„Drecksentwurf“ und „Bullshit“

Bundeskongress in Mannheim: Die Jusos machen Druck von links

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Auf seinem Bundeskongress in Mannheim fordert der SPD-Nachwuchs höhere Renten und greift auch die Vorsitzende der eigenen Partei an. Im Mittelpunkt steht auch eine klare Haltung gegen rechts.

Mit dem Slogan „Zukunft wird mit uns gemacht“ eröffnen die Jusos am Freitagabend ihren Bundeskongress in Mannheim – und machen gleich klar, wohin sie wollen: nach links. Drei Tage lang debattieren rund 300 Delegierte über das Rentenpaket der Bundesregierung, die Zukunft der Grundsicherung und den eigenen Anspruch als antirassistischer, feministischer Richtungsverband.

Botschaft aus Mannheim nach Gießen: Jusos protestieren gegen die neue AfD-Jugendorganisation. Vorn: Philipp Türmer (l.) und SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf.

Eine zentrale Rolle nimmt ein Initiativantrag zum Sozialstaat ein. Darin fordert der SPD-Nachwuchs, das Rentenniveau langfristig auf 53 Prozent deutlich anzuheben. Zur Finanzierung sollen alle Erwerbstätigen einbezogen werden – auch Selbstständige, Abgeordnete und Beamt:innen. Das am Freitag verabschiedete Rentenpaket der Bundesregierung stabilisiert das Niveau zwar bis 2031 bei 48 Prozent, sieht aber keine Erhöhung vor.

Juso-Kongress: Türmer greift Junge Union im Rentenstreit an – „Enkeltrickbetrug“ und „Trustfund-Babies“

Die SPD müsse ihr Profil als linke Volkspartei und Partei der Arbeit schärfen und dürfe sich nicht von einem diffusen „Kurs der Mitte“ treiben lassen, moniert Juso-Bundesvorsitzender Philipp Türmer. Der Offenbacher, der seit 2023 an der Spitze der Jusos steht, wird am Freitagabend mit 66,7 Prozent der Stimmen bestätigt. Gegenkandidaturen gibt es nicht.

In seiner Rede warnt Türmer vor wachsender Ungleichheit und verlangt eine klare Umverteilungspolitik. „Ich jage doch nicht meiner Oma hinterher, um ihr die Cents aus dem Portemonnaie zu klauen, wenn Milliardäre keinen Cent Steuern zahlen“, ruft er. Die Wohlhabenden müssen stärker in die Pflicht genommen werden – nicht die Schwächsten. Im Rentenstreit greift Türmer die Junge Union scharf an. Ihre Vorschläge seien „Enkeltrickbetrug“, geführt aus der Perspektive von „Trustfund-Babies“.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Bürgergeld-Pläne: Jusos greifen Bärbel Bas scharf an – „Bullshit“ und „Drecksentwurf“

Auch bei der Grundsicherung ziehen die Jungsozialist:innen eine rote Linie: Sanktionen lehnen sie ab, das Existenzminimum sei nicht kürzbar. Statt Strafen brauche es eine Arbeitsversicherung mit Rechtsanspruch auf Weiterbildung und einem Ausbildungsvorrang für unter 35-Jährige. Besonders scharf formuliert es Nina Gaedike, Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Landesgruppe: Der Reformvorschlag aus dem SPD-geführten Arbeitsministerium sei „Bullshit“ – ein „Drecksentwurf“, der soziale Not verschärfe.

Am Samstagnachmittag stellt sich die zuständige Ministerin und SPD-Co-Chefin Bärbel Bas der geballten Kritik. Sie spricht von einem enormen Druck auf ihrem Amt und macht deutlich, dass die SPD in den Verhandlungen mit der Union zahlreiche härtere Kürzungsforderungen abgewehrt habe. Die Union habe Geldleistungen kürzen und Leute sofort in Arbeit zwingen wollen, egal, ob sie krank oder gesund seien. „Und das haben wir verhindert“, sagte Bas. Mehrfach geht ein hörbares Raunen durch den Saal – ein Moment spürbarer Spannung.

Einig sind sich beide Seiten jedoch in einem Punkt: Geld gäbe es genug – etwa durch eine höhere Erbschaftsteuer, auf die die Delegierten immer wieder pochen.

Bundeskongress in Mannheim: Jusos setzen starkes Signal bei den Grundwerten

Ein starkes Signal setzt der Verband außerdem bei den Grundwerten: Einstimmig nehmen die Delegierten „Antirassismus“ neu in ihr Grundsatzpapier auf. Zuvor berichten Betroffene von Rassismus offen über Erfahrungen, die zum Rücktritt zweier Schwarzer Vorstandsmitglieder geführt hatten. Kulturell bekommt der Kongress einen eigenen Ton. In der Mittagspause erklingt der Song „Fair“ der Rapperin Nura: „Warum ist es der Flüchtling, der dir Angst macht, und nicht die Nazis im Landtag?“

Auch symbolisch setzt der Kongress deutliche Zeichen: Während die Delegierten den Antrag „Wir im Kampf gegen rechts“ beraten, entrollen Jusos im Saal ein großes Banner mit der Aufschrift „Kein Nachwuchs für Faschos“. Dazu heben sie Schilder hoch – „Haltung statt Höckejugend“, „AfD-Verbot jetzt“ – und stimmen lautstark „Nazis raus“ und „Alerta, alerta, antifascista!“ an. Auch SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf macht mit. Der Protest richtet sich gegen die AfD-Jugendorganisation, die sich gleichzeitig in Gießen gründet.

Am Ende steht ein Verband, der die Mutterpartei deutlich unter Druck setzen will: antirassistisch, queer offen, feministisch – und entschlossen, den Sozialstaat auszubauen statt nur zu verwalten. Der Veranstaltungsort hat historische Signifikanz. 1987 wurde in Mannheim Olaf Scholz in den Juso-Vorstand gewählt. Ob diesmal ein:e künftige:r Kanzler:in im Saal waren? Offen. „Ihr seid die nächste Generation, die mitbestimmen muss und uns antreibt“, meint zumindest Bärbel Bas.

Rubriklistenbild: © Harald Tittel

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