Ärzte gewinnen Vertrauen

Neue Umfrage zeigt: Die Deutschen trauen Scholz und der Ampel nicht mehr

  • schließen

Noch nie gab es für einen Bundeskanzler so wenig Vertrauen von der Bevölkerung, wie für Olaf Scholz. Auch der Ampel wird misstraut. Polizisten schneiden hingegen gut ab.

München – Bittere Zeiten für Kanzler Olaf Scholz: Erst das Karlsruher Urteil zum Nachtragshaushalt 2021 und nun erschreckende Ergebnisse aus einem Forsa-Stimmungsbild. Scholz und die Bundesregierung haben an Vertrauen verloren, wie die Umfrage im Auftrag von n-tv, RTL und Stern beweist.

Andere Berufsgruppen hingegen haben das Vertrauen der deutschen Bevölkerung sicher. Die Befragten gaben an, dass sie beispielsweise Ärzten und der Polizei trauten. Schlecht hingegen sieht es nicht nur für die Bundesregierung aus, sondern auch für die sozialen Medien.

Bittere Nachrichten für den Kanzler: Die deutsche Bevölkerung hegt kein Vertrauen für Olaf Scholz.

Vertrauensbruch für Olaf Scholz: Nur 20 Prozent der Deutschen trauen dem Bundeskanzler

Während Scholz-Vorgängerin Angela Merkel in der Forsa-Umfrage am Ende des ersten Krisenjahres der Corona-Pandemie noch auf 75 Prozent Vertrauen der Bundesbürger setzen konnte, kommt Scholz heutzutage nur noch auf einen Wert von 20 Prozent. Nach dem Wechsel im Kanzleramt sackte das Vertrauen zunehmend ab. Eins steht laut Umfrage fest: Noch nie bekam ein Kanzler so wenig Vertrauen der deutschen Bürger wie Olaf Scholz. In Ostdeutschland sind die Zahlen sogar noch deutlicher: hier sind nur zwölf Prozent mit dem Kanzler zufrieden.

Aber nicht nur die Zweifel und das Missverstrauen an den Bundeskanzler sind gewachsen, auch die Ampel-Regierung als Ganzes schneidet bei der Forsa-Umfrage nicht gut ab: Nur zu 21 Prozent vertrauen die Bundesbürger ihrer Regierung. Über einen durchaus soliden Wert darf sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier freuen. Auf ihn können die Befragten zu 62 Prozent bauen, wie aus der Auswertung vom Dezember hervorgeht.

Bittere Erkenntnis - ein innenpolitischer Rückblick auf das Jahr 2023

Seit Januar: Christine Lambrecht gibt das Verteidigungsministerium auf, ihr folgt Boris Pistorius nach, der die Balance zwischen seinem zögerlichen Kanzler und den von Moskau diktierten Notwendigkeiten des Krieges in der Ukraine besser hält. Im Mai holt sich Pistorius mit Carsten Breuer einen neuen Generalinspekteur. Breuer hatte sich als Manager bei der Ahrflut in der Öffentlichkeit bewährt. Bild: T. SCHWARZ/AFP
Seit Januar: Christine Lambrecht gibt das Verteidigungsministerium auf, ihr folgt Boris Pistorius nach, der die Balance zwischen seinem zögerlichen Kanzler und den von Moskau diktierten Notwendigkeiten des Krieges in der Ukraine besser hält. Im Mai holt sich Pistorius mit Carsten Breuer einen neuen Generalinspekteur. Breuer hatte sich als Manager bei der Ahrflut in der Öffentlichkeit bewährt. Bild: T. SCHWARZ/AFP © AFP
April: Die Maskenpflicht wegen Coronaviren-Gefahr wird auch in Arztpraxen beendet. Damit gilt Deutschland de jure als von der Pandemie befreit. Die Viren schwirren natürlich weiter umher, aber nun gelten sie als ähnlich gesundheitsgefährdend wie Grippeviren. Die Corona-Impfung wird zur weiteren Vorsorgeimpfung. Kennt man ja. Und was geschieht nun im Winter? Corona und Grippe melden sich zurück. rut/Bild: imago images
April: Die Maskenpflicht wegen Coronaviren-Gefahr wird auch in Arztpraxen beendet. Damit gilt Deutschland de jure als von der Pandemie befreit. Die Viren schwirren natürlich weiter umher, aber nun gelten sie als ähnlich gesundheitsgefährdend wie Grippeviren. Die Corona-Impfung wird zur weiteren Vorsorgeimpfung. Kennt man ja. Und was geschieht nun im Winter? Corona und Grippe melden sich zurück. rut/Bild: imago images © IMAGO/Revierfoto
Mai: Auch wenn Jahrhundertkabarettist Matthias Beltz weiterhin Recht behält mit Bremen („Da gewinnt die SPD immer, egal welcher Pfft kandidiert“), ist es für die Partei im Jahr 2023 doch ein Grund zur Freude, dass sie die Bürgerschaftswahl wieder gewinnt. Finden auch der rockige Co-Parteichef und Klampfer Lars Klingbeil und der singende Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Shaker. Rock on! bild: Carmen Jaspersen/AFP
Mai: Auch wenn Jahrhundertkabarettist Matthias Beltz weiterhin Recht behält mit Bremen („Da gewinnt die SPD immer, egal welcher Pfft kandidiert“), ist es für die Partei im Jahr 2023 doch ein Grund zur Freude, dass sie die Bürgerschaftswahl wieder gewinnt. Finden auch der rockige Co-Parteichef und Klampfer Lars Klingbeil und der singende Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Shaker. Rock on! bild: Carmen Jaspersen/AFP © AFP
August: Mit dem Bericht über ein antisemitisches Flugblatt sichert die „Süddeutsche Zeitung“ unbeabsichtigt Hubert Aiwangers Freien Wählern in Bayern den Landtagswahlsieg. Bedröppelt steht nun Markus Söders CSU da, die immer glaubte, sie habe die bayrische Volksseele fest im Griff. Söder bleibt zwar Ministerpräsident, aber Juniorpartner Aiwanger rückt immer näher an die Seniorität. Bild: Tobias SCHWARZ/AFP
August: Mit dem Bericht über ein antisemitisches Flugblatt sichert die „Süddeutsche Zeitung“ unbeabsichtigt Hubert Aiwangers Freien Wählern in Bayern den Landtagswahlsieg. Bedröppelt steht nun Markus Söders CSU da, die immer glaubte, sie habe die bayrische Volksseele fest im Griff. Söder bleibt zwar Ministerpräsident, aber Juniorpartner Aiwanger rückt immer näher an die Seniorität. Bild: Tobias SCHWARZ/AFP © AFP
August: Björn Höcke, der faschistische AfD-Chef in Thüringen – und eigentliche Tonangeber bei den Rechtsaußen – hat es in Aussicht gestellt: Nach 2023 befindet sich Deutschland im „Vorbürgerkrieg“. Das lässt sich als nichts anderes denn als Kampfansage an alles Menschliche und Anständige verstehen. Höcke und seine AfD sind nicht die ersten Rechten der Nachkriegszeit, die mit allen Mitteln die Macht ergreifen wollen. Doch die Chancen von Höckes Gefolgschaft sind erschreckend hoch. Im August veröffentlichte Infratest dimap eine Umfrage, wonach 70 Prozent der Befragten in Deutschland gegen Kooperationen mit der AfD auf lokaler und regionaler Ebene nichts einzuwenden hätten. Und Insa legte nach: 33 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern wären bereit, die AfD zur stärksten Macht im Deutschen Bundestag zu erheben. Bild: Sascha Fromm/Imago Images
August: Björn Höcke, der faschistische AfD-Chef in Thüringen – und eigentliche Tonangeber bei den Rechtsaußen – hat es in Aussicht gestellt: Nach 2023 befindet sich Deutschland im „Vorbürgerkrieg“. Das lässt sich als nichts anderes denn als Kampfansage an alles Menschliche und Anständige verstehen. Höcke und seine AfD sind nicht die ersten Rechten der Nachkriegszeit, die mit allen Mitteln die Macht ergreifen wollen. Doch die Chancen von Höckes Gefolgschaft sind erschreckend hoch. Im August veröffentlichte Infratest dimap eine Umfrage, wonach 70 Prozent der Befragten in Deutschland gegen Kooperationen mit der AfD auf lokaler und regionaler Ebene nichts einzuwenden hätten. Und Insa legte nach: 33 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern wären bereit, die AfD zur stärksten Macht im Deutschen Bundestag zu erheben. Bild: Sascha Fromm/Imago Images © IMAGO/Funke Foto Services
Oktober: Sahra Wagenknecht beweist mit der langwierigen Trennung von ihrer alten Partei, dass nicht nur Männer die Stimmung im Land herunterziehen können. Ob die BSW-Neugründung einer linken oder linkspopulistischen oder radikal linken Partei eine Zukunft hat, muss sich noch weisen. Immerhin hat sie der Linkspartei nun ein historisch vernehmbares Aufatmen ermöglicht. Bild: imago images
Oktober: Sahra Wagenknecht beweist mit der langwierigen Trennung von ihrer alten Partei, dass nicht nur Männer die Stimmung im Land herunterziehen können. Ob die BSW-Neugründung einer linken oder linkspopulistischen oder radikal linken Partei eine Zukunft hat, muss sich noch weisen. Immerhin hat sie der Linkspartei nun ein historisch vernehmbares Aufatmen ermöglicht. Bild: imago images © IMAGO/Emmanuele Contini
Seit Oktober: Die Massaker der Hamas im Süden Israels rufen in Deutschland Schock, Trauer und eine Welle der Solidarität hervor. Sie treiben aber auch Antisemitinnen und Antisemiten aus allen politischen Lagern aus ihren Löchern. Der harte Gegenschlag der Israelis im Gazastreifen befeuert die deutsche Debatte und lässt die Fronten nur noch mehr verhärten. Bild: Carsten Koall/dpa
Seit Oktober: Die Massaker der Hamas im Süden Israels rufen in Deutschland Schock, Trauer und eine Welle der Solidarität hervor. Sie treiben aber auch Antisemitinnen und Antisemiten aus allen politischen Lagern aus ihren Löchern. Der harte Gegenschlag der Israelis im Gazastreifen befeuert die deutsche Debatte und lässt die Fronten nur noch mehr verhärten. Bild: Carsten Koall/dpa © dpa
Christian Lindner, Robert Habeck und Olaf Scholz im Bundestag.
Seit November: Das Bundesverfassungsgericht kippt alle Reformpläne der Ampel-Koalition , weil deren Finanzierung nicht verfassungskonform ist. Nun ist auf der Regierungsbank guter Rat plötzlich sehr teuer – © AFP

Umfrage belegt: Bundesbürger vertrauen in Ärzte und Polizisten – aber nicht auf die Ampel

Der Bundesregierung und dem Kanzler wird misstraut, dafür dürfen sich andere Berufsgruppen über das Vertrauen der Bundesbürger freuen. Ärzte und Polizisten schneiden hierbei gut ab und belegen mit jeweils 81 Prozent die vorderen Plätze. Daneben bauen die Umfrage-Teilnehmer auch auf den Bundesgerichtshof (74 Prozent), die Universitäten (73 Prozent) und die Gerichte (71 Prozent).

Schwierig wird es mit dem Vertrauen für die Bevölkerung auch bei den sozialen Medien. Genau wie bei Werbeagenturen, gibt es nur drei Prozent für Plattformen wie Facebook, X und Instagram. Auch die Kirchen tauchen in dem Ranking auf. Während das katholische Gotteshaus auf zehn Prozent kommt, vertrauen die Umfrage-Teilnehmer der christlichen Kirche zu 28 Prozent.

Ein weiterer Dämpfer für die Politik: Die Forsa-Umfrage ergab, dass die Befragten nur zu 13 Prozent den politischen Parteien vertrauen. Chefs hingegen können aufatmen, denn dem eigenen Arbeitgeber vertrauen die Bundesbürger zu 71 Prozent. (Denise Dörries)

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze/dpa/Archivbild

Kommentare