Israel-Krieg

Seit Hamas-Überfall: Antisemitische Vorfälle steigen sprunghaft in Deutschland an

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Seit dem Angriff der Hamas auf Israel hat der Antisemitismus in Deutschland zugenommen. In der Hauptstadt haben sich die Fälle verdreifacht.

Berlin – Der Überfall der Hamas auf Israel mit dutzenden verschleppten Geiseln, hunderten Toten und tausenden Verletzten hat auch Auswirkungen auf Deutschland. Tausende Menschen sind seitdem in verschiedenen deutschen Städten für Demonstrationen auf die Straße gegangen und warben entweder für Solidarität mit dem angegriffenen Israel – oder für Palästina.

Diese Versammlungen blieben nicht immer friedlich: Allein bei der Demonstration in Berlin zum sogenannten „Tag des Zorns“ wurden 65 Polizeibeamte verletzt, rund 200 Personen wurden festgenommen.

Pro-Palästinenser-Demo und Proteste gegen Israel: Antisemitische Vorfälle nehmen in Deutschland zu

Aber auch außerhalb von Demonstrationen gibt es zunehmend antisemitische Straftaten. Diese haben seit dem Angriff der Hamas auf Israel noch deutlich zugenommen, wie die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) am 18. Oktober berichtet.

Antisemitische Vorfälle in Deutschland zugenommen. Insbesondere in Berlin werden seit dem Angriff der Hamas auf Israel mehr Situationen registriert.

So nennt Rias 202 verifizierte antisemitische Vorfälle zwischen dem 7. und 15. Oktober in Deutschland, die mit dem Terrorangriff in Israel in Bezug gesetzt werden können. „Unter den 202 bereits verifizierten antisemitischen Vorfällen sind sechs Angriffe, sieben gezielte Sachbeschädigungen, fünf Bedrohungen, eine Massenzuschrift und 183 Fälle verletzenden Verhaltens (davon sind 30 Fälle Versammlungen)“, heißt es im Bericht weiter.

Mehr antisemitische Vorfälle in Berlin

Insbesondere Berlin ist betroffen. In der Hauptstadt hat der Angriff der Hamas auf Israel zu einem sprunghaften Anstieg von Antisemitismus geführt. In einem weiteren Bericht vom 20. Oktober schreibt Rias, dass zwischen dem 7. und 18. Oktober in Berlin 70 antisemitische Vorkommnisse dokumentiert wurden. Das bedeutet eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr, als im gleichen Zeitraum lediglich 25 Vorfälle gezählt wurden.

Es wird allerdings auch eine große Dunkelziffer vermutet. „Die Zahlen müssen als vorläufig betrachtet werden, da bereits zahlreiche weitere Vorfälle gemeldet wurden, die noch nicht verifiziert werden konnten“, heißt es in dem Bericht weiter.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Nach Angriff der Hamas: Jüdinnen und Juden in Angst

Besonders schwer wertet Rias Berlin den Brandanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum. „Dieser Vorfall stellt eine Eskalation des bisherigen Vorfallgeschehens dar. Auch wenn das Gebäude letztlich nicht beschädigt wurde, bedeuten solche Formen antisemitisch motivierter Gewalt eine Erschütterung des Sicherheitsgefühls innerhalb der jüdischen Gemeinschaften.“

Jüdinnen und Juden in Deutschland ergreifen bereits Maßnahmen für ihre eigene Sicherheit. Sie wollen nicht als Anhänger des jüdischen Glaubens identifiziert werden. „Beispielsweise werden nach außen sichtbare Symbole des Judentums an ihren Wohnungen wie Mesusot entfernt. Vorsorglich werden Orte des Alltags gemieden, Kinder werden nicht in die Schule geschickt, israelische Restaurants bleiben geschlossen“, so Rias weiter. (spr)

Rubriklistenbild: © Sven Kaeuler

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