Kommt die Brüssel-Bazooka?

Angriff auf Google und Co.: So könnte die EU auf Trumps Zölle reagieren

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Donald Trump hat der Welt den Handelskrieg erklärt, Europa ist besonders betroffen. In Brüssel hoffen einige noch auf einen Deal, andere plädieren für harte Gegenschläge.

Brüssel/Washington D.C. – Robert Habeck neigt nicht zu Trump‘schen Übertreibungen, deshalb hat das, was er am Donnerstag (3. April) sagt, eine gewisse Wucht. Nur Stunden zuvor hat der US-Präsident Donald Trump gewaltige Zölle für die ganze Welt angekündigt, auch 20 Prozent auf Waren aus Europa. Das sei „durchaus vergleichbar“ mit dem Tag der russischen Invasion in die Ukraine, sagt der Wirtschaftsminister. Die Antwort müsse stark ausfallen. „Wir werden sehen, wer bei diesem Armdrücken der Kräftigere ist.“

EU regiert auf Trumps Zölle: „Unsere Reaktion muss entschieden, aber besonnen sein“

Es ist eine von vielen klaren Reaktionen auf Trumps Zoll-Rundumschlag, der heftiger ausfällt als gedacht. Auch Manfred Weber, Chef der Konservativen im EU-Parlament, spricht von einem „schwarzen Tag“. „Wir müssen jetzt klarstellen, dass wir uns von Trump nicht herumschubsen lassen“, sagte er Merkur.de. „Unsere Reaktion muss entschieden, aber besonnen sein.“

Donald Trumps Strafzölle: Diese Produkte aus Deutschland werden jetzt teurer

Die Strafzölle der neuen US-Regierung zielen auch auf Baumaschinen wie Bagger von Liebherr ab
Donald Trump und die US-Regierung planen neue Strafzölle auf deutsche und europäische Importe. Die höheren Gebühren zielen auch auf Baumaschinen wie Bagger von Liebherr ab. © Imagebroker/Imago
Thyssenkrupp und Co. liefern hochwertigen Stahl für die Luftfahrt- und Autoindustrie. Deutsche Stahl- und Aluminiumprodukte sind von den höheren Zollgebühren betroffen.
Thyssenkrupp und Co. liefern hochwertigen Stahl für die Luftfahrt- und Autoindustrie. Deutsche Stahl- und Aluminiumprodukte sind von den höheren Zollgebühren betroffen. © Funke Foto Services/Imago
Deutsche Spielwarenhersteller wie Playmobil oder Schleich verkaufen ihre Artikel auch in Übersee
Deutsche Spielwarenhersteller wie Playmobil oder Schleich verkaufen ihre Artikel auch in Übersee. © Karina Hessland/Imago
Naschkatzen werden tiefer in die Tasche greifen müssen: In die USA importierte Süßigkeiten wie Haribo oder Ritter-Sport dürften sich verteuern
Naschkatzen werden tiefer in die Tasche greifen müssen: In die USA importierte Süßigkeiten wie Haribo oder Ritter-Sport dürften sich verteuern. © BREUEL-BILD/Imago
Auf High-End-Mikroskope (z.B. von Zeiss) und medizinische Geräte (Röntgen, Chirurgie und mehr) werden Strafzölle erhoben
Auf High-End-Mikroskope (z.B. von Zeiss) und medizinische Geräte (Röntgen, Chirurgie und mehr) werden Strafzölle erhoben. © Chinalmages/Imago
Bier ist historisch in den deutschen Wurzeln verankert. Paulaner und Co. zahlen bei der Einfuhr in die USA künftig mehr Geld
Bier ist historisch in den deutschen Wurzeln verankert. Paulaner und Co. zahlen bei der Einfuhr in die USA künftig mehr Geld. © Ulrich Wagner/Imago
Deutsche Käse- und andere Milchprodukte dürften in den USA künftig teurer werden
Deutsche Käse- und andere Milchprodukte dürften in den USA künftig teurer werden. © IMAGO/Zoonar.com/totalpics
Musikinstrumente werden ebenfalls teurer. Deutsche Hersteller wie Steinway & Sons könnten eine weitere Produktionsverlegung in die USA in Erwägung ziehen
Musikinstrumente werden ebenfalls teurer. Deutsche Hersteller wie Steinway & Sons könnten eine weitere Produktionsverlegung in die USA in Erwägung ziehen. © Eibner/Imago
Fahrräder und E-Bikes wie von Hersteller Cube kosten beim Import in die USA künftig höhere Zollgebühren
Fahrräder und E-Bikes wie von Hersteller Cube kosten beim Import in die USA künftig höhere Zollgebühren. © NurPhoto/Imago
Bayer gehört zu den großen Playern auf dem Pharmaziemarkt. Für Medikamente oder auch Impfstoffe aus der EU erheben die USA künftig höhere Zölle
Bayer gehört zu den großen Playern auf dem Pharmaziemarkt. Für Medikamente oder auch Impfstoffe aus der EU erheben die USA künftig höhere Zölle. © NurPhoto/Imago
Werkzeuge aus Deutschland haben Tradition und ein hohes Ansehen. Auf Produkte von Bosch und weiteren Anbietern gibt es höhere Zölle
Werkzeuge aus Deutschland haben Tradition und ein hohes Ansehen. Auf Produkte von Bosch und weiteren Anbietern gibt es höhere Zölle. © STPP/Imago
Eisenbahn- und Schienenfahrzeugtechnik mit dazugehörigen Komponenten: Siemens verdient eine Menge Geld in den USA
Eisenbahn- und Schienenfahrzeugtechnik mit dazugehörigen Komponenten: Siemens verdient eine Menge Geld in den USA. © Zoonar/Imago
In den USA gibt es eine hohe Nachfrage nach Rostbratwürsten und vielem weiteren Fleisch aus Deutschland und anderen Ländern Europas
In den USA gibt es eine hohe Nachfrage nach Rostbratwürsten und vielen weiteren Fleischsorten aus Deutschland und anderen Ländern Europas. © IMAGO/Ardan Fuessmann
Der europäische Industriekonzern Airbus liefert Flugzeuge, Hubschrauber und weitere Komponenten in die USA
Der europäische Industriekonzern Airbus liefert Flugzeuge, Hubschrauber und weitere Komponenten in die USA. © Xinhua/Imago
Deutschland beheimatet weltbekannte Sportartikelhersteller. Adidas, Puma und Co. werden bei der Einfuhr in die USA künftig stärker zur Kasse gebeten
Deutschland beheimatet weltbekannte Sportartikelhersteller. Adidas, Puma und Co. werden bei der Einfuhr in die USA künftig stärker zur Kasse gebeten. © Zink/Imago
BMW, Mercedes und Volkswagen exportieren jährlich Autos im Wert von über 30 Milliarden Euro in die USA. Dafür werden künftig höhere Abgaben fällig
BMW, Mercedes und Volkswagen exportieren jährlich Autos im Wert von über 30 Milliarden Euro in die USA. Dafür werden künftig höhere Abgaben fällig. © Mercedes
Brezeln sind deutsches bzw. bayerisches Kulturgut. Auch in die Vereinigten Staaten wird das Laugengebäck exportiert, ebenso wie andere Backwaren
Brezeln sind deutsches bzw. bayerisches Kulturgut. Auch in die Vereinigten Staaten wird das Laugengebäck exportiert, ebenso wie andere Backwaren. © Rolf Poss/Imago
Halbleiter oder auch Sensoren von deutschen Technologiekonzernen wie Infineon erfordern künftig höhere Ausgaben
Halbleiter oder auch Sensoren von deutschen Technologiekonzernen wie Infineon erfordern künftig höhere Ausgaben. © Zoonar/Imago
Bad- und Pflegeartikel wie die Nivea-Creme von Beiersdorf werden für Milliarden Euro auch in die USA verfrachtet
Bad- und Pflegeartikel wie die Nivea-Creme von Beiersdorf werden für Milliarden Euro auch in die USA verfrachtet. © IMAGO/Snowfield Photography
Die Bekleidungsindustrie ist ebenfalls betroffen: Modeanbieter wie die Edelmarke Hugo Boss werden mit höheren Zollabgaben konfrontiert
Die Bekleidungsindustrie ist ebenfalls betroffen: Modeanbieter wie die Edelmarke Hugo Boss werden mit höheren Zollabgaben konfrontiert. © IMAGO/Sven Severing
Schnaps und anderer Alkohol: Auch Weine und Spirituosen aus Deutschland erfreuen sich in den USA großer Beliebtheit
Schnaps und anderer Alkohol: Auch Weine und Spirituosen aus Deutschland erfreuen sich in den USA großer Beliebtheit. © Chromorange/Imago
Chemie-Gigant BASF setzt ungeheure Mengen seiner Erzeugnisse auch in den USA ab. Für Kunststoffe, Spezial-Chemikalien und mehr werden höhere Zölle fällig
Chemie-Gigant BASF setzt ungeheure Mengen seiner Erzeugnisse auch in den USA ab. Für Kunststoffe, Spezial-Chemikalien und mehr werden höhere Zölle fällig.  © Ulrich Roth/Imago
Haushalts- und Elektrogeräte zum Beispiel von Siemens werden künftig ebenfalls für höhere Kosten in die USA importiert
Haushalts- und Elektrogeräte zum Beispiel von Siemens werden künftig für höhere Kosten in die USA importiert. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Küchen und zahlreiche Einrichtungsstücke wie Möbel sind von den höheren Zollgebühren in die USA betroffen
Küchen und zahlreiche Einrichtungsstücke wie Möbel sind von den höheren Zollgebühren in die USA betroffen. © IMAGO/Manfred Segerer
Kaffee aus Europa wird bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten von nun an mehr Geld kosten
Kaffee aus Europa wird bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten von nun an mehr Geld kosten. © Zoonar/Imago

Stärke zeigen, aber nicht eskalieren. Ähnlich drückt es auch Ursula von der Leyen aus. Man bereite sich auf Gegenmaßnahmen vor, sagt die Kommissionschefin, aber für Verhandlungen sei es nicht zu spät. Tatsächlich ist die Hoffnung, Trump im Gespräch zu besänftigen, allerdings gering. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic, der unlängst zu Gesprächen in Washington war, zweifelte danach öffentlich am Kompromisswillen der US-Regierung. Er muss es wissen: Keine zwei Tage nach seinem angeblich guten Besuch verhängte Trump deftige Autozölle, auch gegen EU-Hersteller.

Trumps „Liberation Day“ keine Überraschung: EU bereitet sich seit Monaten auf Handelskonflikt vor

Nun also der nächste Hammer, den der US-Präsident überschwänglich als „Tag der Befreiung“ feiert. Die EU schlittert nicht unvorbereitet in diese Situation. Sie ist zuständig für neue Zölle, muss aber die entstehenden Belastungen für die Mitgliedstaaten und ihre Bürger austarieren. Deswegen bereitet sie sich seit Monaten auf einen Handelskonflikt vor. Ergebnis: Eine rund 100 Seiten lange Liste mit US-Produkten, die im Gegenzug mit Zöllen belegt werden könnten. Man wolle verhältnismäßig reagieren, heißt es aus Brüssel, nach den Regeln der Welthandelsorganisation – auch wenn Washington sie ignoriere.

Die Gegenzölle seien derzeit in der Endabstimmung, sagt Weber. „Wir werden sie in den nächsten ein bis zwei Wochen scharfstellen.“ Sie sind fein austariert und folgen zwei Kriterien. Erstens müssen die betroffenen Produkte für Europa leicht anderswo zu besorgen sein. Zweitens sind sie besonders auf Waren aus republikanischen Staaten zugeschnitten. Den Effekt sollen vor allem Trump-Wähler zu spüren bekommen. Betroffen sein könnten Motorräder, Rindfleisch oder Sojabohnen.

Neben Gegenzöllen: EU plant auch Angriffe gegen Digitalkonzerne wie Google oder X

Längst stehen aber auch andere Forderungen im Raum, etwa höhere Steuern oder Strafmaßnahmen gegen Digitalkonzerne wie Google, Netflix oder X, die Elon Musk und die anderen Milliardäre rund um Trump treffen würden. Das wäre zu rechtfertigen. Denn während die USA einen europäischen Handelsüberschuss bei Waren wie Autos beklagen, gilt das umgekehrt auch für digitale Dienstleistungen aus Amerika. Weber hält straffere Maßnahmen für möglich, aber erst im zweiten Schritt, sofern die Gespräche mit Washington nichts bringen.

Nach Ankündigung der Zölle kündigte die EU Reaktionen an.

Zur Not hat Brüssel noch eine besonders scharfe Waffe im Köcher, das „Anti-Coercion Instrument“ (ACI). In Brüssel sprechen sie von der Bazooka. Das ACI, während Trumps erster Amtszeit erdacht, bevollmächtigt die Kommission unter bestimmten Umständen, den Wirtschaftsaustausch mit einem Drittstaat in Teilen oder auch ganz zu stoppen. Das aber ist kompliziert und würde breiten Schaden anrichten. Es ist quasi die Notfallwaffe.

Konservativer EU-Politiker warnt vor Optimismus: Trump werde US-Handelspolitik nach innen richten

Vorerst bleibt ein wenig Hoffnung auf ein Einlenken Trumps, auch durch den Druck seiner Basis. „Es ist eine große Wette, die er eingeht“, sagt Weber, warnt aber vor zu viel Optimismus. Europa müsse sich handelspolitisch auf Zeiten einstellen, in denen Amerika sich stark nach innen wendet. Darin liegt zugleich die Chance, den Handel mit anderen Regionen zu stärken. Das EU-Abkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gehört dazu, die Verhandlungen mit Indien laufen gut. Europa, sagt Weber, habe die „Chance, der Leuchtturm fairer Handelsbeziehungen zu werden“.

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa/NurPhoto/imago (montage)

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