Handeln erfolgreich sein könnte.

An diesem Knackpunkt scheiterte das Verbotsverfahren gegen die NPD im Jahr 2017. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte die Einstufung der rechtsextremen Partei als verfassungswidrig, sah aber wegen ihrer Bedeutungslosigkeit im politischen Wettbewerb keine Rechtfertigung für ein Verbot. Im Juni 2023 nannte sich die NPD, die weiter in keinem Landtag vertreten ist, in „Die Heimat“ um. Schwesig betonte gegenüber Politico, dass man die in dem Verfahren gegen die NPD gesammelten Erfahrungen als Grundlage für ein mögliches Verfahren gegen die AfD berücksichtigen sollte.

Umfrage zeigt Bevölkerung bei AfD-Verbot gespalten

Ähnlich gespalten wie die Bundesregierung zeigt sich auch die Bevölkerung in Deutschland mit Blick auf ein AfD-Verbot. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zufolge, würden 46 Prozent der Befragten ein Parteiverbot begrüßen. 44 Prozent lehnen ein AfD-Verbot ab. Bei der Bundestagswahl im Februar erreichte die Partei 20,8 Prozent. Jeder fünfte Wähler machte somit sein Kreuz bei der AfD. (fd mit Material von dpa)

Rubriklistenbild: © Montage: Kay Nietfeld/Philip Dulian/dpa

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