Ukraine-Krieg

Alaska-Treffen zwischen Putin und Trump: Jetzt bringt sich China für Folge-Gipfel ins Spiel

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Vor dem Treffen zwischen Putin und Trump positioniert sich China als Friedensstifter. Doch Peking ist im Ukraine-Krieg alles andere als unparteiisch.

Henry Huiyao Wang ist als Chef der Pekinger Denkfabrik Center for China and Globalization ein gefragter Gesprächspartner, wenn es darum geht, chinesische Politik zu erklären. Auf dem Papier ist sein Arbeitgeber unabhängig von der chinesischen Regierung, in der Realität freilich sind in China auch die Gedanken der Denkfabriken nicht wirklich frei. Was Wang sagt, dürfte also zumindest in Teilen mit der offiziellen Parteilinie übereinstimmen. Umso mehr lässt deshalb nun sein Vorschlag aufhorchen, in China einen Nachfolgegipfel für das für Freitag geplante Alaska-Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin auszurichten. Gut möglich, dass man in Pekinger Regierungskreisen ähnlich denkt.

Xi Jinping (li.) und Wladimir Putin sind enge Partner.

Wang argumentiert in einem Beitrag für das US-Magazin Foreign Policy, dass ein Treffen, an dem lediglich Wladimir Putin und Donald Trump teilnehmen, nicht ausreiche, um Frieden in der Ukraine zu schaffen. Vielmehr müssten auch Vertreter der Ukraine selbst sowie der Vereinten Nationen, Europas und Chinas bei Verhandlungen mit am Tisch sitzen. „Das Ziel wäre die Schaffung eines formellen Rahmens für Sieben-Parteien-Gespräche, bestehend aus den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats sowie der Ukraine und Vertretern der Europäischen Union“, so Wang. Ständige Mitglieder des Sicherheitsrats sind neben China, Russland und den USA auch Frankreich und Großbritannien.

Im Ukraine-Krieg hat sich China auf die Seite Russlands geschlagen

China, so Wang, „verfügt sowohl über das diplomatische Ansehen als auch über die wirtschaftliche Macht“, um solche Gespräche zu ermöglichen. Als Argument führt er an, dass die Volksrepublik der wichtigste Handelspartner sowohl Russlands als auch der Ukraine ist. Was sich bei genauem Hinsehen allerdings als wenig überzeugend erweist: Der Handel zwischen China und Russland war zuletzt etwa 20-mal so groß wie der zwischen China und der Ukraine, was vor allem daran liegt, dass chinesische Firmen die Leerstellen besetzt haben, die der Rückzug westlicher Unternehmen aus Russland gelassen hat. Die Ukraine spielt für Peking vor allem als Getreidelieferant wirtschaftlich eine Rolle.

Auch sonst ist China alles andere als unparteiisch – so werfen westliche Geheimdienste chinesischen Firmen vor, ungehindert sogenannte Dual-Use-Güter nach Russland zu exportieren, also Waren, die sowohl zu zivilen als auch zu militärischen Zwecken genutzt werden können. Zudem steht Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping dem russischen Machthaber Putin deutlich näher als dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, mehr als 40-mal waren die beiden in den vergangenen Jahren schon zusammengekommen. Ein persönliches Treffen zwischen Xi und Selenskyj steht hingegen noch aus.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Henry Huiyao Wang vom Center for China and Globalization plädiert für einen Waffenstillstand im Ukraine-Krieg, an dessen Überwachung auch China beteiligt sein soll – zusammen mit mehreren europäischen Staaten sowie Mitgliedern des Staatenbündnisses BRICS, dem neben China und Russland zum Beispiel auch Indien angehört, der zweitgrößte Abnehmer russischen Öls und fleißiger Einkäufer russischer Rüstungsgüter. „Die relative Distanz der BRICS-Staaten zu europäischen Sicherheitsangelegenheiten kann als Vorteil genutzt werden“, behauptet Wang dennoch. Die Idee, China könnte Soldaten für eine Peacekeeping-Mission stellen, geistert seit Monaten durch die politische Debatte, wird von westlichen Experten allerdings zumeist als unrealistisch verworfen.

China will beim Wiederaufbau in der Ukraine helfen

Mögliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine erwähnt Wang nicht, auch ein Nato-Beitritt scheint für ihn kein Thema. Kein Wunder: Seit Beginn des Ukraine-Kriegs macht Peking das Verteidigungsbündnis für die Eskalation verantwortlich. Einen Rückzug der russischen Truppen aus den völkerrechtswidrig besetzten ukrainischen Gebieten fordert Wang ebenfalls nicht. Auch das deckt sich mit der offiziellen Position Pekings. Nicht nur als möglichen Steller von Friedenstruppen bringt Wang sein Land in Stellung. Die BRICS-Staaten könnten nach einem Waffenstillstand auch dabei helfen, die Ukraine wieder aufzubauen, schreibt er, sie würden über das dafür nötige „technische Know-how und die Finanzierungskapazitäten“ verfügen. Allen voran, so Wang: China.

Rubriklistenbild: © Kristina Kormilitsyna/Brics-Russ/dpa

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