Sieben Nachbarstaaten von Afghanistan haben die Taliban-Regierung aufgefordert, die Rechte von Frauen zu achten und die Bildung von Kindern sicherzustellen.
Tunxi/Berlin - Die Grundrechte aller Afghanen, einschließlich der Mitglieder ethnischer Minderheiten sowie Frauen und Kinder, müssten garantiert werden, hieß es am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung zum Abschluss der Konferenz von sieben Anrainerstaaten in Tunxi in der südostchinesischen Provinz Anhui. Teilnehmer des dritten Treffens der Anrainer waren die Außenminister oder andere hohe Vertreter aus China, Russland, Iran, Pakistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Sie forderten die seit August herrschenden Taliban ferner auf, «sichtbarere Maßnahmen» zu ergreifen, sich von terroristischen Kräften zu distanzieren. Es müsse sichergestellt werden, dass Afghanistan «keine Brutstätte» mehr für terroristische Organisationen sei.
Zu eigenen Beratungen mit den Außenministern war auch der amtierende afghanische Außenminister der Taliban, Amir Chan Muttaki, angereist. Zudem gab es ein Treffen der erweiterten Troika, zu dem China neben Russland die USA und zusätzlich Pakistan eingeladen hatte. An den Gesprächen nahmen unter anderen Chinas Außenminister Wang Yi und Russlands Außenminister Sergej Lawrow teil.
Deutschland: Entwicklungsministerin Schulze fordert „realistische Ziele“ bei Afghanistan-Hilfe
Entwicklungsministerin Svenja Schulze hat vor der UN-Geberkonferenz für mehr Realismus bei Hilfen für Afghanistan geworben. «Eine der zentralen Lehren aus 20 Jahren Engagement in Afghanistan lautet, realistische Ziele zu setzen», schrieb die SPD-Politikerin am Donnerstag in einem Gastbeitrag auf «Zeit Online». «Damit Kinder weiter in die Schule gehen und Kranke medizinisch versorgt werden können, müssen wir mitunter auch mit der örtlichen Verwaltung zusammenarbeiten. Hier geht es um die Grundversorgung der Bürgerinnen und Bürger, die ansonsten nicht gewährleistet werden kann.»
Viele Maßnahmen könnten aber auch ohne die Taliban umgesetzt werden, Regierungsferne sei ihr wichtig. «Es muss uns der Balanceakt gelingen, die Menschen in Afghanistan zu unterstützen, ohne dabei die De-facto-Talibanregierung in irgendeiner Weise zu legitimieren», schrieb Schulze. «Nichthandeln können und wollen wir uns nicht leisten.» Nach der Machtübernahme sei bei vielen im Westen der Impuls gewesen, sich aus dem Land zurückzuziehen, schrieb die 53-Jährige. «Aber nach 20 Jahren zivilem und militärischem Engagement trägt die internationale Gemeinschaft eine Verantwortung, die uns diese Art des Wegschauens verbietet.» (dpa)