Befragung der Universität Leipzig

AfD-Hochburg Thüringen: Neue Studie erklärt, warum der Osten so rechts wählt

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Verschwörungsmentalität und Demokratieverdrossenheit: Eine neue Studie aus Leipzig liefert mögliche Gründe für den Erfolg der AfD in Thüringen. 

Erfurt – Die AfD feiert gerade Wahlerfolge und Umfragehochs in ganz Deutschland. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern ist sie erfolgreich. Die Thüringer AfD unter Björn Höcke gilt seit 2021 als gesichert rechtsextrem. 2024 findet in Thüringen wieder eine Landtagswahl statt. Aktuell kommt die Partei dort in einer Umfrage des WDR auf 34 Prozent. Sind das alles Protestwähler? Die Frage nach dem Warum stellt sich immer wieder. Eine neue Studie aus Leipzig liefert mögliche Antworten.

3500 Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden für eine repräsentative Studie des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts an der Universität Leipzig (EFBI) unter anderem zu Verschwörungsmentalität und fremdenfeindlichen Tendenzen befragt. Auch das Thema Demokratieverdrossenheit spielt eine Rolle.

DDR-Vergangenheit weniger entscheidend?

Aus dem Policy Paper geht hervor, dass sich zwar eine Mehrheit mit dem Prinzip Demokratie identifizieren kann, aber weniger als die Hälfte im Alltag zufrieden mit ihr ist. In Thüringen geben erschreckende 80.2 Prozent der Befragten an, keinen Einfluss auf die Regierung zu haben. Auch in den anderen Ost-Bundesländern sind die Werte ähnlich.

Häufig wird im Zusammenhang mit rechten Tendenzen die bleibende Identifikation vieler Menschen mit der DDR genannt. Das ist laut der Studie allerdings kein entscheidender Faktor in Bezug auf demokratische Werte und rechtsextreme Einstellung. „Die größte Erklärungskraft“, so heißt es weiter, liege in der Analyse von Verschwörungsmentalität und der Wunsch nach autoritärer Unterwerfung. Demnach sehnen sich derzeit viele Menschen in den ostdeutschen Bundesländern nach der „scheinbaren Sicherheit einer autoritären Staatlichkeit.“ Dieses Gefühl scheint die AfD vielen zu vermitteln.

AfD-Vorsitzende Alice Weidel und der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke bei einer Demo in Erfurt.

In Thüringen sind laut der Studie fremdenfeindliche Tendenzen mit 30,6 Prozent besonders ausgeprägt. Speziell antisemitische und antimuslimische Einstellungen sind deutlich erhöht, auch im direkten Vergleich mit den anderen ostdeutschen Bundesländern. Bei Einstellungen, die unter Verschwörungsmentalität fallen, liegt Thüringen mit 43,2 Prozent nur hinter Sachsen-Anhalt mit 46 Prozent.

AfD-Umfragen: Auch in NRW großes Plus

Auch anderswo in Deutschland ist die AfD erfolgreich, in Nordrhein-Westfalen gewinnt die Partei in aktuellen Umfragen 8,8 Prozent hinzu, kommt jetzt auf 14,2 Prozent. Diese Ergebnisse werten Medienexperten gegenüber dem WDR aber eher als Unzufriedenheit mit der Ampel-Regierung.

Rubriklistenbild: © IMAGO

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