Seit Hamas-Überfall: Antisemitische Vorfälle steigen sprunghaft in Deutschland an
VonSebastian Richter
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Seit dem Angriff der Hamas auf Israel hat der Antisemitismus in Deutschland zugenommen. In der Hauptstadt haben sich die Fälle verdreifacht.
Berlin – Der Überfall der Hamas auf Israel mit dutzenden verschleppten Geiseln, hunderten Toten und tausenden Verletzten hat auch Auswirkungen auf Deutschland. Tausende Menschen sind seitdem in verschiedenen deutschen Städten für Demonstrationen auf die Straße gegangen und warben entweder für Solidarität mit dem angegriffenen Israel – oder für Palästina.
Diese Versammlungen blieben nicht immer friedlich: Allein bei der Demonstration in Berlin zum sogenannten „Tag des Zorns“ wurden 65 Polizeibeamte verletzt, rund 200 Personen wurden festgenommen.
Pro-Palästinenser-Demo und Proteste gegen Israel: Antisemitische Vorfälle nehmen in Deutschland zu
Aber auch außerhalb von Demonstrationen gibt es zunehmend antisemitische Straftaten. Diese haben seit dem Angriff der Hamas auf Israel noch deutlich zugenommen, wie die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) am 18. Oktober berichtet.
So nennt Rias 202 verifizierte antisemitische Vorfälle zwischen dem 7. und 15. Oktober in Deutschland, die mit dem Terrorangriff in Israel in Bezug gesetzt werden können. „Unter den 202 bereits verifizierten antisemitischen Vorfällen sind sechs Angriffe, sieben gezielte Sachbeschädigungen, fünf Bedrohungen, eine Massenzuschrift und 183 Fälle verletzenden Verhaltens (davon sind 30 Fälle Versammlungen)“, heißt es im Bericht weiter.
Mehr antisemitische Vorfälle in Berlin
Insbesondere Berlin ist betroffen. In der Hauptstadt hat der Angriff der Hamas auf Israel zu einem sprunghaften Anstieg von Antisemitismus geführt. In einem weiteren Bericht vom 20. Oktober schreibt Rias, dass zwischen dem 7. und 18. Oktober in Berlin 70 antisemitische Vorkommnisse dokumentiert wurden. Das bedeutet eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr, als im gleichen Zeitraum lediglich 25 Vorfälle gezählt wurden.
Es wird allerdings auch eine große Dunkelziffer vermutet. „Die Zahlen müssen als vorläufig betrachtet werden, da bereits zahlreiche weitere Vorfälle gemeldet wurden, die noch nicht verifiziert werden konnten“, heißt es in dem Bericht weiter.
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Nach Angriff der Hamas: Jüdinnen und Juden in Angst
Besonders schwer wertet Rias Berlin den Brandanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum. „Dieser Vorfall stellt eine Eskalation des bisherigen Vorfallgeschehens dar. Auch wenn das Gebäude letztlich nicht beschädigt wurde, bedeuten solche Formen antisemitisch motivierter Gewalt eine Erschütterung des Sicherheitsgefühls innerhalb der jüdischen Gemeinschaften.“
Jüdinnen und Juden in Deutschland ergreifen bereits Maßnahmen für ihre eigene Sicherheit. Sie wollen nicht als Anhänger des jüdischen Glaubens identifiziert werden. „Beispielsweise werden nach außen sichtbare Symbole des Judentums an ihren Wohnungen wie Mesusot entfernt. Vorsorglich werden Orte des Alltags gemieden, Kinder werden nicht in die Schule geschickt, israelische Restaurants bleiben geschlossen“, so Rias weiter. (spr)