Koalitionszoff um Reform

„Unsägliche Kürzungsdebatte“: Jusos kontern Merz-Widersacher im Renten-Streit

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Für die Junge Union geht es um Generationengerechtigkeit. Für die Jusos geht es um Arm und Reich. Der SPD-Nachwuchs formuliert Forderungen.

Berlin – Während die Junge Union in ihrer Kritik am Rentenpaket mit Generationengerechtigkeit argumentiert, erklärt der SPD-Parteinachwuchs: Um Generationen gehe es hier nicht. „Bei der Rente gibt es keinen Konflikt zwischen Alt und Jung, sondern zwischen Arm und Reich“, führt ein Sprecher des Juso-Bundesvorstandes, gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media an.

Streit über die Rente: Jusos weisen Argumente der Jungen Union zurück. (Symbolbild)

Auch die Jusos fordern, dass die gesetzliche Rente reformiert gehöre – hat jedoch eine deutlich andere Vorstellung von der Ausgestaltung einer solchen Reform, als sie in der Union vorherrscht: Um die Rente zu stärken, brauche es „eine größere Beitragszahlerbasis und mehr Umverteilung innerhalb des Systems“, erklärt der Sprecher.

Kritik der Jusos in der Renten-Debatte: „Diese unsäglichen Kürzungsdebatten sind fehl am Platz“

Was das bedeutet, zeigt auch ein Initiativantrag des Juso-Bundesvorstandes zum Sozialstaat, aus dem die Rheinische Post zitiert: Demnach sollen nach Ansicht der Jusos auch Selbstständige, Abgeordnete und Beamte in die gesetzliche Rente einbezogen werden. Die Jusos um ihren Vorsitzenden Philipp Türmer fordern zudem in dem Antrag zu ihrem Bundeskongress am Wochenende: „Wir wollen das Rentenniveau absichern und in Zukunft wieder auf ein Niveau von 53 Prozent anheben.“

Mit einer größeren Beitragszahlerbasis und mehr Umverteilung innerhalb des Systems bekomme man „auch die Herausforderungen, die ab Anfang der 2030er-Jahre entstehen, abgefedert“, argumentiert der Sprecher des Juso-Bundesvorstandes gegenüber unserer Redaktion und kritisiert: „Aber der ständige Abgesang auf die gesetzliche Rente und diese unsäglichen Kürzungsdebatten sind fehl am Platz. Eine schwache gesetzliche Rente können sich nur die leisten, die ohnehin ein paar Millionen auf dem Konto liegen haben.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Streitpunkt beim Renten-Paket: Die Zeit nach 2031 - Junge Gruppe der Union bleibt hart

Streitpunkt in der Union ist aktuell die im schwarz-roten Koalitionsvertrag vereinbarte Verlängerung der Haltelinie für das Rentenniveau – also das Absicherungsniveau der Rente im Verhältnis zu den Löhnen – bei 48 Prozent bis 2031. In dem vom Kabinett beschlossenen Rentengesetzentwurf ist vorgesehen, dass auch nach 2031 das Rentenniveau um rund einen Prozentpunkt höher liegen soll als im geltenden Recht. 

Und noch immer zeichnet sich in der Debatte über das Renten-Paket der Regierung keine Lösung ab: Die Junge Union und weitere Politiker in der CDU/CSU sehen in der Regelung für die Zeit nach 2021 eine zu große Belastung für die jüngeren Generationen – sie fürchten Milliardenkosten. Die Junge Gruppe der Unionsfraktion droht das Paket bei der geplanten Abstimmung im Dezember zu blockieren: Ohne Änderungen wollen die 18 Abgeordneten die Pläne nicht mittragen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will dennoch am Zeitplan festahlten und das Gesetz noch in diesem Jahr durch den Bundestag bringen.

Bas sorgt sich im Renten-Streit um die Koalition: Ärger in der Union schade schon jetzt dem Ansehen

Das will auch die SPD, bleibt jedoch genau wie die Junge Gruppe auch bei ihrer Haltung: Man habe sich auf das Paket verständigt, Änderungsbedarf gebe es daher nicht. Gegenüber dem Tagesspiegel bekräftigte Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) erneut, dass nun Unions-Fraktionschef Jens Spahn am Zug sei, die Mehrheit für das Gesetz in den Reihen der Union zu organisieren.

Gleichzeitig äußerte die SPD-Chefin erneut mahnende Worte: „Ich würde es nicht verstehen, wenn die Koalition an einem technischen Detail bei der Rente scheitert.“ Der Ärger in der Union belaste schon jetzt die Koalition aus CDU/CSU und SPD und schade deren Ansehen. (Quellen: Eigene Recherche, Rheinische Post, Tagesspiegel) (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO / IPON, IMAGO / Chris Emil Janßen

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