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Nur ein „Fehler“? Trump-Sätze zu Russland-Drohnen über Polen sorgen für Empörung

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Alarm in Polen: Das NATO-Land setzte Kampfjets gegen russische Drohnen ein. Regierungschef Tusk warnt vor Propaganda. Der News-Ticker.

Dieser Ticker ist beendet. Neue Informationen zum Ukraine-Krieg finden Sie im neuen News-Ticker.

Update, 08.27 Uhr: „Es könnte ein Fehler gewesen sein“, sagte Donald Trump am Donnerstag zu Journalisten über den Drohnen-Vorfall über Polen. Glücklich sei er mit der Situation nicht. Seine Spekulationen sorgen jetzt für ordentlich Wirbel. „Nein, es war kein Fehler“, schrieb etwa Polens Außenminister Radoslaw Sikorski auf X.

Auch Kreml-Kritiker Garry Kasparow äußerte sich im Online-Kurznachrichtenmedium. „Wie ich vorausgesagt habe, Trump ist sogar schneller darin, es einen Fehler zu nennen, als der Kreml“, schrieb der frühere Schach-Großmeister. Wer nun glaube, Trump würde die Nato wirklich verteidigen, „lebt in einer Fantasiewelt“.

Donald Trump spekuliert nach dem Drohnen-Vorfall in Polen über einen Fehler.

Update vom 12. September, 5:40 Uhr: Donald Trump hat sich zurückhaltend zum Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum geäußert. Er schloss ein Versehen Moskaus nicht aus: „Es könnte ein Fehler gewesen sein“, sagte Trump am Donnerstag vor der Presse.

Transparenzhinweis

Die hier verarbeiteten Informationen stammen von Nachrichtenagenturen und internationalen Quellen, aber auch von Kriegsparteien im Ukraine-Krieg. Die Angaben zum Ukraine-Krieg lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Update, 22:01 Uhr: Vor dem bevorstehenden gemeinsamen Großmanöver von Russland und Belarus hat die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, Polen wegen der Schließung von Grenzübergängen eine Eskalation vorgeworfen. Die „konfrontativen Maßnahmen“ der polnischen Regierung seien darauf ausgelegt, „eine weitere Verschärfung der Spannungen im Herzen Europas zu rechtfertigen“, erklärte sie auf Telegram. Zudem forderte sie Polen auf, die Grenze zu Belarus offenzuhalten: „Wir fordern Warschau auf, die Folgen solcher kontraproduktiven Schritte zu bedenken und die Entscheidung so schnell wie möglich zu revidieren.“

Polen hat derweil eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt. Das teilte das polnische Außenministerium in Warschau auf X mit. Das Treffen solle am Freitag um 21 Uhr MESZ stattfinden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in New York aus Diplomatenkreisen. 

Frankreich stellt Kampfjets für NATO-Ostgrenze bereit

Update, 21:00 Uhr: Frankreich stellt drei Rafale-Kampfjets bereit, um die NATO-Ostgrenze zu überwachen, nachdem russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen sind. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte am Donnerstag, dass Frankreich sich „am Schutz des polnischen Luftraumes beteiligen“ werde. Zuvor hatte Deutschland angekündigt, die Zahl seiner zur Überwachung eingesetzten Eurofighter-Kampfjets von zwei auf vier zu erhöhen.

Update, 19:43 Uhr: Das schwedische Außenministerium hat als Reaktion auf die Verletzung des polnischen Luftraums durch zahlreiche russische Drohnen den russischen Botschafter einbestellt. Nach einem Treffen mit dem Botschafter erklärte die schwedische Außenministerin Maria Malmer Stenergard am Donnerstag: „Die russischen Verstöße sind inakzeptabel und stellen eine Gefahr für Europas Sicherheit dar.“ In dem Gespräch wurde zudem „Polens Recht, seine territoriale Integrität zu wahren und seinen Luftraum zu verteidigen“ betont.

Russlands Drohnen verletzen Polens Luftraum und offenbaren NATO-Schwäche an der Ostflanke

Update, 18:36 Uhr: Die Schwächen in der Verteidigung der NATO-Ostflanke wurden durch die Verletzung des polnischen Luftraums durch Russland deutlich. Während Polen und die NATO lediglich etwa 20 Prozent der russischen Drohnen abschießen konnten, gelang es der Ukraine, rund 90 Prozent der Drohnen zu zerstören. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bot den Verbündeten der Ukraine seine Unterstützung an, um ein „mehrschichtiges Verteidigungssystem“ gegen Drohnen zu entwickeln.

Selenskyj erklärte auf X seine Bereitschaft, die im Ukraine-Krieg gesammelten Erfahrungen mit Polen und anderen europäischen Partnern zu teilen. „Dies muss eine gemeinsame Anstrengung sein, damit jede Nation ihre Bevölkerung schützen kann.“ Er betonte: „Die Ukraine verfügt über einzigartige Erfahrungen beim Aufbau eines mehrschichtigen Verteidigungssystems: Luftabwehr, mobile Feuergruppen, Abfangdrohnen, Flugzeuge, Hubschrauber und mehrere Ebenen der elektronischen Kriegsführung. Nur so lassen sich massive Angriffe abwehren. Und heute verfügt außer der Ukraine und Russland niemand über ein solches System.“

Update, 17:17 Uhr: Die Bundeswehr intensiviert ihre Aktivitäten zur Überwachung des Luftraums über Polen als Reaktion auf den Vorfall mit russischen Drohnen. Das Bundesverteidigungsministerium informierte am Donnerstag darüber, dass die Anzahl der eingesetzten Eurofighter von zwei auf vier erhöht werde. Außerdem werde der Einsatz, der ursprünglich bis Ende September vorgesehen war, nun bis Ende Dezember fortgesetzt.

Stubb zu Gast in Ukraine: Selenskyj fordert „starke Schritte“ nach Polen-Vorfall

Update, 17:03 Uhr: Der finnische Präsident Alexander Stubb ist heute in Kiew angekommen, um über Sicherheitskooperation und Sanktionen gegen Russland zu sprechen. In Kiew traf er sich mit Präsident Wolodymyr Selenskyj. Zudem besuchte er die Gedenkwand für die im Ukraine-Krieg gefallenen Soldaten. Besondere Beachtung fand die russische Verletzung des polnischen Luftraums am Vortag. Laut dem Kyiv Independent betonte Selenskyj: „Starke Schritte sind nötig – nicht nur von Europa – starker Druck, der das Potenzial der russischen Kriegstreiberei wirklich begrenzt.“

Update, 15:36 Uhr: Der UN-Sicherheitsrat wird sich am Freitag mit dem Vorfall der Verletzung des polnischen Luftraums durch zahlreiche russische Drohnen auseinandersetzen. Die südkoreanische Präsidentschaft des UN-Gremiums informierte am Donnerstag in New York, dass die Beratungen um 15.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MESZ) stattfinden sollen. Mehrere Mitglieder des Sicherheitsrats, darunter die Veto-Mächte Großbritannien und Frankreich sowie Slowenien, das sowohl NATO- als auch EU-Mitglied ist, hätten den Antrag der polnischen Regierung auf eine solche Sitzung unterstützt.

EU-Finanzhilfen für die Ukraine: Insgesamt 170 Milliarden Euro für Unterstützung im Ukraine-Krieg

Update, 14:44 Uhr: Die Europäische Union hat der Ukraine eine weitere Milliarde Euro als Finanzhilfe bereitgestellt. Diese Summe wird als Darlehen gewährt und soll durch Zinserträge aus eingefrorenem russischem Staatsvermögen in der EU zurückgezahlt werden. Die EU-Kommission betonte, dass die EU mit dieser Auszahlung ihre Position als größter Unterstützer der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges festige. Insgesamt belaufe sich die Unterstützung auf über 170 Milliarden Euro.

Die Hilfe ist Teil eines Plans der G7, der bis 2027 neue Hilfszahlungen in Höhe von etwa 45 Milliarden Euro vorsieht. Die EU trägt dazu 18,1 Milliarden Euro bei, und mit der aktuellen Auszahlung seien seit Jahresbeginn bereits zehn Milliarden Euro geflossen. Zur Tilgung aller Darlehen sollen die Erträge aus dem eingefrorenen russischen Staatsvermögen genutzt werden.

Update, 14:00 Uhr: Russland weist die Kritik aus Warschau und anderen europäischen Hauptstädten am Eindringen mutmaßlich russischer Drohnen in den polnischen Luftraum zurück. An der Rhetorik aus Warschau sei nichts Neues, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut Reuters. Russland werde sich nicht weiter äußern, da das Verteidigungsministerium bereits eine Stellungnahme abgegeben habe. Polen, die Ukraine und Litauen hatten den Drohnen-Vorfall vom Mittwoch als bewusste Provokation Russlands bezeichnet.

Polen, Ukraine, Litauen: Drohnen-Einflug bewusste Provokation

Update, 13:00 Uhr: Die Außenminister von Polen, der Ukraine und Litauen haben das Eindringen mutmaßlich russischer Drohnen in den polnischen Luftraum scharf verurteilt. In einer gemeinsamen Erklärung bezeichneten sie den Vorfall der Nachrichtenagentur Reuters zufolge als eine bewusste und beispiellose Provokation Russlands.

Update, 11:55 Uhr: Wegen des Eindringens russischer Drohnen in seinen Luftraum hat Polen eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt. Das teilte das polnische Außenministerium in Warschau auf X mit. Außenminister Radoslaw Sikorski sagte in einem Radiointerview, Polen wolle „die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf diesen beispiellosen Angriff russischer Drohnen auf einen Mitgliedstaat nicht nur der UN, sondern auch der Europäischen Union und der Nato“ lenken. Angaben darüber, wann der Sicherheitsrat in New York beraten soll, machte Polen bisher nicht. Russland ist in dem Gremium eine der fünf Vetomächte und kann eine Verurteilung seines Verhaltens blockieren.

Polen schränkt Luftverkehr nach Drohnen-Abschuss an Ostgrenze ein

Update, 10:55 Uhr: Polen hat nach dem Abschuss mutmaßlich russischer Drohnen den Luftverkehr entlang seiner Ostgrenzen zu Belarus und der Ukraine eingeschränkt. Dies teilte das Operative Kommando der polnischen Streitkräfte am Donnerstag mit. Die polnische Flugsicherungsagentur erklärte, auf Antrag des Militärs sei eine Flugverbotszone im Osten des Landes eingerichtet worden.

Die Einschränkungen traten am Mittwochabend in Kraft und gelten bis zum 9. Dezember. Tagsüber sind Flüge in der Zone verboten, es sei denn, es handelt sich um bemannte Flugzeuge mit Flugplan und Funkkontakt zu den Behörden. Nachts gilt ein vollständiges Flugverbot mit Ausnahme von Militärflügen. Für zivile Drohnen gilt ein 24-stündiges Flugverbot.

Update, 10:15 Uhr: Der polnische Regierungschef Donald Tusk hat nach dem Eindringen mehrerer russischer Drohnen in Polens Luftraum vor Desinformationskampagnen Russlands gewarnt. Zugleich mahnte Tusk, diese nicht weiterzuverbreiten. „Die Verbreitung russischer Propaganda und Desinformation in der heutigen Situation ist ein Akt zum Schaden des polnischen Staates, der direkt auf die Sicherheit des Vaterlandes und seiner Bürger abzielt“, schrieb Tusk auf X. Dummheit und bestimmte politische Ansichten könnten nicht als „mildernde Umstände“ für diese Handlungen gelten.

Polen ruft nach Drohnen-Abschuss UN-Sicherheitsrat an

Update vom 11. September, 9:30 Uhr: Der UN-Sicherheitsrat befasst sich auf Antrag der Regierung in Warschau in einer Dringlichkeitssitzung mit der Verletzung des polnischen Luftraums durch Russland. Das teilte das polnische Außenministerium mit. Polen hatte in der Nacht zum Mittwoch mit Unterstützung von Nato-Verbündeten mehrere russische Drohnen abgeschossen, die in seinen Luftraum eingedrungen waren. Es ist das erste Mal seit Beginn des Ukraine-Krieges, dass ein Nato-Mitglied russisches Militärgerät über dem eigenen Territorium zerstört hat.

Update, 22:05 Uhr: Polens Staatschef Karol Nawrocki hat wegen des Eindringens russischer Drohnen in den polnischen Luftraum mit seinem US-Amtskollegen Donald Trump telefoniert. Dies sei Teil der Konsultationen, die er mit den Verbündeten geführt habe, schrieb Nawrocki auf X. „Die heutigen Gespräche haben die Einigkeit der Bündnispartner bestätigt.“

Update, 21:44 Uhr: Nach dem Eindringen zahlreicher russischer Kampfdrohnen in den polnischen Luftraum hat Bundeskanzler Friedrich Merz vor einer Gefährdung des Friedens in Europa gewarnt. Er teile die Einschätzung des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, „dass dies eine ernsthafte Bedrohung für den Frieden in ganz Europa darstellt“, erklärte Merz. Die Angriffe seien eine „neue Dimension der Aggression, die wir aus Russland beobachten“. Zudem stimme er mit Tusk überein, dass „die russische Behauptung, es handle sich um einen Zufall oder ein Versehen, nicht glaubwürdig ist“. Die Konsequenzen des Vorfalls müssten nun innerhalb der NATO und der EU diskutiert werden, so Merz weiter.

Er hob hervor, dass die NATO-Luftabwehr zwar grundsätzlich funktioniert habe, jedoch „offensichtlich nicht gut genug, um das Eindringen einer so großen Anzahl von Drohnen in den polnischen Luftraum frühzeitig zu verhindern“. Dies werde innerhalb der Nato sicherlich zu weiteren Diskussionen führen. Merz betonte zudem, dass Deutschland und die NATO entschlossen seien, „die Verteidigungsbereitschaft und die Verteidigungsfähigkeit des europäischen Bündnisteils erheblich zu stärken“.

Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion. Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland.
Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion.  © Ukrainian Presidents Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj
Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland. © Imago
Selenskyj kandidiert in der Ukraine
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig.  © dpa
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig. Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland.
Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland. © Alexander Gusev/Imago
Seit 2003 ist Selenskyj mit Olena Wolodymyriwna Kijaschko verheiratet. Sie gingen auf dieselbe Schule, lernten sich aber erst während ihres Studiums des Bauingenieurwesens an der Universität in ihrer Heimatstadt Krywyj Rih kennen. Das Paar hat zwei Kinder, Tochter Oleksandra (geboren 2004) und Sohn Kyrylo (geboren 2013). Im Dezember 2019 landete Olena Selenska auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Ukraine auf Platz 30. Nummer eins war ihr Ehemann.
Seit 2003 ist Selenskyj mit Olena Wolodymyriwna Kijaschko verheiratet. Sie gingen auf dieselbe Schule, lernten sich aber erst während des Studiums an der Universität in ihrer Heimatstadt Krywyj Rih kennen.  © Vadim Ghirda/dpa
Stichwahl um Präsidentenamt in der Ukraine
Das Paar hat zwei Kinder, Tochter Oleksandra (geboren 2004) und Sohn Kyrylo (geboren 2013). Im Dezember 2019 landete Olena Selenska auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Ukraine auf Platz 30. Nummer eins war ihr Ehemann. © dpa
Arte - Diener des Volkes
Mit Politik hatte Selenskyj lange nichts am Hut. Dann legte eine populäre Fernsehserie den Grundstein für seinen politischen Durchbruch. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“, die im April 2022 auch auf Arte lief, trat Selenskyj 2015 als Geschichtslehrer auf. © Arte/dpa
Mit Politik hatte Selenskyj lange nichts am Hut. Dann legte eine populäre Fernsehserie den Grundstein für seinen politischen Durchbruch. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“, die im April 2022 auch auf Arte lief, trat Selenskyj 2015 als Geschichtslehrer auf. Von der Korruption in der ukrainischen Politik angewidert, stürzt sich seine Figur in den Wahlkampf und wird zum Präsidenten gewählt. Selenskyj nahm sich das Drehbuch zum Vorbild und verkündete am Silvesterabend 2018 seine Kandidatur für die Wahl Präsidentschaftswahl.
Von der Korruption in der ukrainischen Politik angewidert, stürzt sich seine Figur in den Wahlkampf und wird zum Präsidenten gewählt. Selenskyj nahm sich das Drehbuch zum Vorbild und verkündete am Silvesterabend 2018 seine Kandidatur für die Wahl Präsidentschaftswahl.  © Arte/dpa
Vereidigung von Selenskyj als neuer Präsident der Ukraine
Die Unzufriedenheit mit dem damaligen Staatschef Petro Poroschenko verhalf Selenskyj zum Sieg. Am 20. Mai 2019 trat er das Amt des ukrainischen Präsidenten an. Er erhielt zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland, so zum Beispiel von Donald Trump, Emmanuel Macron oder Justin Trudeau. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach ihm ihre Glückwünsche aus und lud ihn nach Berlin ein.  © Evgeniy Maloletka/dpa
Die Unzufriedenheit mit dem damaligen Staatschef Petro Poroschenko verhalf Selenskyj zum Sieg. Am 20. Mai 2019 trat er das Amt des ukrainischen Präsidenten an. Er erhielt zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland, so zum Beispiel von Donald Trump, Emmanuel Macron oder Justin Trudeau. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach ihm ihre Glückwünsche aus und lud ihn nach Berlin ein. Anders fiel die Reaktion in Russland aus. Von Ministerpräsident Dmitri Medwedew erhielt er herablassende Ratschläge, für eine Gratulation sei es dagegen „zu früh“. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau.
Anders fiel die Reaktion in Russland aus. Von Ministerpräsident Dmitri Medwedew erhielt er herablassende Ratschläge, für eine Gratulation sei es dagegen „zu früh“. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau. © Wolfgang Kumm/dpa
Vor der Wahl hatte Selenskyj seinen Vorgänger Petro Poroschenko dafür kritisiert, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu unterhalten. Als im Oktober 2021 dann aber die Pandora Papers veröffentlicht wurden, stellte sich heraus, dass auch Selenskyj selbst Anteile an einer solchen Firma auf den britischen Jungferninseln besessen hatte. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab. Steueroasen sind in der Ukraine nicht illegal.
Vor der Wahl hatte Selenskyj seinen Vorgänger Petro Poroschenko dafür kritisiert, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu unterhalten. Diese sind in der Ukraine allerdings nicht illegal. © Sergei Chuzavkov/afp
Bitter End Yacht Club auf Virgin Gorda auf den Britischen Jungferninseln
Als im Oktober 2021 dann aber die Pandora Papers veröffentlicht wurden, stellte sich heraus, dass auch Selenskyj selbst Anteile an einer solchen Firma auf den britischen Jungferninseln besessen hatte. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab.  © Imago
Selenskyj
Selenskyj war der erste Präsident in der Geschichte der Ukraine, der eine konfrontative Politik gegenüber Oligarchen führte. Unter anderem gründete er einen Nationalen Sicherheitsrat, der Sanktionen gegen Oligarchen verhängen kann. © Evgen Kotenko/Imago
Selenskyj war der erste Präsident in der Geschichte der Ukraine, der eine konfrontative Politik gegenüber Oligarchen führte. Unter anderem gründete er einen Nationalen Sicherheitsrat, der Sanktionen gegen Oligarchen verhängen kann – und dies zum Beispiel gegen Wiktor Medwedtschuk tat. Der wies alle Anschuldigungen zurück. Die Sanktionen froren seine Vermögenswerte ein und hinderten ihn daran, Geschäfte in der Ukraine zu tätigen. Medwedtschuk, der aufgrund einer Anklage wegen Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte im Februar 2022 unter. Im April 2022 wurde er vom Inlandsgeheimdienst festgenommen und im September 2022 bei einem Gefangenenaustausch Russland übergeben.
Er setzte das Mittel zum Beispiel gegen Wiktor Medwedtschuk ein. Der wies alle Anschuldigungen zurück. Die Sanktionen froren seine Vermögenswerte ein und hinderten ihn daran, Geschäfte in der Ukraine zu tätigen. Medwedtschuk, der aufgrund einer Anklage wegen Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte im Februar 2022 unter. Im April 2022 wurde er vom Inlandsgeheimdienst festgenommen und im September 2022 bei einem Gefangenenaustausch Russland übergeben. © Instagram Account of Volodymyr Zelensky/afp
Schon früh in seiner Amtszeit musste sich Selenskyj mit den Wünschen und Forderungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen. So soll Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am 25. Juli 2019 aufgefordert haben, als Gegenleistung für Militärhilfe in Höhe von fast 400 Millionen Dollar Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps möglichen Gegenspieler bei der US-Wahl 2020, einzuleiten. Biden soll einst als US-Vizepräsident die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts veranlasst haben, um seinen Sohn Hunter Biden, der bei einem ukrainischen Erdgaskonzern tätig war, vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Das Telefonat, das im August 2020 bekannt wurde, löste in den USA später die „Ukraine-Affäre“ aus.
Schon früh in seiner Amtszeit musste sich Selenskyj mit den Wünschen und Forderungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen. So soll Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am 25. Juli 2019 aufgefordert haben, als Gegenleistung für Militärhilfe in Höhe von fast 400 Millionen Dollar Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps möglichen Gegenspieler bei der US-Wahl 2020, einzuleiten.  © Saul Loeb/afp
Joe Biden Hunter
Biden soll einst als US-Vizepräsident die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts veranlasst haben, um seinen Sohn Hunter Biden (hinten), der bei einem ukrainischen Erdgaskonzern tätig war, vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Das Telefonat, das im August 2020 bekannt wurde, löste in den USA später die „Ukraine-Affäre“ aus. © Imago
Selenskyjs Amtszeit wurde von Beginn an vom Verhältnis zu Russland überschattet. Schon in seiner Antrittsrede bezeichnete Selenskyj die Beendigung des Krieges im Donbass als seine vorrangige Aufgabe. Während des Ukraine-EU-Gipfels im Juli 2019 in Kiew schlug Selenskyj in einer Videobotschaft an Wladimir Putin direkte Gespräche in der belarussischen Hauptstadt Minsk vor. Daran sollten nach Selenskyjs Plan auch US-Präsident Donald Trump, die britische Regierungschefin Theresa May, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am 11. Juli 2019 kam es immerhin zu einem ersten Telefongespräch zwischen Selenskyj und Putin.
Selenskyjs Amtszeit wurde von Beginn an vom Verhältnis zu Russland überschattet. Schon in seiner Antrittsrede bezeichnete Selenskyj die Beendigung des Krieges im Donbass als seine vorrangige Aufgabe. Während des Ukraine-EU-Gipfels im Juli 2019 in Kiew schlug Selenskyj in einer Videobotschaft an Wladimir Putin direkte Gespräche in der belarussischen Hauptstadt Minsk vor. © Ukraine Presidential Press Service/afp
Nach der Präsidentenwahl in der Ukraine
Daran sollten nach Selenskyjs Plan auch US-Präsident Donald Trump, die britische Regierungschefin Theresa May, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am 11. Juli 2019 kam es immerhin zu einem ersten Telefongespräch zwischen Selenskyj und Putin. © dpa
Trump, Macron, Selenskyj - Paris
Die Gespräche führten zu einem kurzfristigen Waffenstillstand in der Ostukraine, einem Gefangenenaustausch sowie zu einem Truppenrückzug in drei Gebieten an einer Demarkationslinie bis Ende März 2020. Es war das einzige Mal, dass Selenskyj mit Putin zusammentraf.  © Lafargue Raphael/Imago
Am 9. Dezember 2019 in Paris nahm Selenskyj an Verhandlungen im Normandie-Format teil, an denen der französische Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beteiligt waren. Die Gespräche führten zu einem kurzfristigen Waffenstillstand in der Ostukraine, einem Gefangenenaustausch sowie zu einem Truppenrückzug in drei Gebieten an einer Demarkationslinie bis Ende März 2020. Es war das einzige Mal, das Selenskyj mit Putin zusammentraf.
Am 9. Dezember 2019 in Paris nahm Selenskyj an Verhandlungen im Normandie-Format teil, an denen der französische Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beteiligt waren.  © Charles Platiau/afp
Selenskyj
Alle Bemühungen um einen Frieden nützten aber nichts. Im Lauf des Jahres 2021 verschärfte sich die Situation weiter. Immer häufiger besuchte Selenskyj (Mitte) Militärübungen der ukrainischen Armee, so auch am 16. Februar 2022 in der Stadt Riwne. © Imago
Alle Bemühungen um einen Frieden nützten aber nichts. Im Lauf des Jahres 2021 verschärfte sich die Situation immer weiter. Am 23. Februar 2022 versuchte Selenskyj noch einmal in einer Ansprache, den drohenden Krieg abzuwenden. Darin wendete er sich vor allem an die Menschen in Russland: „Wenn wir angegriffen werden, wenn man unser Land, unsere Freiheit, unser Leben und das Leben unserer Kinder zu nehmen versucht, werden wir uns verteidigen“, sagte Selenskyj auf Russisch. Es war das vorerst letzte Mal, dass man Selenskyj glatt rasiert und mit Anzug und Krawatte sah.
Am 23. Februar 2022 versuchte Selenskyj noch einmal in einer Ansprache, den drohenden Krieg abzuwenden. Darin wendete er sich vor allem an die Menschen in Russland: „Wenn wir angegriffen werden, wenn man unser Land, unsere Freiheit, unser Leben und das Leben unserer Kinder zu nehmen versucht, werden wir uns verteidigen“, sagte Selenskyj auf Russisch. Es war das vorerst letzte Mal, dass man Selenskyj glatt rasiert und mit Anzug und Krawatte sah.  © Ukrainian Presidents Office/Imago
In der Nacht zum 24. Februar begann der russische Angriff auf die Ukraine. In Kiew kam es zu den ersten Krisensitzungen. Acht Jahre nach der Krim-Annexion eskalierte der Ukraine-Krieg.
In der Nacht zum 24. Februar 2022 begann der russische Angriff auf die Ukraine. In Kiew kam es zu den ersten Krisensitzungen. Acht Jahre nach der Krim-Annexion im März 2014 eskalierte der Ukraine-Krieg.  © Imago
London, United Kingdom
Im Westen war die Solidarität mit der überfallenen Ukraine groß. Der Regierungssitz im Vereinigten Königreich leuchtete in den ukrainischen Farben.  © Hesther Ng/Imago
In der Nacht zum 24. Februar begann der russische Angriff auf die Ukraine. Danach sollen die USA Selenskyj angeboten haben, ihm bei der Flucht zu helfen. Selenskyj lehnte an, er und seine Regierung blieben in Kiew, auch als russische Truppen auf die Hauptstadt vorrückten. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete Selenskyjs Antwort: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Seitdem ist er zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden.
Die USA sollen Selenskyj angeboten haben, ihm bei der Flucht zu helfen. Selenskyj lehnte an, er und seine Regierung blieben in Kiew, auch als russische Truppen auf die Hauptstadt vorrückten. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete Selenskyjs Antwort: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Seitdem ist er zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden. © Ukraine Presidency/afp

Tusk nennt neue Details nach Drohnen-Vorfall in Polen

Update, 20:25 Uhr: Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat mitgeteilt, dass das Land konkrete Hilfsangebote zur Luftverteidigung von seinen europäischen Verbündeten erhalten habe. Auf X schrieb Tusk, er habe Gespräche mit Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem britischen Premierminister Keir Starmer, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni sowie Nato-Generalsekretär Mark Rutte geführt. Details zu den zugesagten Unterstützungsmaßnahmen nannte er jedoch nicht.

Update, 19:45 Uhr: Der scheidende Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, rät zu größtmöglichen Anstrengungen beim weiteren Aufbau der Abwehr von Drohnen. Engpass sei dabei die Beschaffung neuer und auch schon bestellter Waffensysteme, sagte Mais in Berlin. „Eine unserer größten Schwächen momentan ist die nach wie vor nicht materialisierte Befähigung zur Abwehr von Drohnen, zur Abwehr aus dem bodennahen Luftraum“, sagte Mais, der auf eine Frage nach Schlüssen aus den Luftraumverletzungen in Polen reagierte.

Update, 18:19 Uhr: Donald Trump hat Russland vorgeworfen, den polnischen Luftraum verletzt zu haben. „Was ist mit Russland, das den polnischen Luftraum mit Drohnen verletzt?“ schrieb der US-Präsident auf Truth Social. Er ergänzte: „Los geht’s!“ Was Trump mit dieser Aussage genau meinte, blieb allerdings unklar.

Laut Angaben aus dem Weißen Haus plante Trump, wegen des Vorfalls mit dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki zu telefonieren. „Präsident Trump und das Weiße Haus verfolgen die Berichte aus Polen genau, und es gibt Pläne, dass Präsident Trump heute mit Präsident Nawrocki sprechen wird“, erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Bereits vor einer Woche hatte Trump Nawrocki im Weißen Haus empfangen und ihm die Unterstützung der USA für Polens Sicherheit zugesichert. „Wir stehen fest an der Seite Polens und werden helfen, das Land zu schützen“, sagte Trump.

Update, 17:48 Uhr: Polen setzt nach der Verletzung seines Luftraums durch russische Drohnen auf konkrete Unterstützung seiner Verbündeten. Dies erklärte Marcin Kazmierski, Polens Direktor für internationale Sicherheitspolitik, bei einem Treffen der Verteidigungsminister der E5-Staaten in London. Zu dieser Gruppe zählen neben Polen auch Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien.

Deutschlands Vertreter bei dem Treffen, Verteidigungsstaatssekretär Jens Plötner, äußerte sich jedoch zurückhaltend zu möglichen Maßnahmen. Eine zusätzliche Stationierung von Patriot-Luftabwehrsystemen in Polen stellte er nicht in Aussicht. Derzeit betreibt die Bundeswehr bereits zwei dieser seltenen Systeme im östlichen Nachbarland. Weitere Systeme seien an die Ukraine geliefert worden, so Plötner. Angesichts der „mörderischen Luftangriffe des russischen Militärs“ würden diese dort aktuell am dringendsten benötigt.

Merz zu Drohnen in Polen: „Russland hat Menschenleben gefährdet“

Update, 17:20 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Verletzung des polnischen NATO-Luftraums durch russische Militärdrohnen scharf kritisiert. „Russland hat Menschenleben in einem Staat gefährdet, der der NATO und der EU angehört“, erklärte der CDU-Chef laut dpa in Berlin.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte zuvor im Bundestag betont, die Drohnen seien „ganz offenkundig gezielt auf diesen Kurs gebracht worden“. Polen habe seine NATO-Verbündeten über den Vorfall informiert und die Gefahr rechtzeitig ausräumen können, so Merz weiter. „Die Bundesregierung verurteilt dieses aggressive russische Vorgehen auf das Schärfste.“ 

Pistorius schickt nach Drohnen-Abschuss Warnung an Moskau – „Strategie wird nicht aufgehen“

Update, 16:12 Uhr: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat Russlands Drohnen-Angriffe auf Polen scharf kritisiert und als direkte Bedrohung der europäischen Sicherheitsordnung eingestuft. Die Luftraumverletzungen seien eine „gezielte Provokation“ gegen die gesamte NATO, nicht nur gegen Polen, betonte er vor Journalisten.

Deutschland stehe fest an der Seite Polens und unterstütze den NATO-Konsultationsprozess nach Artikel 4, erklärte Pistorius. Russland wolle mit diesen Aktionen Unsicherheit säen, doch das Bündnis werde geschlossen und besonnen reagieren. „Diese Strategie wird nicht aufgehen“, warnte der Minister in Richtung Moskau.

Update, 15:09 Uhr: Das Verteidigungsministerium in Moskau hat dementiert, bei einem Drohnenangriff bewusst polnisches Territorium ins Visier genommen zu haben. Russland meldete einen erfolgreichen Drohnenangriff auf ukrainische Militärbasen im Westen des Landes, berichtet Reuters. Die Drohnen, „die angeblich die Grenze zu Polen überquert haben“ verfügten lediglich über eine Reichweite von 700 Kilometern, teilte das Ministerium weiter mit. Moskau erklärte sich jedoch bereit, den Vorfall in bilateralen Konsultationen mit Polen zu klären.

Drohnen über Polen abgeschossen: Wadephul kritisiert „gefährliche Eskalation“ von Putin

Update, 14:45 Uhr: CDU-Außenminister Johann Wadephul hat das Eindringen russischer Drohnen in polnischen Luftraum in der Nacht zum Mittwoch scharf kritisiert. „Russland hat damit leichtfertig eine gefährliche Eskalation in Kauf genommen“, erklärte er bei einem Treffen mit dem niederländischen Amtskollegen David van Weel in Berlin. NATO-Partner hätten mit polnischen und niederländischen Kampfjets für Sicherheit gesorgt.

Moskau verweigere Friedensverhandlungen und wolle die Ukraine unterwerfen, so Wadephul weiter. Der Sanktionsdruck auf Moskau müsse deshalb durch das geplante 19. EU-Sanktionspaket erhöht werden. Deutschland werde bei ähnlichen Vorfällen rechtliche Möglichkeiten zur Luftraumverteidigung einsetzen, erklärte der Außenminister auf Nachfrage. Die Bundesregierung bereite gesetzliche Klarstellungen vor, um Drohnen elektronisch oder kinetisch bekämpfen zu können.

Update, 14:08 Uhr: Belarus teilte mit, Polen und Litauen in der Nacht über Drohnen informiert zu haben, die in deren Luftraum eindringen könnten. Elektronische Störungen seien der Grund dafür gewesen.

Während des nächtlichen „Austauschs von Drohnenschlägen zwischen Russland und der Ukraine“ habe Belarus Fluggeräte verfolgt, die vom Kurs abgekommen seien, und einige davon zerstört, erklärte der belarussische Generalstabschef Pawel Murawejko in einer über Telegram verbreiteten Mitteilung. Dies habe Polen bei der Abwehr unterstützt. Es sei von „verirrten Drohnen“ die Rede, ohne dass deren Ursprung genannt wurde.

Tusk bestätigt: 19 Drohnen im polnischen Luftraum abgefangen – NATO geht von vorsätzlicher Tat aus

Update, 12:31 Uhr: Laut dem polnischen Medium Onet sollen insgesamt 19 Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen sein. Diese Informationen basieren auf Angaben aus Regierungskreisen. Donald Tusk bestätigte ebenfalls die Anzahl der Drohnen. Weiter heißt es: „Einige waren unbewaffnet. Wir haben aber noch keine vollständigen Daten.“ Man sei sich jedoch sicher, dass es sich um keinen „Unfall“ Russlands gehandelt habe, da das Ausmaß zu groß gewesen sei. Auch eine von Reuters zitierte NATO-Quelle erklärte, dass vorläufige Daten darauf hindeuten würden, dass das Eindringen der russischen Drohnen vorsätzlich erfolgte.

Update, 11:04 Uhr: NATO-Experte Ulrich Kühn vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik sieht in der Luftraumverletzung Russlands in Polen „volle Absicht“. Gegenüber dem Münchner Merkur von IPPEN.MEDIA erklärt er: „Wenn es stimmt, dass bis zu 20 russische Drohnen teilweise bis nach Zentralpolen geflogen sind, dann handelt es sich nicht mehr um irgendein lapidares Versehen“. Den vollständigen Artikel zum Nachlesen finden sie hier.

Erstmeldung: Warschau – Erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat Polen mutmaßlich russische Drohnen auf eigenem Hoheitsgebiet abgefangen. Die polnischen Streitkräfte setzten militärische Mittel ein, um verschiedene unbemannte Fluggeräte unschädlich zu machen, die vom ukrainischen Nachbarland aus in polnisches Territorium eingeflogen waren.

„Bei dem heutigen Angriff der Russischen Föderation auf Ziele in der Ukraine wurde unser Luftraum wiederholt von Drohnen verletzt“, erklärte die polnische Militärführung in einem offiziellen Statement. Die Armee des Landes antwortete sofort auf die Gefährdung. Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz bekräftigte den Waffeneinsatz: „Die Flugzeuge haben ihre Waffen gegen feindliche Objekte eingesetzt“. Aus Sicherheitsgründen erhielten die Einwohner der Regionen Podlachien, Masowien und Lublin die Anweisung, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

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