Großbritannien

Großbritannien: Antisemit ins Unterhaus gewählt

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George Galloway (69) saß früher auch mal für Labour im Parlament.
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Der Linkspopulist George Galloway gewinnt eine Nachwahl in Großbritannien. Das schadet vor allem Großbritanniens hauptsächlicher Oppositionspartei Labour.

George Galloway, Chef der links-nationalistischen Mini-Vereinigung The Workers Party of Great Britain, hat in der Nacht zu Freitag die Nachwahl für den Unterhaussitz von Rochdale im Nordwesten Englands gewonnen. Das schadet vor allem Großbritanniens hauptsächlicher Oppositionspartei Labour. Und den etwa 77 000 Menschen in der Stadt im Umland von Manchester.

Labour hatte Rochdale eigentlich sicher. Ihr dortiger Abgeordneter Tony Lloyd war leider gestorben, aber die Torys können kaum noch mit Wahlsiegen rechnen.

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Dann aber wurden antiisraelische und antisemitische Verschwörungsfantasien des Labour-Nachfolgekandidaten Azhar Ali bekannt. Vor drei Wochen entzog Labour Ali die Unterstützung – nachdem man vorher versucht hatte, das Problem wegzureden. Damit aber war Labour aus dem Rennen um Rochdale raus: Die Frist zur Nominierung von jemand Neuem war verstrichen.

Tatsächlich musste Labour sich von Ali lossagen, denn der stellte Behauptungen auf wie die, dass Israels Regierung die Terrorangriffe der Hamas vom 7. Oktober wissentlich zugelassen habe, um dann freie Hand gegen den Gazastreifen zu haben. Labours Führung, belagert von anti-israelischen und pro-palästinensischen Gruppierungen, rügte das erst nur. Als dann publik wurde, dass Ali wohl „gewisse jüdische Kreise in den Medien“ für die Suspendierung eines früheren Abgeordneten verantwortlich gemacht hatte, rissen alle Stricke.

Und Labour war raus. Man entschuldigte sich „bei den Menschen von Rochdale“, aber die suchten ihr Heil nun bei George Galloway. Rochdale ist eine von Hunderten und Aberhunderten englischen Kommunen, die durch die Tory-Regierungen seit 2010 systematisch strukturell kaputtgespart wurden. Die Bevölkerung ist zu 30 Prozent muslimisch. Galloways Hasstiraden auf Israel und auf das Parteien-Establishment konnten nur verfangen.

Labours Warnung verhallte: „Galloway ist nur daran interessiert, Angst und Spaltung zu verbreiten.“ Die britische „Campaign Against Antisemitism“ kritisierte, dass Galloway dafür bekannt sei, gegen die jüdische Gemeinde zu hetzen. Wie er nun die Plattform Unterhaus für sich nutzen wird, bereitet vielen Sorge. mit dpa

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