Leitartikel

Alaska-Gipfel zwischen Trump und Putin: Viel Lärm, wenig Substanz

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Bearbeiten Trump und Putin nicht die Probleme des Kriegs in der Ukraine, wird der geplante Gipfel keinen Frieden bringen.

Niemand sollte sich zu große Hoffnungen machen für das geplante Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin. Zwar schlichtete der US-Präsident jüngst zwischen Armenien und Aserbaidschan sowie zwischen Ruanda und Kongo. Doch diese Konflikte sind nicht mit der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 vergleichbar.

US-Präsident Donald Trump und der russische Autokrat Wladimir Putin wollen sich in Alaska treffen, um über den Krieg in der Ukraine zu sprechen. Beide waren bereits 2018 während der ersten Amtszeit Trumps in Helsinki zusammengekommen.

Vor Gipfel mit Trump – Putin wiederholt seine Maximalforderungen

Der russische Autokrat Putin hat alles für die Eroberung des Nachbarlandes unternommen und wiederholt vor dem Gipfel mit Trump seine Maximalforderungen, die einer Kapitulation Kiews gleichkommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wiederum hat zwar mit seinen europäischen Verbündeten zu Recht die bekannten Forderungen gestellt – wie, dass das Schicksal der Ukraine ohne Kiew nicht bestimmt werden kann. Doch noch haben sie sich kein Gehör verschafft.

Ein weiterer Gefangenenaustausch ist zwar in Alaska denkbar. Doch für einen nachhaltigen und dauerhaften Frieden gibt es keinerlei Hinweise. Nicht einmal ein Waffenstillstand scheint möglich. Dafür sind die Forderungen der beiden Konfliktparteien zu weit auseinander.

Russland will die eroberten und annektierten Gebiete auf der Krim sowie im Donbass zugeschrieben bekommen, was die Ukraine auf keinen Fall will. Moskau will die ukrainische Armee entwaffnen lassen und einen möglichen Beitritt des Landes in die Nato verhindern. Kiew will sich mit eigenen Streitkräften auch nach einer Waffenruhe gegen mögliche weitere russische Aggressionen verteidigen können und benötigt Sicherheitsgarantien. Daran hat Trump seit Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar nichts geändert. Er hat zwar viel geredet und gedroht und noch mehr angekündigt, doch nichts an den wesentlichen Problemen des Konflikts geändert.

Andreas Schwarzkopf.

Gipfel über Ende des Ukraine-Kriegs: Trump frustriert von Putins Hinhaltetaktik

Dazu fehlen ihm der politische Wille oder die Mittel. Der US-Präsident ist zwar von Putins Hinhaltetaktik frustriert, doch die vorbereiteten und angedrohten Sanktionen gegen Russland hat er nicht verhängt. Stattdessen setzt er Indien mit Strafzöllen unter Druck, damit das Land kein Öl mehr von Moskau kauft. Und Trump setzte Selenskyj öffentlich im Weißen Haus wie mit einem zwischenzeitlichen Stopp von Waffenlieferungen unter Druck. Inzwischen liefert Washington wieder Kriegsgerät an die Ukraine. Für eine etwaige Niederlage Kiews möchte Trump dann wohl doch nicht verantwortlich sein.

Genauso schwer wiegt, dass Trumps Regierung nicht definiert hat, was ein nachhaltiger Friedensvertrag beinhalten soll. Ein Verzicht Kiews auf Gebiete belohnt Russland für den Überfall auf die Ukraine. Wenn aber mit militärischer Gewalt Grenzen verschoben werden dürfen, mit welchen Argumenten sollte China dann davon abgehalten werden, das aus Sicht Pekings abtrünnige Taiwan zu erobern?

Treffen zwischen Putin und Trump am Freitag – viele Fragen sind offen

Es wird auch nicht einfacher, wenn man vorerst das große Ziel eines Friedensvertrags vertagt. Eine wünschenswerte Waffenruhe beispielsweise erfordert Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Wer soll sie überwachen und im Zweifelsfall dafür sorgen, dass sie eingehalten werden? Wie soll Kiew nach all den russischen Gräueltaten der vergangenen dreieinhalb Jahre das für eine Feuerpause nötige Vertrauen zum Kreml aufbringen?

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Natürlich ist ein Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine erstrebenswert, damit weder auf russischer noch auf ukrainischer Seite Menschen weiter sterben. Doch dafür reicht es nicht, so zu tun, als ob es die Probleme nicht gäbe. Doch genau das geschieht im Vorfeld des geplanten Gipfels in Alaska, wie die offiziellen Statements aus Washington und Moskau zeigen. Das gereichte Putin bisher immer zum Vorteil.

Rubriklistenbild: © Brendan Smialowski/AFP

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