Experten fordern

Neuer Renten-Schock: Deutsche sollen bis 70 arbeiten

  • schließen

Länger Arbeiten für den Wohlstand: Der Ruf nach der Rente ab 70 wird in Deutschland immer lauter. Wegen der Inflation sehen Experten keinen anderen Ausweg mehr.

Berlin – Geburtenknick und steigende Preise: Die Debatte über eine längere Lebensarbeitszeit ist in Deutschland wieder voll entbrannt. So fordern führende Experten immer lauter die Anhebung des Renteneintrittsalters. Es gebe eigentlich keine Alternative mehr zur Rente ab 70, sagte der Wirtschaftsforscher Gunther Schnabl der Bild-Zeitung. Bereits heute leide das Land unter einem enormen Fachkräftemangel. „Das Renteneintrittsalter muss steigen“, mahnte er. Während sich auch andere Fachleute in diese Richtung äußern, zögert die Ampel diesen Schritt aber noch hinaus.

Rente ab 70: Wirtschaftsexperten fordern die Anhebung des Renteneintrittsalters in Deutschland

Die Debatte ist nicht neu. Wegen der demografischen Entwicklung steuert die Rentenkasse auf ein gewaltiges Finanzierungsproblem zu. Denn immer mehr Rentnerinnen und Rentner stehen immer weniger Beitragszahler gegenüber. Verschärft wird die Finanzierung der Rente jetzt zusätzlich noch durch die Inflation. Weil bereits hunderttausend Stellen in Deutschland unbesetzt sind und ein eklatanter Fachkräftemangel herrscht, rechnen die Wirtschaftsexperten automatisch mit steigenden Löhnen, was aber wiederum die Preise und die Inflation weiter vorantreibt.

Ab wann kann man den Lebensabend genießen? Debatte um die Rente ab 70 entbrennt in Deutschland neu.

Als Ausweg aus der Falle von Altersarmut und Inflationsgefahr sehen die Fachleute nur die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70. „Der Mix aus alternder Gesellschaft, hoher Verschuldung und Energiewende wird in den nächsten Jahren zu einer steigenden Gefahr für die Preisstabilität“, warnte der Vizepräsident Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Stefan Kooths, in der Bild. Bereits vor Wochen hatte sich schon der frühere Wirtschaftsweise, Lars Feld, für die Rente ab 70 starkgemacht und längeres Arbeiten gefordert.

Rente mit 70: Robert Habeck zeigt sich für längeres Arbeiten in Deutschland gesprächsbereit

Bei der Anpassung des Renteneintrittalters zögert die Ampel-Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) noch. Nach geltender Rechtslage wird die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge bis 2029 ohnehin schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Weitere Schritte hatte die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag eigentlich ausgeschlossen.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Doch angesichts der jüngsten Entwicklungen zeigte sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zuletzt gesprächsbereit. So schlug er vor, das Eintrittsalter bei der Rente flexibler zu gestalten. Eine Rente ab 70 solle nicht grundlegend vorgeschrieben werden, sagte er. Aber es sollten Brücken gebaut werden für freiwillige Lösungen. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels solle man über ein „Renteneintrittsfenster sprechen, kein fixes Alter“, so Habeck.

Rubriklistenbild: © Stephan Scheuer/dpa

Kommentare