Indopazifik

Ansage an China: Deutschland beteiligt sich an Militärübung in Indien

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Die zweite Phase von „Tarang Shakti“ (hier die erste Phase Übung) soll am 29. August beginnen.

Deutschland beteiligt sich am Mega-Manöver des Westens und Indiens gegen den chinesischen Expansionismus. Von Padma Rao.

Tarang Shakti – zu Deutsch: „Macht der Wellen“ – nennt sich Indiens erste multinationale Luftkampfübung, in ihrer ersten Phase in der ersten Augusthälfte stattgefunden hat. Mit von der Partie waren Verbände aus Deutschland, Spanien und Frankreich. Und die Partie begann mit einer Panne.

Ein Transporter vom Airbus A400 der deutschen Luftwaffe – lange notorisch übertechnisiert und unzuverlässig – sollte einen Pressetross von Neu-Delhi zum Luftwaffenstützpunkt Sulur 2393 Kilometer südlich der indischen Hauptstadt fliegen. Man wollte die Stärken dieses mittelgroßen Fliegers präsentieren. Aber dann verweigerte sein viertes Triebwerk den Dienst. Unter den deutschen Pressereisenden machten sarkastische Verweise auf die berüchtigte Deutsche Bahn die Runde, während ihre diplomatische Berliner Begleitung – möglicher Rüstungsdeals wegen – errötete und „Mega-Blamage“ murmelte.

Das militärische indische Fachpublikum nahm’s gelassen: Die Luftwaffe des Subkontinents (IAF) ist die viertgrößte der Welt, fliegt aber zum Teil noch Jets aus Sowjettagen, berüchtigt für Pannen und sogar Abstürze. Seit Beginn des Ukraine-Krieges wird es auch immer schwieriger, Ersatzteile für sie zu beschaffen. Die Mig-21 (Indienststellung 1959), stürzten so regelmäßig ab, dass sie als „fliegende Särge“ bekannt und erst vor kurzem ausgemustert wurden. Kein Wunder also, dass Indien sich umschaut, umworben wird und inzwischen zum weltweit größten Käufer von Kriegsgütern geworden ist.

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Frankreich hat da mit seinem Kampfjet „Rafale“ das rennen vor dem „Eurofighter Typhoon“ machen können, aber vor Ende 2024 könnte Thyssen-Krupp noch das derzeit größte Rüstungsgeschäft der Welt abschließen: den Kauf von sechs U-Booten für die ebenfalls modernisierungsbedürftige indische Marine.

Dass die IAF sich aber für den A400 begeistern lässt, hält der Verteidigungsanalyst Rahul Bedi im Gespräch mit der FR für „unwahrscheinlich“. Casa aus Spanien und die indische Firmengruppe Tata kooperierten längst bei Kauf und Lizenzbau des Transporters Airbus C-295. Und sich nur auf seine Transportflotte zu konzentrieren, wäre für die IAF, so Bedi „unpraktisch und finanziell nicht rentabel“.

Aber abgesehen von etwaigen Rüstungsdeals zwischen Indien und Deutschland wurde dann doch auch die Frage gestellt, warum die deutsche Luftwaffe 1800 Soldaten durch vier Kontinente geflogen hat und dann ihre Tour mit gemeinsamen Manövern mit der ihr völlig fremden IAF beendet hat. „Indien ist ein äußerst wichtiger Partner im Indopazifik“, postulierte der deutsche Luftwaffenchef Ingo Gerhartz. Sein indischer Gegenüber Vivek Chaudhari umschrieb das so, dass die Übung den indischen und den europäischen Streitkräften helfe, gemeinsam agieren, obwohl sie verschiedene Systeme betreiben.

Und kein Wort von China. Aber dabei steht die relativ junge Polit-Vokabel „Indopazifik“ exakt für die Anstrengungen der USA, Europas und der Anrainer der beiden Ozeane, die Ambitionen der Volksrepublik einzudämmen.

So 2200 Kilometer nordwestlich von Sulur bäumt sich Indiens nuklearer Nachbar und Erzfeind Pakistan auf, Chinas engster regionaler Verbündeter. Nordöstlich von Sulur und etwa in gleicher Entfernung verläuft Indiens 3500 Kilometer lange Landgrenze zu China, dessen Truppen dort in den vergangenen Jahren bis zu vier Kilometer weit die Grenze überschritten haben: Peking beansprucht einen kompletten indischen Bundesstaat für sich, Waffengänge sind bislang ausgeblieben, aber Tote und Verletzte hat es bei Prügeleien bereits gegeben.

Ebenfalls nordöstlich von Sulur liegen Indiens Nachbarn Bangladesch und Myanmar. Wie Pakistan sind auch sie Chinas enge militärische Verbündete und Teil der „Neuen Seidenstraße“. Und 500 Kilometer südlich von Sulur verlaufen im Indischen Ozean die wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt von Ost nach West.

Sri Lanka und die Malediven sind auch in die „Seidenstraße“ integriert. China hat einen Hafen in Sri Lanka für 99 Jahre gepachtet und erhielt dazu 6070 Hektar Land gleich nebenan geschenkt. Kurz vor der Ankunft der Deutschen in Sulur bekräftigte der chinesische Botschafter in Sri Lanka die militärische Unterstützung seines Landes für Sri Lanka gegen „äußere Bedrohungen“. Das maledivische Atoll Feydhoo Finholhu ist für 50 Jahre an China verpachtet. Nach Angaben des US-amerikanischen Council for Foreign Relations machen die 1,4 Milliarden Dollar Kredite der Malediven bei chinesischen Banken inzwischen 20 Prozent der Staatsverschuldung aus.

Indien: Außenminister warnt vor China

Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar warnte Anfang des Monats wegen der Vorgehens Chinas im Indopazifik: „Es ist ein disruptiver Wandel, wir müssen uns darauf vorbereiten.“ Aber würden Deutschland und andere Indien wirklich zu Hilfe kommen im Konfliktfall mit China? „Wenn im Himalaya an der Grenze zu China ein Landkrieg ausbricht, wird uns niemand helfen“, sagte der pensionierte indische General Shokin Chauhan, der Truppen an der chinesischen Grenze befehligt hat. „Aber dieser Krieg würde nicht eingeschränkt bleiben. Angesichts der Ansprüche Chinas auf strategische Häfen von Afrika bis Myanmar und darüber hinaus wird der Indische Ozean als Teil des Indopazifik zu einem weiteren Kriegsschauplatz. Luftstreitkräfte und Marinen werden sich einmischen, und Indien wird sich als Teil größerer globaler Bündnisse wiederfinden.“

Am Ende der Übung in Sulur war Spaniens Luftwaffenchef Francisco Braco Carbo der einzige in Uniform, der einräumte, dass potenzielle Konflikte der Hauptgrund für gemeinsame Übungen wie Tarang Shakti sind. „Unser erstes Ziel ist die Abschreckung“, sagte Carbo. „(Nach der Ukraine..) wird es sicher den nächsten Konflikt geben.“

Die zweite Phase von „Tarang Shakti“ soll am 29. August beginnen. Dann werden Indiens andere – und engere – indopazifische Partner, Australien und die USA, mitmachen. Und dann wird in nur 317 Kilometer Entfernung von Pakistan geflogen. „Zum ersten Mal legen die Vereinigten Staaten ihre frühere Zurückhaltung ab, Luftübungen so nah an Chinas Verbündeten Pakistan durchzuführen“, sagt Chauhan. „Damit sagen sie Peking: Wir sind jetzt in eurer Nachbarschaft.“

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