„Billige Ausrede“: Prominente Frauen schreiben „Stadtbild“- Brandbrief an Merz
VonJekaterina Jalunina
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Nach der „Stadtbild“-Debatte rufen prominente Frauen den Bundeskanzler zu mehr Schutz für Frauen auf und warnen vor politischer Vereinnahmung.
Berlin – Rund 50 Frauen aus Kunst, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft haben sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gewandt. In dem Schreiben fordern sie den Kanzler auf, sich stärker für den Schutz und die Sicherheit von Frauen einzusetzen. Das berichtet der Spiegel, dem der Brief vorliegt.
In dem Schreiben kritisieren die Unterzeichnerinnen Merz’ jüngste Aussagen zur „Stadtbild“-Debatte. „Auf die Frage, was Sie mit Ihren Äußerungen gemeint hätten, sagten Sie, man solle ‚die Töchter‘ fragen“, heißt es darin. Weiter schreiben sie: „Wir möchten gerne über Sicherheit für Töchter, also Frauen sprechen. Wir möchten es allerdings ernsthaft tun, und nicht als billige Ausrede dienen, wenn rassistische Narrative gerechtfertigt werden sollen.“
Kritik an Merz: Frauensicherheit darf nicht politisch instrumentalisiert werden
Die Aktion entstand nach Angaben der Initiatorinnen aus den jüngsten „Töchter“-Protesten. Zu den Unterzeichnerinnen zählen Grünen-Chefin Ricarda Lang, Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer, Sängerin Joy Denalane, Autorin Alice Hasters, Ökonomin Isabella Weber, Schauspielerin Melika Foroutan, Soziologin Jutta Allmendinger sowie die Schriftstellerinnen Lena Gorelik und Mithu Sanyal. Die Unterzeichnerinnen werfen Merz vor, die Sorge um Frauensicherheit als Vorwand zu nutzen, um Ressentiments zu schüren, statt echte Lösungen für die Sicherheit von Frauen zu fördern.
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Forderung an Merz: Frauen verlangen konkrete Schritte für mehr Sicherheit
In dem offenen Brief formulieren die Unterzeichnerinnen auch konkrete politische Forderungen, wie aus dem Spiegel-Bericht hervorgeht. „Wir wollen einen öffentlichen Raum, in dem sich alle Menschen wohlfühlen“, heißt es in dem Schreiben. „Und wir wollen, dass Frauen sicher sind – auf der Straße und im eigenen Zuhause.“
Um dieses Ziel zu erreichen, legen sie zehn zentrale Maßnahmen vor. Dazu zählen unter anderem eine konsequentere Strafverfolgung bei sexualisierter und häuslicher Gewalt sowie eine bessere Beleuchtung und Überwachung öffentlicher Räume. Außerdem fordern sie, Frauenmorde ausdrücklich im Strafgesetzbuch zu verankern und eine verlässliche Datenerhebung zu Gewalt gegen Frauen sicherzustellen.
Mehrheit der Frauen fühlt sich in Deutschland im öffentlichen Raum unsicher
Eine Mehrheit der Frauen fühlt sich einer Umfrage zufolge im öffentlichen Raum in Deutschland nicht sicher. In der Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Funke Mediengruppe gaben 55 Prozent der befragten Frauen an, sich an keinem der zur Auswahl stehenden öffentlichen Orte sicher zu fühlen. Darunter waren unter anderem die Straße, öffentliche Verkehrsmittel oder Parks. Am schlechtesten schnitten Clubs und Bahnhöfe ab – nur 14 Prozent der Frauen gaben an, sich dort sicher zu fühlen. Unter allen Befragten, also auch Männern, gab insgesamt fast jeder Zweite (49 Prozent) an, sich an keinem der genannten öffentlichen Orte sicher zu fühlen. (Quellen: Spiegel, Tagesspiegel, dpa) (jal)