Vertreter der Ampel-Koalition setzen heute ihre Gespräche fort. Bedenken gibt es dabei auch um den Führungsanspruch der SPD.
Berlin – Die Ampel ringt immer noch: Nach mehr als 18 Stunden Sitzung vertagten die Koalitionspartner ihren Ausschuss auf den Folgetag. Nun haben Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und FDP laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ihre Gespräche im Koalitionsausschuss wieder aufgenommen. Die Liste der Streitthemen ist lang. Dass am Ende ein Kompromiss gefunden werden muss, das steht für Experten außer Zweifel. „Die Koalitionäre werden sich einigen, denn die Alternative wäre ein Bruch der Koalition“, sagte Politikwissenschaftler Dr. Andreas Busch der Georg-August-Universität in Göttingen auf Anfrage von merkur.de von Ippen.Media.
Ampel muss sich einigen – „Alternative wäre ein Bruch der Koalition“, warnt Experte
„Jede Alternativkoalition hätte mindestens so große Schwierigkeiten, sich zu einigen – denn die Probleme sind komplex und Lösungen nicht einfach“, sagte Busch. Durch den Ukraine-Krieg, Energiekrise und die Misserfolge vor allem der FDP bei Landtagswahlen hätten sich die Umstände geändert. „Deshalb muss man neue Einigungen finden, und das ist schwierig.“ Im Koalitionsvertrag sei „in großer Detailgenauigkeit vieles geregelt.“ „Vagheit“ als Grund für Dissonanzen könne man also weitgehend ausschließen, so Busch.
Auf die Frage, ob es eine Partei gibt, die besonders verantwortlich für die andauernden Gespräche ist, sagte Busch: „Keine der drei Parteien ist von Verantwortung loszusprechen. Die Liberalen versuchen Profilierung mit Themen, von denen sie glauben, dass ihre Wählerschaft sie honorieren wird; aber sie haben wenig Drohpotential, denn sie können bei ihren gegenwärtigen Umfragewerten keinen Koalitionsbruch riskieren. Die Grünen zündeln am Kohlekompromiss und haben in Teilen der Partei ihre reflexartige Gegnerschaft zu den Liberalen noch nicht überwunden. Und die SPD ist sich ihrer Rolle in dieser Koalition unsicher – kann aber weder einen Führungsanspruch durchsetzen noch die Rolle eines Moderators einnehmen.“
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
Ampel setzt Krisen-Gipfel fort – Scholz ist zuversichtlich, SPD-Fraktionsvize räumt Schwierigkeiten ein
Vor der Fortsetzung des Koalitionsausschusses zeigten sich einige Koalitionäre zuversichtlich. „Wichtig ist, dass wir jetzt bestimmte Streitfragen zugespitzt klären, damit wir eine Vorlage haben, dann im parlamentarischen Verfahren tatsächlich diese Fortschritte zu erzielen, die dringend notwendig sind“, sagter der SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch am Dienstag (28. März 2023) im ARD-Morgenmagazin. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass das den drei Partnern heute gelingt.“ Miersch räumte auch ein, dass sich alle schnellere Ergebnisse gewünscht hätten. Er sprach dabei von „großen Themen“, die in der Koalition liegen geblieben seien.
Auch Kanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich zum heutigen Koalitionsausschuss. Die Spitzen von SPD, Grünen und FDP haben „sehr, sehr gute Fortschritte erzielt“, sagte Scholz nun nach der Landung in Rotterdam, wo er und mehrere Minister an deutsch-niederländischen Regierungskonsultationen teilnehmen wollten. Deswegen war das Spitzentreffen unterbrochen worden.
Ampel-Koalition ist seit Monaten zerstritten– kommt es heute zu einer Einigung?
Seit Monaten rumort es in der Ampel-Koalition. Mit seiner öffentlichen Kritik am Zustand der Regierung hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) den Streit für die Partner nochmal auf die Spitze getrieben. „Wir haben einen Auftrag, für die Menschen – für Deutschland – was zu leisten, und im Moment kommen wir dem nicht ausreichend genug nach“, sagte Habeck im Interview bei den ARD-Tagesthemen.
Habecks Äußerung sorgte nicht nur innerhalb der Ampel für Kritik. Auch Vize-Fraktionsvorsitzender der Linken, Dietmar Bartsch, verurteilte die Ampel für den zerstrittenen Zustand. „Diese Bundesregierung löst keine der großen Krisen, sie ist selbst eine Krise für das Land und verspielt massiv Vertrauen“, schrieb Bartsch auf Twitter. (bohy)