Palästinenser kritisiert Hamas bei Interview in Gaza-Klinik – Reporter lässt ihn mitten im Satz stehen
VonPatrick Mayer
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Das Al-Schifa-Krankenhaus rückt im Israel-Hamas-Krieg in den Fokus. Ein Interview sorgt für Aufsehen, in dem ein Palästinenser die Terrormiliz harsch kritisiert.
Hamas-Israel-Krieg: Gefechte rund um Al-Schifa-Krankenhaus in Gazastadt
Nach Angaben aus Tel Aviv war auch am Donnerstag (16. November) das Al-Schifa-Krankenhaus Teil der Gefechte. Israelische Soldatinnen und Soldaten durchsuchten demnach die Gebäude rund um die Klinik und wohl auch Räumlichkeiten im Krankenhaus selbst, wo palästinensischen Angaben zufolge zeitgleich zahlreiche Verletzte und Verwundete behandelt wurden.
Die Israelis behaupten jedoch, dass die Hamas unter der Klinik Kommandostände habe. Just an jenem Ort kritisierte vor wenigen Tagen ein offenbar verwundeter Palästinenser die Terrormiliz im Interview mit dem arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera - woraufhin der Reporter das Gespräch kurzerhand abbrach und den verletzten Mann einfach stehenließ.
Al-Jazeera reporter interviews a wounded elderly man at a Gaza hospital about how he got hurt.
His answer?
“Why is Hamas hiding among us civilians? Why don’t they go to hell and hide there instead?"
Ein Video von dem Interview kursiert aktuell bei X (vormals Twitter). Laut Nachrichtenportal t-online wurde es bereits am 5. November geführt. Der interviewte Mann beschwerte sich demnach bei dem Reporter: „Was hier passiert, ist kriminell. Warum versteckt sich die Hamas zwischen uns? Warum fahren sie nicht zur Hölle und verstecken sich dort? Sie sind nicht unser Widerstand.“
Hamas-Israel-Krieg: Terrormiliz herrschte im Gazastreifen diktatorisch
Zur Einordnung: Die radikalislamistische Hamas hatte den Gazastreifen seit 2007 unter ihrer Kontrolle. Laut Einschätzung etlicher westlicher Experten herrschte die Terrormiliz dort zuletzt diktatorisch.
„Die Hamas ist ein komplexes Konstrukt aus mehreren Armen. In Gaza sitzt der militärische Arm, der auch den Terror am 7. Oktober in Israel ausgeführt hat. Daneben gibt es den politischen Arm der Hamas. Die und die Spitzen des Politbüros sitzen gar nicht in Gaza, sondern in Luxushotels in Doha in Katar, teilweise auch in Beirut“, erklärte der Nahostexperte Dr. Andreas Böhm von der Universität St. Gallen im Interview mit Fr.de von IPPEN.MEDIA.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Böhm meinte weiter: „Und dann ist da auch noch die soziale Bewegung der Hamas, eine islamistische Wohlfahrtsorganisation wie die Muslimbrüder. Sie verteilt Leistungen an ihre Anhänger und Klientel. Selbst wenn Israel versucht, den militärischen Arm der Hamas zu eliminieren, sind die sozialen und politischen Bewegungen immer noch da.“ Ein anderer Beobachter glaubt derweil, dass die Hamas Opfer unter der Zivilbevölkerung billigend in Kauf nimmt - wie den offensichtlich verzweifelten Mann aus dem Interview.
Hamas-Israel-Krieg: Terrormiliz nimmt laut Experte zivile Opfer in Kauf
„Die Kämpfer tragen keine Uniformen. Sie sind kaum von Zivilisten zu unterscheiden, die sie bewusst als menschliche Schutzschilde verwenden. Sie hindern die Menschen daran, in den sicheren Süden Gazas zu fliehen und verminen Wohnungen“, sagte der Militär- und Hamas-Experte Assaf Moghadam der taz: „Jede Militäroperation in Gaza wird unweigerlich zu zivilen Opfern führen. Für die Hamas ist jeder tote Palästinenser gute Publicity gegen Israel.“
Hamas-Israel-Krieg: Katar gilt als finanzieller Unterstützer der Terrormiliz
Kritik an der Hamas ist trotz der blutigen Kämpfen und dem Sterben auf allen Seiten dagegen wohl nicht willkommen. Laut t-online kam das beschriebene Reporterteam im Al-Schifa-Krankenhaus - für dessen Beschuss es international heftige Kritik gibt - wohl aus Katar. Das Emirat gilt wiederum als großer Geldgeber der Hamas. So ist häufig vom Vorwurf zu lesen, dass die Kataris die Hamas mit Hilfsgeldern finanzieren, die eigentlich zur Unterstützung der armen Zivilbevölkerung im Gazastreifen bestimmt sind. Dies konnte Katar nie widerlegen. (pm)