Russland führt mit Belarus Sapad 2025 durch: Ernstfall wird geübt
VonBabett Gumbrecht
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Trotz Spannungen mit dem Westen nach dem Drohnen-Vorfall in Polen beginnen Belarus und Russland ab Freitag ihre Militärübung. Alle Fakten zum Manöver.
Minsk/Moskau – Das geplante russisch-belarussische Militärmanöver namens „Sapad 2025“ steht kurz bevor und sorgt für Spannungen und Unruhe – vor allem bei der NATO. Kein Wunder, denn das letzte Sapad-Manöver von Russland unter Wladimir Putin und Belarus unter Alexander Lukaschenko bereitete die Invasion in die Ukraine vor. Hinzu kommt der Drohnen-Vorfall in Polen, der alle Nachbarländer in Alarmbereitschaft versetzt.
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Zum Hintergrund: Das Manöver „Sapad“ (Westen) startet am Freitag (12. September) und endet voraussichtlich am Dienstag (16. September). Laut dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, sollen bei der russisch-belarussischen Großübung rund 13.000 übende Soldaten in Belarus und weitere 30.000 Soldaten auf russischem Gebiet beteiligt sein.
Trotz Spannungen mit dem Westen: Belarus und Russland testen neue Mittelstreckenrakete „Oreschnik“
Nach Angaben aus Minsk soll das Manöver allerdings entgegen den ursprünglichen Planungen verkleinert und von der Westgrenze ins Landesinnere verlegt werden – um die Spannungen mit dem Westen zu vermeiden. Medienberichten nach wird allerdings auch der Einsatz der neuen russischen Mittelstreckenrakete „Oreschnik“ getestet, die potenziell mit Atomsprengköpfen bestückt werden kann.
Die Kyiv Post berichtet, dass die Hauptstreitkräfte der Übung auf Militärgelände in Zentral- und Nordwest-Belarus sowie in der russischen Exklave Kaliningrad nuklearen Angriffs- und Verteidigungsszenarien nachstellen. Wie aus Moskauer Regierungserklärungen hervorgeht, beteiligen sich außerdem kleinere Truppenverbände aus den russischen Militärdistrikten Moskau und Leningrad sowie Einheiten aus der Arktisregion und von der Ostsee und Barentssee an dem Manöver.
Der belarussische Staatschef Lukaschenko erklärte im August, dass sich die Übung auf gemeinsame belarussisch-russische Operationen im Atomkriegsfall konzentrieren werde, insbesondere auf den Feldeinsatz der russischen Atomrakete „Oreschnik“.
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Zur Einordnung: Bei der „Oreschnik“ handelt es sich um eine verhältnismäßig neue russische ballistische Mittelstreckenrakete, die nuklear bestückt werden kann und nach Angaben aus Moskau bis Jahresende in Belarus stationiert werden soll. Russische Regierungsvertreter geben an, dass die Waffe durch ihre Hyperschallgeschwindigkeit und Manövrierfähigkeit nicht von Abwehrsystemen erfasst werden könne, schreibt die Kyiv Post.
Sapad 2025: Fakten zum Militärmanöver zwischen Russland und Belarus
Belarus: Zentral-Belarus (Militärgelände) Nordwest-Belarus (Militärgelände) Landesinnere (verlegt von der ursprünglich geplanten Westgrenze)
Gewässer: Ostsee, Barentssee
Gesamtzahl der Soldaten:
13.000 Soldaten in Belarus; 30.000 Soldaten auf russischem Gebiet
Ziel des Manövers:
Gemeinsame belarussisch-russische Operationen im Atomkriegsfall üben und Feldeinsatz der russischen Atomrakete „Oreschnik
Russische Staatsmedien behaupteten ohne Belege, die Rakete könne beliebige Ziele in Europa binnen einer Stunde erreichen und diese mit bis zu sechs separat lenkbaren Gefechtsköpfen zerstören, die jeweils nuklear bewaffnet seien. Diese Hintergrundinformationen machen die Nachbarländer Polen, Litauen, Lettland und die Ukraine sichtlich nervös. Vor allem Warschau ist nach Verletzung des polnischen Luftraums durch zahlreiche russische Drohnen am Mittwoch (10. September) in höchster Alarmbereitschaft.
Denn in der Nacht hatte Russland die Ukraine erneut massiv mit mehr als 450 Drohnen und Raketen angegriffen. Nach Angaben des polnischen Regierungschefs Donald Tusk drangen dabei mindestens 19 Drohnen hunderte Kilometer weit in den polnischen Luftraum ein. Außer im Osten des Landes wurden sie auch im Zentrum sowie ein paar Dutzend Kilometer von der Metropole Danzig entfernt nahe der Ostseeküste gesichtet.
Nach Drohnen-Vorfall: Polen, Lettland und Litauen schließen Luftraum vor „Sapad 2025“
Ministerpräsident Donald Tusk kündigte deswegen an: „Aus Gründen der nationalen Sicherheit werden wir die Grenze zu Belarus im Zusammenhang mit den Sapad-Manövern am Donnerstag um Mitternacht schließen“. Polen befürchtet, dass bei dem Manöver Angriffe auf NATO-Gebiet geübt werden, insbesondere die Besetzung der sogenannten Suwałki-Lücke – einem 65 Kilometer breiten Landstreifen zwischen Polen und Litauen.
Es wird befürchtet, dass Russland und sein Verbündeter Belarus den 65 Kilometer breiten Landstreifen im Fall der Ausweitung des Ukraine-Krieges besetzen und den baltischen Staaten so die Nachschubwege über Land abschneiden könnten. Litauen reagierte genauso nervös auf das Manöver und schränkte ebenfalls seinen Luftraum ein. Auch Lettland schließt seinen Luftraum während der Militärübung.
Die Ukraine warnt indes ihre westlichen Partner eindringlich vor der Übung und zieht Parallelen zum Beginn der russischen Invasion 2022, da die ähnliche Sapad-2021-Übung zur Vorbereitung auf den Angriff gedient hatte. „Die Ukrainer haben angesichts der Geschichte der Zapad-Manöver gute Gründe, vorsichtig zu sein und der Übung misstrauisch gegenüberzustehen“, so Experte Joel Linnainmäki im Interview mit der taz. Laut Linnainmäki geht es dem Kreml mit „Sapad 25“ darum, Entschlossenheit zu signalisieren und die Fähigkeit zu demonstrieren, sich nicht jederzeit mit der gesamten Streitmacht in der Ukraine engagieren zu müssen. (Quellen: dpa, Kyiv Post, taz) (bg)